„Es ist uns schwergefallen, das genau zu sagen“, sagte Rainer Markus Walter, Kurator für das Interim-Festival in Ehingen, zu den häufigen Fragen, was er und die künstlerischen Leiter für die vier Tage Ende Juni in Ehingen planen. „Jetzt haben wir das Programmheft und wollen früh zeigen, was wir vorhaben“, sagte Walter am Freitagmittag in einem Gespräch in der Oberschaffnei.

Wobei, so ganz fest steht noch nicht alles, denn: „Interim ist ein Experiment.“ Man sei noch mittendrin in den Vorbereitungen. Fest steht nun, wann was wo stattfindet, auch wenn manches nun in anderer Form daherkommt.

Eine Transformation hat Andreas von Studnitz mit seinem Projekt Traumtheater erlebt. Anfangs hatte er geplant, dass Besucher des Festzelts nach den Konzerten über eine Wiese mit „theatralen Hotspots“ gehen und mit Sagen und Mythen aus der Region konfrontiert werden. „So, wie sie durch eine Kneipe von Tisch zu Tisch gehen und die Geräuschkulisse wahrnehmen.“

Geräusche und abrupte Stille

Anfang April hat von Studnitz bemerkt, dass die Stadt Ehingen die Wiese aufreißen hat lassen, auf der gespielt werden sollte. Auf die Frage von von Studnitz an die Stadt, ob die Wiese bis Ende Juni wieder zuwachse, habe es Schulterzucken gegeben. „Dann dachte ich: So, jetzt reicht’s mir. Was, wenn’s regnet?“ Ohne Zuschauer sehe man alt aus, und auf der einstigen Wiese neben dem Volksfestplatz könne er nun keine Stromkabel verlegen. „Wenn es nicht so ist, dass der Hund zur Wurst geht, kei’ ich die Wurst zum Hund.“ Kurdische Mädchen mit Musikinstrumenten, Sänger, Märchenerzähler und mehr werden nun nach den Abendkonzerten die Zuschauer umstellen und gleichzeitig agieren. Sprache und Musik überlagern sich, sieben Mal wird alles abrupt von zehn Sekunden Stille unterbrochen, in denen die Künstler starr verharren.

Auch der Wolfertturm wird, wie berichtet, bespielt. Über ein Besuch des Interim-Mobils an der Längenfeldschule entstand die Idee, während des Festivals den Turm zu öffnen, darin von Kindern gemalte Bilder des Turms auszustellen, wie Sarah Baltes, Geschäftsführerin bei Interim, sagte. Kinder, die sich noch beteiligen wollen, können Bilder bis 30. Mai beim Kulturamt der Stadt einreichen. Ergänzt wird die Ausstellung im Turm mit Klängen aus Ehingen, die Jugendliche mit dem Jugendhaus „E.Go“ aufnehmen und aufbereiten. Mitglieder des Albvereins übernehmen dann im Turm die Aufsicht, der Verein bekommt das Material im Anschluss überreicht.

Werke von und Interviews mit Künstlern, die auf der Alb leben, bilden die Ausstellung „Kunstsphäre Alb“, die eine Woche vor dem Festival Vernissage in der Städtischen Galerie feiert. Die Leitung hat Marco Hompes vom Museum Villa Rot bei Laupheim inne, der sich fragte, wie man Künstler vor Ort stärken kann. „Wir wollen die Motivation der Künstler zeigen, warum sie eben nicht nach Berlin ziehen.“ Der Ehinger Fotograf Herbert Geiger hat die Künstler besucht und für die Ausstellung fotografiert und „traumhafte Bilder“ geschossen, sagt Hompes.

Um Fotos geht es auch bei Georg Kliebhan. Der Riedlinger hat sein Ziel erreicht und 52 Motive von Ehingern beisammen, mit denen von 3. Juni an im öffentlichen Raum auf Interim hingewiesen wird. „Wir wollten die Ehinger einbeziehen“, sagte Kliebhan, der von „abwechslungsreichen Fotos“ sprach, die er bekommen hat – unter anderem von sieben Mädchen der Schülerzeitung des Johann-Vanotti-Gymnasiums.

Der Künstler Edgar Braig wird sein Vasentausch-Projekt starten, die Künstler Patricija Gilyte ihr „Donau_Wald_Floß“, Gabriela Nasfeter wird Stoffbahnen auf dem Gelände spannen und Christian Greifendorf seine „ver/sammelt“-Gegenstände zeigen.

„Musik ist meine Leidenschaft“, sagt Walter, der die Musik im Zirkuszelt von Donnerstag bis Sonntag organisiert. Er habe sich gefragt, wo Jugendliche mit Musik in Berührung kommen – und für Freitag, 28. Juni, die Musikschule in den Mittelpunkt gerückt. Michael Porter wird ein eigens gegründetes Quartett leiten. „Ehingen hat uns bisher sehr gut aufgenommen“, sagt Walter abschließend. Und vergisst fast zu erwähnen, dass alle Veranstaltungen kostenlos besucht werden können.