Ehingen Nach Brand: Familie kann nicht in Wohnung zurück

Feuerwehrautos und auch Feuerwehrleute sind für Maximilian (2) das Größte. Nach dem Brand in der Unteren Hauptstraße suchen Steffi Hesse und ihr Freund Tobias Härle eine neue Bleibe für die Familie.
Feuerwehrautos und auch Feuerwehrleute sind für Maximilian (2) das Größte. Nach dem Brand in der Unteren Hauptstraße suchen Steffi Hesse und ihr Freund Tobias Härle eine neue Bleibe für die Familie. © Foto: Julia Deresko
Ehingen / Julia Deresko 18.08.2018
Steffi Hesse und ihr Sohn können nach dem Brand in der Unteren Stadt vorerst nicht in ihre Wohnung zurück. Die 28-Jährige schildert, wie es ihr geht.

Im Haus der Familie Hesse/Elies ertönt das Martinshorn ein ums andere Mal. Maximilian (2) liebt Feuerwehrautos über alles und hat vor ein paar Tagen von seiner Oma ein nagelneues feuerrotes Spielzeugexemplar bekommen. Dass ein Brand die Wohnung, in der Maximilian mit seiner Mutter lebte, vorerst unbewohnbar gemacht hat, weiß der Kleine nicht. Dass etwas nicht stimmt, merke der Junge sehr wohl. Er frage immer wieder: „Wann gehen wir wieder nach Hause?“, erzählt Steffi Hesse, die Mutter des Kleinen.

Nichts mehr wie vorher

Zehn Tage ist es her seit es in der Unteren Hauptstraße in Ehingen brannte. Seitdem ist für Steffi Hesse nichts mehr, wie es vorher war. Mit ihrem kleinen Sohn ist sie zunächst bei ihrer Familie untergekommen. Doch dort gibt es nicht genügend Platz für alle, und so muss die junge Frau baldmöglichst eine neue Wohnung finden.

Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet die 28-Jährige schlicht: „Gar nicht gut.“ Der 8.8.18 bleibt für sie wohl noch lange ein markantes Datum – und das nicht wegen der Zahlenkombination. Dass der Tag noch eine böse Überraschung bereithalten sollte, konnte keiner ahnen. Tagsüber sei Steffi Hesse mit ihrem Sohn und ihrem Freund in Ulm unterwegs gewesen, später wurden die Einkäufe erledigt, zuhause gab es Abendessen. „Danach sind wir zu meinen Eltern gefahren.“ Um 20.53 Uhr kam der Anruf. Steffi Hesses Vermieterin, die ebenfalls vom Brand betroffen sei, überbrachte die Hiobsbotschaft. „Ich konnte es erst gar nicht glauben“, erzählt die zierliche Frau. Ihren Sohn habe sie bei ihren Eltern gelassen und machte sich mit ihrem Freund auf den Weg zur Wohnung. Schon von weitem habe man den Rauch aufsteigen sehen.

Das Feuer griff auf zwei benachbarte Häuser über. Weil die Gebäude aneinander gebaut sind, geschah dies innerhalb von wenigen Minuten. Sie sei froh, dass niemandem der insgesamt 14 Betroffenen etwas passiert ist, sagt Steffi Hesse. Doch die Aufregung war groß: „Ich habe gar nicht geschlafen in der Nacht.“

„Auf eigene Gefahr“ in Wohnung

Vor einer Woche durfte Steffi Hesse „auf eigene Gefahr“ in die Wohnung. Vor Ort bot sich ein wüstes Bild. „Als wir das erste Mal drin waren, war dort alles feucht“, sagt Jürgen Elies, der Stiefvater von Steffi Hesse. Die Tapeten hängen von den Wänden, die Teppiche sind alle nass. „Auch die Möbel, die Bodenkontakt haben, sind alle beschädigt“, sagt Jürgen Elies. Die Schäden in der Erdgeschoss-Wohnung seien aufgrund der Rauchentwicklung und wegen des Löschwassers entstanden, meint der 56-Jährige. An eine Rückkehr dorthin sei zunächst nicht zu denken: „Da kann man absolut nichts machen“, sagt Jürgen Elies.

Erst im Februar war Steffi Hesse mit ihrem kleinen Sohn in die Wohnung gezogen. Es war ihr erstes eigenes Zuhause, erzählt Steffi Hesses Mutter Barbara Elies (48). Liebevoll hat die 28-Jährige auch mit Hilfe der Eltern die Wohnung eingerichtet und dafür einiges an Möbeln, etwa das Sofa und das Kinderbettchen, neu gekauft. Manches von ihrem Hab und Gut konnte die Familie retten, darunter einen Teil der Spielsachen von Maximilian, Geschirr und Kleidung. Anderes wiederum sei nach dem Brand unbrauchbar, neben Möbeln und Teppichen auch Schuhe, Bettwäsche und Maximilians neue Tasche für den Kindergarten, zählt Steffi Hesse auf. Ob der Fernseher, die Waschmaschine und Elektrogeräte aus der Küche funktionieren, müsse noch geklärt werden. Die Textilien müssen alle in die Waschmaschine, weil sie stark nach Rauch riechen. „Die Mutter von Steffis Freund wäscht seit Tagen die Wäsche“, sagt Jürgen Elies. Die gesamte Familie packe mit an.

Die Sachen, die man retten konnte, wurden bei den Eltern und bei der Familie von Tobias Härle (25), Steffi Hesses Freund, untergestellt. Einiges wie etwa das Kinderbettchen würde die Familie gerne versuchen zu retten und erst einmal trocknen lassen. Doch wohin unterstellen? „Hier ist kein Platz“, sagt Jürgen Elies.

Der Platz wird knapp

Die Familie ist in den vergangenen Tagen eng zusammengerückt. Derzeit leben sie zu fünft – die Eltern, Bruder Marko Hesse (30), sowie Steffi Hesse und ihr Sohn – im Vier-Zimmer-Haus. „Wir sind krampfhaft auf Wohnungssuche“, sagt Jürgen Elies.

Weil Steffi Hesse beruflich an Ehingen gebunden ist und Maximilian vor Ort in die Kita geht, brauche sie eine bezahlbare Wohnung in der Stadt. So lange aber wird Steffi Hesse von ihrer Familie unterstützt. Auch ihren Urlaub haben die Eltern vorerst gestrichen. „Wir sind für Steffi da“, sagt Barbara Elies.

Info Wer Maximilian, Steffi Hesse
und ihrem Freund Tobias Härle eine Wohnung anbieten kann, kann per E-Mail an familie-elies@kabelbw.de Kontakt aufnehmen.

Das könnte dich auch interessieren

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel