Landwirtschaft Debatte um die Ferkel-Kastration

Die Teilnehmer des Gesprächs in Hausen.
Die Teilnehmer des Gesprächs in Hausen. © Foto: German Genetic / SZV
Hausen am Bussen / swp 27.07.2018
Tierärzte diskutierten über eine Fristverlängerung für die bisherige Praxis.

Ohne Lösungen droht den Ferkelerzeugern im Land das Aus. Das war das Fazit eines Gesprächs zum Thema Ferkel-Kastration, das am Donnerstag in Hausen am Bussen stattfand. Die Initiative für das Gespräch ging von den Tierärzten Dr. Stefan Birk, Daniela Braun und Dr. Monika Bantle aus. Darüber berichtete eine Mitteilung von „German Genetic“, einer Marke des Schweinezuchtverbandes Baden-Württemberg.

Hintergrund des Gesprächs war, dass von Januar 2019 an die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten sein soll.  Die Ferkel werden kastriert, um den für viele Verbraucher unangenehmen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleischs zu verhindern. Neben den Tierärzten nahmen auch der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel (CDU), Hans-Benno Wichert, der Präsident des Landes-Schweinezuchtverbandes und Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Bürgermeister Hans Rieger sowie der Schweinezüchter Alfred Seitz aus Weisel am Gespräch teil.

Neue Tierärzte benötigt

Ein Verbot der bisherigen Praxis der Kastration zum Anfang nächsten Jahres werde einen irreversiblen Strukturbruch innerhalb der Ferkelerzeugerbetriebe nach sich ziehen, sagten die Teilnehmer laut der Mitteilung. Der Termin zum Verbot der betäubungslosen Kastration müsse deshalb kurzfristig verschoben werden – und zwar möglichst um fünf Jahre, mindestens aber bis zu dem Zeitpunkt, an dem geeignete Tierarzneimittel zur Verfügung stehen. Denn sollten von Anfang 2019 an die Betäubung der Ferkel mit Isofluran oder einer Vollnarkose umgesetzt werden, würden in Deutschland 400 neue Tierärzte benötigt, die sich dann allein diesem Verfahren widmen müssten. Dies sei angesichts der kurzen Zeit unmöglich, wird Tierarzt Birk zitiert. Ziel müsse es sein, sagte Hagel, gerade die  bäuerlichen Familienbetriebe nicht alleine zu lassen. Es müssten praxistaugliche Lösungen geboten werden. Es soll intensiv für eine Verschiebung des Termins geworben und eine praktikable Lösung entwickelt werden, sagten die Gesprächsteilnehmer. „Lassen Sie uns Schweinehalter nicht im Stich“, forderte Schweinezüchter Alfred Seitz laut Mitteilung.

Drei Wege sollen von Anfang 2019 noch erlaubt sein

Recht In Deutschland sollen von Anfang nächsten Jahres an noch drei Wege zur Behandlung der Ferkel erlaubt sein, berichtet unter anderem der Bayerische Rundfunk – erstens eine Kastration mit einem Mittel, das die Hoden funktionsuntüchtig macht („Immunokastration“). Dann die Ebermast, bei der die Tiere nicht kastriert werden. Einige Eber bleiben dann „Stinker“, diese Tiere müssen am Schlachtband aussortiert werden. Ein dritter Weg ist die Kastration unter (Voll-) Narkose.

Wege Diese drei Wege böten zwar im Einzelfall durchaus Möglichkeiten für die Schweinezüchter. Sie passten jedoch nicht für alle Betriebe und Märkte, sagten die Diskussionsteilnehmer in Hausen. Es bedürfe deshalb mittelfristig eines vierten Weges.

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