Wirtschaft Das Bierkulturhotel und das Konzept der Millers

Michael Miller im „Bierkistenzimmer“. Die Wände sind mit Holz verkleidet und sollen an eine Bierkiste erinnern.
Michael Miller im „Bierkistenzimmer“. Die Wände sind mit Holz verkleidet und sollen an eine Bierkiste erinnern. © Foto: Stefan Bentele
Ehingen / Stefan Bentele 04.12.2018
Das „Bierkulturhotel“ Schwanen von Michael und Dominic Miller wird zum Jahreswechsel eins mit Gasthaus und der Brauerei.

Bier allein macht auch nicht glücklich. Zumindest reicht es nicht, um ein Hotel zum Bierkulturhotel zu erheben, findet Geschäftsführer Michael Miller. „Nur Bier würde nicht reichen.“ Das klingt zunächst seltsam, wenn das ein Diplom-Braumeister  über das eigene Hotel im Familienbetrieb sagt. „Bier, davon zehren wir aber, das zeichnet uns aus.“

Seit 2007 ist Ehingen Bierkulturstadt, seit 2011 gibt es das Bierkulturhotel, betrieben von Michael und Dominic Miller. Jüngst haben das Land und die L-Bank die Brüder für ihr „außergewöhnliches Hotelkonzept“, das regionale Biertradition und historische Bausubstanz mit moderner Architektur verbinde, mit dem Landespreis für junge Unternehmen ausgezeichnet.

Thema „Bier“ findet sich auch in der Hoteleinrichtung wieder

Die Brüder haben sich wie 380 Unternehmer im Land beworben. Vor zwei Jahren hatten sie eine Bewerbung erwogen – und verworfen. „Wir wollten noch mehr Fleisch an das Thema bringen“, sagt Michael Miller. Dieses Jahr war die Zeit reif. Also schrieben sie auf, was das Bierkulturhotel einmalig macht.

Mit ihren Eltern Hedi und Karl Miller, die das Gasthaus mit Brauerei gegenüber betreiben, und einem Architekten hatten die Millers Ende der Nuller Jahre Pläne entworfen, wie man die 50 Zimmer im Hotel mit Form, Farbe und Material auf Bier trimmt. So entstand etwa die Idee für das „Bierkistenzimmer“ mit türkis-grünen Farben, die an eine Bierflasche erinnern sollen. Holzverkleidung schmückt Wände, um eine Holzbierkiste – eine solche steht auch im Zimmer – nachzuahmen. Gäste nah an den Gerstensaft heranführen, „aber nicht penetrant“, sagt Miller zur Idee dahinter.

Im ganzen Haus ist Holz verbaut, das von den Scheunen stammt, die einst auf dem Gelände des heutigen Hotels standen. Die Millers haben mit Freunden die beiden Scheunen demontiert und das Holz eingelagert, um es wieder zu verwenden. „Mit dem Holz kannst Du eine Geschichte erzählen.“ Ob da Wehmut beim Abbau dabei war? „Ein bisschen vielleicht“, sagt Michael Miller, den Vater habe es eher getroffen.

Gasthausstreben entgegen wirken

Ein Grund für den Bau des Bierkulturhotels war die Frage, wie man sich gastronomisch zukunftsfähig aufstellt, wie man Gäste von auswärts herholt. Das Gasthaussterben bewegte die Millers. Als die Pläne und die Finanzierung über Banken und Fördermittel aus dem Programm Entwicklung ländlicher Raum (ELR) standen, ging es an die Umsetzung. Da war klar, dass die Hotel-Marke Best-Western an Bord sein wird. „Für den Einstieg in den Markt war das wichtig.“ Die Millers sind Gastronomen, keine Hoteliers. Die Marke liefert Bekanntheit, Know-how und ein Vertriebsnetz. Zum 1. Januar werden Hotel und Gasthaus übrigens auf dem Papier zusammengeführt.

Ergänzt wird das Bier-Thema aus Sicht des 38-Jährigen von dem Angebot der Region, das, was die Region Schwäbische Alb mit der Donau und etwa dem Bierwanderweg zu bieten hat. Darin sieht er die Nachhaltigkeit verankert, die sich mit dem Thema Bier verbinden lässt. Einfach sei das nicht, zumal Tourismus im eher industriell geprägten Ehingen keinen Stellenwert wie etwa in Städten des Schwarzwalds genießt.

Sechs Tage in der Woche ist Michael Miller körperlich anwesend im Hotel, wie er sagt. Ideen fürs Haus sammelt er auch in der Freizeit. Seine Freundin Sabrina stoße ihm schon mal in die Rippen, sage: Jetzt hör’ mal auf, an die Arbeit zu denken! „Aber mit zehn Prozent deines Kopfs musst Du immer im Betrieb bleiben.“

Michael Miller war selbst nicht in Stuttgart, als die Auszeichnung an junge Unternehmer verliehen wurde, sein Bruder und seine Mutter waren dort. Als klar war, dass das Bierkulturhotel nicht unter den drei Preisträgern ist, aber ausgezeichnet wird, sei er etwas enttäuscht gewesen, sagt Miller. Als er hörte, dass der Erstplatzierte ein Unternehmen mit Druck im Mikro- und Nanometerbereich ist, hat sich das relativiert. „Dagegen kommst Du mit einem Hotel nicht an.“

Am Abend setzte er sich dann aufs Sofa und sah die Auszeichnung als „gigantische Anerkennung“ – und gönnte sich daraufhin ein Zwickel.

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Hotelgäste

90 Prozent der Touristen im Bierkulturhotel kommen wegen des Biers, das entspricht etwa 6000 Gästen pro Jahr. Insgesamt verzeichnet das Bierkulturhotel 20.000 Gäste im Jahr.

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