Ehingen Der Ferienjob nicht nur zum Geldverdienen gut

Ehingen / RENATE EMMENLAUER 30.08.2018

Zwei Wochen hatte die Firma Tries in Ehingen nun Betriebsurlaub. Die Haupturlaubszeit vor und nach dieser Phase deckt der Hersteller von Hydraulikelementen immer mit Ferienarbeitern ab. „Jede Woche arbeiten zwei junge Leute bei uns. Die meisten sind drei Wochen bei uns. Mehrheitlich in der Montage und im Versand“, sagt Geschäftsführer Roland Stirmlinger.

Voraussetzung sei, dass die Ferienarbeiter mindestens 16 Jahre alt sind. Altersmäßig seien dies fast immer Gymnasiasten und Studenten, ebenso auch Realschüler und Abiturienten, die mit der Schule schon Anfang Juni fertig seien und bis zum Ausbildungs- oder Studienbeginn noch etwas Geld dazuverdienen wollen. Idealerweise, sagt Stirmlinger, bringen Bewerber noch etwas technisches Verständnis mit. Wobei dies keine Grundvoraussetzung ist, zumal es sich bei der Arbeit der Ferienjobber um reine Hilfstätigkeiten handle.

Mit einem „Paten“ an der Seite

Außerdem habe der Montageleiter Klaus Frankenhauser immer mal ein Auge auf die Neulinge, und es sei am Nachbararbeitsplatz stets ein so genannter „Pate“ dabei. Schief gehen kann so gut wie nichts, zumal, wie Meister Klaus Frankenhauser anmerkt, alle Teile eine intensive Prüfung durchlaufen. Aktuell montiert er Ventile zusammen.

Es gehört Glück dazu, überhaupt einen Ferienjob zu bekommen. Das weiß auch Luan Gnann (16) aus Laupheim. „Die Nachfrage ist weit größer als das Angebot.“ Der Schüler des dortigen Carl-Laemmle-Gymnasiums ist über familiäre Kontakte reingekommen. Am ersten Tag, an dem er  bei Tries schafft, plant er, zwei Wochen im Betrieb zu bleiben. Luan Gnann will mit seinem ersten selbst verdienten Lohn irgendwann mit Freunden nach Kroatien fahren. Aber er hat nicht nur das Geld im Blick. „Für mich ist der Ferienjob auch wichtig, um Arbeitserfahrung zu sammeln. Vielleicht orientiere ich mich zu einem technischen Studium.“ Und da sei der  Einblick in einen solchen Betrieb nie verkehrt.

Bereits im zweiten Jahr bei Tries ist Jasmin Herde (22). Die Studentin an der FH Neu-Ulm war vergangenes Jahr in der Montage, jetzt ist sie im Versand. Mit dem Geld aus den drei Wochen Ferienarbeit möchte sich Jasmin Herde einen Laptop kaufen. Sie wohne zwar noch zuhause, aber finanziell möchte sie ihren Eltern auch nicht alles auflasten, sagt sie. Von den zwei Monaten Semesterferien zwacke sie gern mal drei Wochen ab. An den Job gekommen ist die Studentin durch ihren Freund, der bei Tries arbeitet.

Hoffen auf eine Lehrstelle

Erik Nickel schafft auch in den Ferien – bei Gapp Holzbau in Öpfingen. Aber nicht für Geld, vielmehr hofft der Jugendliche auf eine Lehrstelle als Zimmermann. Der Ehinger kommt in die zehnte Klasse der Jungenrealschule. Bereits in den Pfingstferien hat er in den Holzfachbetrieb reingeschnuppert. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich gleich für die Sommerferien gemeldet habe“, sagt Erik Nickel. Nach dem Abschluss seiner Sommerschnupperwoche möchte er aber gerne noch eine oder zwei Wochen dranhängen. „Mir macht das Handwerkliche Spaß.“

Momentan hilft er beim Bau der Wohnanlage in Oberdischingen mit. „Die Kollegen sind super und sind sehr geduldig mit mir. Und die Firma Gapp ist sehr vielseitig. Die bauen Einfamilienhäuser und Wohnanlagen, sind aber auch ein klassischer Holzfachbetrieb.“ Für Erik Nickel war wichtig, sein „Praktikum“ in die Ferien zu legen. „Da spürt der Betrieb auch, dass ich richtiges Interesse habe und nicht nur die Praxiswoche durchziehen will.“ Ob er für seine Mithilfe ein Taschengeld bekommt oder auch nicht, ist für den Schüler nicht wichtig. „Es macht super Spaß. Das ist die Hauptsache.“

Keine Jobs mehr bei Liebherr

Gapp-Geschäftsführer Dominik Maier will dem jungen Helfer, der fleißig, pünktlich und hoch motiviert sei, auf jeden Fall ein „Taschengeld“ zukommen lassen. „Das hat er sich verdient“, sagt Maier.

Übrigens stellt das Ehinger Liebherr-Werk keine Ferienarbeiter mehr ein, nur Werksstudenten und Aushilfskräfte, die mindestens drei Monate arbeiten.

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In welchen Branchen hat man die größten Chancen auf einen Ferienjob? Ferienjobs finden Schüler häufig in der Gastronomie, im Supermarkt und im Getränkelager. Auch leichte Verkaufstätigkeiten und Lagerarbeiten werden angeboten. Viele Firmen bevorzugen es, Aushilfen regelmäßig, beispielsweise einmal pro Woche zu beschäftigen. Das können eher Studenten bedienen. Für Studenten gibt es auch schon mal anspruchsvollere Tätigkeiten, etwa Urlaubsvertretungen im Büro oder Tätigkeiten, in denen ein Führerschein Voraussetzung ist. Wo und wie können Schüler einen Ferienjob finden? Eltern, Verwandte, Bekannte hören auf ihrer Arbeitsstelle, wo es Jobs gibt. Vielleicht hat eine Freundin oder Freund schon einen Job gefunden und weiß, dass weitere Jobber gesucht werden.

Ein Ferienjob läuft meist unter kurzfristigen Minijobs: Eine solche kurzfristige Beschäftigung ist vor allem für die Sommer- oder Semesterferien gedacht. Der Arbeitnehmer arbeitet im Jahr nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage und somit nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich. Eine feste Verdienstgrenze gibt es dafür bei diesen Jobs nicht. Für kurzfristige Minijobs ab dem 1. Januar 2019 gelten andere Zeitgrenzen - nämlich zwei Monate sowie 50 Arbeitstage.

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