Vortrag Das Geheimnis der Schwarzen Engel

Dr. Norbert Gassel vom Museumsverein Seligenstadt berichtete am Samstagabend in Oberdischingen über die Geschichte der beiden schwarzen Engelskulpturen.
Dr. Norbert Gassel vom Museumsverein Seligenstadt berichtete am Samstagabend in Oberdischingen über die Geschichte der beiden schwarzen Engelskulpturen. © Foto: Emmenlauer
Oberdischingen / RENATE EMMENLAUER 04.10.2018

Rund 30 Bürger nutzten am Samstag die Gelegenheit, im Oberdischinger Rathaus bei einem Vortrag die Geschichte der beiden „Schwarzen Engel“ zu erfahren, die auf dem Dachstuhl der Kirche eingelagert waren. In diesem Jahr reinigten der Oberdischinger Josef Volz als Mitglied des Museumsvereins und sein Sohn Gabriel die fast vergessenen lebensgroßen Figuren und gaben ihnen den einstigen Glanz zurück.

Werner Kreitmeier vom Museumsverein berichtete zunächst, dass sich vor einem Jahr Dr. Norbert Gassel aus Seligenstadt als Vorsitzender des dortigen Museumsvereins mit der Frage nach den Engeln gemeldet habe.

Auf der Spur des Künstlers

Denn er habe herausgefunden, dass es sich um Werke des Künstlers Franz Boeres handelt, der 1872 in Seligenstadt geboren ist. Neben den zwei Engeln hat Boeres auch die beiden Relieftafeln unterhalb der Chororgel und Kanzel geschaffen. Norbert Gassel besuchte Oberdischingen, um den Spuren von Boeres nachzugehen. Die beiden Reliefs am Kanzel- und Orgelprospekt fand er. Die „Schwarzen Engel“ aber nicht, von denen er aber aus einer Dissertation wusste.

Auf seine Anfrage beim Oberdischinger Museumsverein konnte ihm bestätigt werden, dass diese noch vorhanden sind. Gassel folgt nach eigenen Worten seit Jahren den Spuren von Franz Boeres. Ihm persönlich seien keine Figuren bekannt, die den „Schwarzen Engeln“ ähneln. Aus seinem Wissen als langjähriger Physiklehrer erläuterte er detailliert die Zusammensetzung der rund 1,80 Meter großen Figuren aus Galvanoguss, gefertigt mittels Hohlformen. Warum geschwärzt? „Wohl, damit sie nicht korrodieren“, sagte Gassel. Bei den „Schwarzen Engeln“ handele es sich vom sogenannte Viktorien- also Siegesfiguren. Der eine der Engel hält das Christusmonogramm „CHI-RHO“ hoch, der andere die Initialen „IHS“ für Jesus Christus.

Die beiden Reliefs von Franz Boeres symbolisieren laut Gassel an der Kanzel die „Bergpredigt Jesu“ und „David der Psalmist“ am Orgelprospekt. Viel Zeit nahm sich der Boeres-Experte, um den Künstler und sein Wirken zu porträtieren. Boeres war ein begnadeter Zeichner und Bildhauer, habe aber nie selbst Hammer und Meißel in die Hand genommen. Boeres habe sich auch dem Design von Alltagsgegenständen gewidmet, etwa Möbeln, als Mitarbeiter bei WMF und einer Silberwarenmanufaktur.

Er war Zeichner, Dichter, Hauskünstler bei der Unternehmerfamilie Bosch. Durch den Zweiten Weltkrieg verlor er seine Wohnung, durch die Währungsreform sein Geld; er fristete in einer kleinen Wohnung in Stuttgart sein Dasein, bis er 1956 starb. Und was wird aus den „Schwarzen Engeln“? „Die kommen wieder auf den Dachboden der Kirche. Aber gut eingepackt. Vielleicht finden wir mal einen würdigen Platz“, sagte Kreitmeier.

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