Soziales Dem Freundeskreis Migranten fehlt Nachwuchs

Mitglieder im Freundeskreis wie Heidi Porsche sollen bitte weiter machen wie bislang, sagte Bürgermeister Sebastian Wolf bei dem Festakt.
Mitglieder im Freundeskreis wie Heidi Porsche sollen bitte weiter machen wie bislang, sagte Bürgermeister Sebastian Wolf bei dem Festakt. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 24.09.2018

In 25 Jahren haben wir unser Möglichstes getan, um ihnen das Leben so angenehm wie möglich zu machen“, sagte Rainer Lingg vom Ehinger Freundeskreis Migranten als Resümee aus einem Vierteljahrhundert Engagement für Menschen, die als Fremde nach Ehingen gekommen sind und hier von ehrenamtlich Engagierten vielfache Unterstützung erfahren haben. Im Bürgerhaus Oberschaffnei feierte der Freundeskreis sein Jubiläum, Lingg umriss die Geschichte des Vereins. Man sei dem damaligen Stadtpfarrer Franz Glaser, der von katholischer Seite eine Initiative für Spätaussiedler ins Leben rief, sehr verbunden.

Der Freundeskreis wurde bald ökumenisch und passte seine Hilfen den jeweiligen Anforderungen stets an. Er habe schon zum 20-jährigen Bestehen gesprochen, erinnerte sich Bürgermeister Sebastian Wolf in seinem Grußwort. In Begegnungen mit Menschen, die von dem Freundeskreis betreut werden, habe er stets große Dankbarkeit gespürt. Die Stadt sei sehr dankbar für das Engagement der Mitglieder. „Die Herausforderungen von 2015 wären nicht zu stemmen gewesen, wenn nicht die Jahre vorher schon so viel geleistet worden wäre“, sagte der Redner und zitierte den ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel, der gesagt hatte: „Eine Stadt besteht nicht nur aus Häusern und Straßen, sondern aus dem Geist, der in ihr herrscht.“ Wolf sprach den Mitgliedern Respekt und Anerkennung aus. Die Integration sei der Stadt eine Herzensangelegenheit und Zukunftssicherung. „Machen Sie bitte so weiter.“

Dass das Weitermachen eine schwierige Angelegenheit ist, umriss Heidi Porsche, die zuvor als „Fels in der Brandung“ bezeichnet worden war. Seit den Anfängen des Vereins kümmert sich die Ehingerin um Neuzugezogene aller Nationalitäten. „Ich wurde 1996 angesprochen, ob ich nicht Besuchsdienst bei Russlanddeutschen machen könnte“, erzählte sie. „Die Unterstützung eines Mädchens, das im Krankenhaus lag, war das Samenkorn für die Hausaufgabenhilfe“, sagte Heidi Porsche.

Aus der sporadischen Hausaufgabenhilfe wurde eine Institution, die derzeit 190 Schüler unterstützt und 50 Lehrkräfte beschäftigt. Vom Übergangswohnheim konnte die Hausaufgabenhilfe in die Räume der Moschee umziehen, als Zimmer für die Unterbringung benötigt wurden. Der Freundeskreis organisierte Bastelstunden, Vorlesestunden, Ausflüge und Feriencamps. „Die Arbeit hat sich nicht geändert, sie wurde nur mehr“, sagte Porsche. Und genau in diesem Punkt liegt das Problem des Freundeskreis. „Es kommen einfach keine jungen Leute nach.“ Senioren könnten die Ausflüge und Feriencamps einfach nicht mehr stemmen. Trotz Werbung für das Ehrenamt scheint der Freundeskreis zunehmend auszudünnen.

Michael Wichert von der Migrationsberatung der Caritas umriss ebenfalls die vergangenen 25 Jahre und meinte, dass sich die Rahmenbedingungen deutlich geändert hätten. „Früher hatten wir keine staatlich geförderten Sprachkurse.“ Integration sei ein Generationenprozess. 2000 Migranten lebten in Ehingen vor 25 Jahren, „heute sind es 5000“.

Die Perspektive der Migranten

In der anschließenden Konzertlesung warfen der Autor Urs Fiechtner und der aus Chile stammende Musiker Sergio Vesely einen Blick auf Deutschland aus der Sicht der Migranten. Der Erzähler sprach von solidarischen Deutschen und von Betroffenheitsdeutschen, von Missverständnissen, deutschen Tugenden, von Rechtfertigungen und von vielen Fragen. „Flüchtlinge sind Antworten, die keiner verlangt hat“, sagte Fiechtner.

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