Ehingen „Nähe und Trost geben“: Henry Frömmichen lernt Bestatter

Henry Frömmichen mit einer Urne in den Räumen seines Arbeitgebers, dem Bestattungsinstitut Baur in Ehingen. Der 19-Jährige hat sein erstes Ausbildungsjahr absolviert.
Henry Frömmichen mit einer Urne in den Räumen seines Arbeitgebers, dem Bestattungsinstitut Baur in Ehingen. Der 19-Jährige hat sein erstes Ausbildungsjahr absolviert. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Renate Emmenlauer 07.12.2018
Henry Frömmichen ist gläubig und begann im vergangenen Jahr ein Theologiestudium. Er brach ab, nun lernt er Bestatter.

Menschen begleiten, in schönen wie in sorgenvollen und schweren Stunden, ihnen auf ihrem Lebensweg Trost spenden – für Henry Frömmichen ist das ein Beitrag im gesellschaftlichen Miteinander. Der 19-Jährige hat sich bereits als Jugendlicher in der katholischen Kirchengemeinde Allmendingen engagiert, war mehr als sieben Jahre Ministrant, davon vier Jahre Oberministrant. „Da hat man alles miterlebt: Schöne Anlässe wie Taufen, Kommunionen und Hochzeiten, aber auch traurige Momente bei Beerdigungen.“ So ist der junge Allmendinger aufgewachsen. Das war ein Teil seines Lebens.

Als er kaum drei Jahre alt war, ist seine Urgroßmutter gestorben. „Ich habe sie gestreichelt, auch noch als sie tot war. Meine Mama hat mir gesagt, jetzt kommt die Oma zu Gott.“ Seine Familie, sagt der junge Mann, sei immer offen mit dem Tod umgegangen. Binnen sieben Jahren starben dann drei weitere Urgroßeltern. „Ich war oft bei der Pflege und ich war auch beim Sterben dabei. Das waren intensive Erfahrungen für mich“, sagt Henry Frömmichen.

Berührungsängste mit Sterben und Tod kennt der junge Mann gar nicht. „Ich war meistens bei den Gesprächen beim Bestatter dabei.“ So kam es, dass er als Teenager beim Bestattungsunternehmen Baur in Ehingen in den Sommerferien öfter mitgeholfen hat. „Von den Mitschülern wurde ich deshalb immer belächelt. Aber das hat mich nie gestört.“

„Was ich dort lernte, war nicht das, was ich wollte“

Wobei Henry Frömmichens Blick eigentlich nie auf eine Laufbahn zum Bestatter gerichtet war. Sein Ziel: Nach dem Abitur, das er 2017 am Ehinger Johann-Vanotti-Gymnasium abgeschlossen hat, Theologie studieren und Priester werden. Kaum zwei Monate nach Studienbeginn in Tübingen kam das Erwachen für ihn: „Ich bin sehr gläubig. Das, was ich dort lernte, war nicht das, was ich wollte, nämlich Menschen seelsorgerische Nähe und Beistand geben.“ Also zog er die Notbremse.

Im Hinterkopf hatte er schon Plan B. Warum nicht als Bestatter arbeiten? Ein Anruf bei der Familie Baur in Ehingen und sein nächster beruflicher Weg war geklärt. Im Dezember 2017 hat Henry Frömmichen eine Ausbildung zur Bestatterfachkraft begonnen – als erster Azubi bei Baur Bestattungen. Unlängst hat der Lehrling seine Zwischenprüfung abgelegt. Wegen seiner Allgemeinen Hochschulreife kann er die Lehre um ein Jahr verkürzen.

Zu seinem Arbeitsalltag gehört das Abholen und das Überführen von Verstorbenen, nach Unfällen, aber auch nach einem gewaltsamen Tod. Außer der Abwicklung von Trauerfeiern, Beerdigungen, Behördengängen, Beratungsgesprächen ist auch Trauerpsychologie ein Teil seiner Ausbildung. Zu seinen Aufgaben gehören vor allem die hygienische Versorgung, sprich das handwerkliche Geschäft. Man will die Verstorbenen in schöner Erinnerung behalten.

Lieblingsfrisur und schönes Make-up

„Da gehört deren Lieblingsfrisur genauso dazu wie ein schönes Make-up oder gepflegte Kleidung“, sagt der angehende Bestatter. „Für mich ist es ein wertvoller letzter Dienst an den Verstorbenen und ihren Angehörigen, einen würdevollen letzten Gang zu arrangieren.“ Und jeder Verstorbene erzähle anhand seiner Hände und des Gesichts eine eigene Geschichte.

Wohin es den jungen, gläubigen Allmendinger nach seiner Ausbildung hinzieht, ob zum Beruf als Bestatter oder zum seelsorgerischen Dienst? „Ich gehe dahin, wo der Herrgott mich braucht und hinschickt. Ich bin mir sicher, er hat eine Aufgabe für mich.“ Sein Lebensmotto, sagt der 19-Jährige, stammt von Johann Wolfgang von Goethe: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Das nimmt auch Henry Frömmichens Chef Elmar Baur für sich in Anspruch. Er führt das Geschäft in der fünften Generation, hat erst Wirtschaftsinformatik studiert, danach zur Familientradition zurückgefunden: „Das hier ist ein wichtiger Dienst am Menschen. Das gibt den Menschen und mir selbst viel, viel mehr als Computer und Zahlen.“

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