Ehingen Der Anspruch wächst

Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 16.07.2015
Eine Gewerbliche Schule wie die in Ehingen muss für ihre mehr als 2000 Schüler technisch auf dem neuesten Stand sein. Gestern wurde eine neue Ausstattung, aber auch ein Personalwechsel bekannt gegeben.

In der Werkstatt der Kfz-Mechatroniker an der Gewerblichen Schule in Ehingen steht ein nagelneuer Audi Q5 mit Hybridtechnik. Solch ein sportlicher SUV ist für etwa 80 000 Euro zu haben. Die Schule bekam ihn dieses Jahr für knapp 7000 Euro zu Ausbildungszwecken. "In dieser Preisklasse hatten wir bisher noch kein Auto", sagt Ausbilder Winfried Biberacher. Für die angehenden Kfz-Mechatroniker ist es jedoch wichtig, sich mit neuen Antriebstechniken und der dazugehörigen Elektronik vertraut zu machen. Das Fahrzeug hat einen Otto-Motor, aber auch eine 260-Volt-Batterie und einen E-Motor, der das Auto batteriegetrieben drei Kilometer fahren lässt. Im Gegensatz zu Elektrofahrzeugen hat der Hybrid keine Steckdose zum Aufladen.

Das neue Auto ist jedoch nur eine der Neuanschaffungen 2015. "Der theoretische Anspruch wird in den technischen Berufen immer höher und wir müssen jedes Jahr neu auf die Lehrpläne eingehen", sagt Schulleiter Werner Glocker. Zudem müsse ständig neu mit den vorhandenen Räumen jongliert werden. Für die Techniker und Elektroniker der verschiedenen Schularten wurde vor drei Monaten ein neuer Raum mit Steuerungs- und Automatisierungstechniken eingerichtet. Pneumatik, das Entwerfen neuer Bauteile oder auch CNC-Technik sind hier möglich. Nicht nur die Metallberufe, auch die Schreiner und anderen Holzberufe nutzen den Raum. Einen neuen Weg geht der Schulträger mit dem Erwerb einer 80 000 Euro teuren Spritzgussmaschine: "Die haben wir beim Hersteller gemietet", erklärt Ausbilder Joachim Surrey. Die neue Maschine läuft vollelektronisch und ist leiser als die benachbarte hydraulische Variante. Die Verfahrensmechaniker in der Kunststoff- und Kautschuk-Technik profitieren von der Anlage, die mit 10 500 Euro Miete pro Jahr immer noch ordentlich zu Buche schlägt. Alle sechs bis zehn Jahre müsse man in dem Bereich mit neuen Techniken rechnen, sagt Surrey. Auch die Arbeitsplätze der Schweißer wurden für 120 000 Euro modernisiert. Von den mehr als 30 Jahre alten Geräten trennten sich Schüler und Ausbilder gerne.

Schon jetzt laufen an der Schule die Planungen für das Jubiläum "160 Jahre Gewerbliche Schule", das am 10. Oktober 2015 an der Schule mit einem "Tag der offenen Tür", Beginn 10 Uhr, gefeiert wird. "Wir wollen zeigen, wofür unsere Schule steht", umschreibt Werner Glocker das vorläufige Programm.

Eine Veränderung gibt es an der Schule auch im Rektorat. Der stellvertretende Schulleiter Georg Schrade geht in Ruhestand, sein Nachfolger ist Jochen Münz. Georg Schrade war selber schon als Schüler auf die gewerbliche Schule gegangen und hatte Werkzeugmechaniker gelernt. Später studierte der Schelklinger Maschinenbau, Kfz-Technik und Physik. 1980 kam er als Lehrer an die Schule. 2002 wurde er Abteilungsleiter Metall, 2008 stellvertretender Schulleiter. "Georg Schrade hob die Schulleitung auf eine digitale Basis", lobte Glocker. Zudem war er mit Verwaltungsaufgaben, der Statistik, dem Klasseneinteilungsmanagement und der Internatsbelegung betraut. 233 Schüler gehen in das angeschlossene Internat, in dem sie je nach Blockunterricht maximal vier bis fünf Wochen wohnen. Das muss akribisch organisiert werden.

Schrades Nachfolger ist der Ehinger Jochen Münz, der ebenfalls die Schule bereits als Schüler besucht hat. Der gelernte Nachrichtengerätemechaniker und Informationselektroniker ist seit 2001 an der Schule und übernahm 2009 die Abteilung Elektrotechnik, Holz und Bautechnik. Jochen Münz tritt sein Amt am 1. August an.