Die Gemeinden in der Region bereiten sich intensiv darauf vor, den immer stärker werdenden Auswirkungen des Coronavirus’ zu begegnen. Schulen und Kindergärten planen Notfallbetreuung, Lehrer und Rektoren stellen Arbeitsaufgaben für ihre Schüler zusammen. Eine große Frage ist, wie Ältere und Erkrankte, die niemanden haben, versorgt werden können. Hier dürfte Ehrenamtlichen eine wichtige Rolle zukommen. Der DRK-Kreisverband Ulm plant einen Einkaufsdienst.

Einkaufsdienst für Ältere und Erkrankte

Die Meldungen, die die beiden Bürgermeister Kevin Wiest aus Oberstadion und Martin Krämer aus Obermarchtal am Wochenende über die sozialen Medien verbreitet haben, klingen ähnlich: „Aktuell gibt es noch keinen Fall, bei dem eine Bürgerin oder ein Bürger unserer Gemeinde mit dem Coronavirus infiziert ist“, schreiben sie. Dies könne sich aber jederzeit ändern. Aus diesem Grund soll in beiden Gemeinden ein Einkaufsdienst für Erkrankte oder ältere Menschen entstehen, die ihre Einkäufe nicht mehr selbst erledigen können oder wollen.

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„Die Idee dazu ist nicht von mir“, gibt Wiest unumwunden zu. Sie stamme von seinem Westerstetter Kollegen Alexander Bourke. Er habe den Einkaufsdienst in einer Whats­App­­-Gruppe mehrerer Bürgermeister aus dem Kreis vorgeschlagen; Wiest und Krämer griffen den Gedanken auf. In beiden Fällen wird das Angebot über die Rathäuser koordiniert. Menschen aus Oberstadion und den Winkelgemeinden melden sich unter Tel. (07357) 92 14 0, Bürger aus Obermarchtal unter (07375) 205.

Obermarchtal sucht Freiwillige über Facebook

In Oberstadion und dem Winkel werden die Kontaktdaten der Bedürftigen an den DRK-Ortsverein weitergegeben, der mit den Hilfesuchenden in Kontakt tritt und die nötigen Besorgungen übernimmt. In Obermarchtal kümmern sich allgemein Ehrenamtliche um die Einkäufe. In seinem Facebookpost ruft Bürgermeister Martin Krämer auch Menschen dazu auf, sich im Rathaus zu melden, wenn sie bereit sind, Einkäufe zu übernehmen. Die Resonanz sei gut, freut sich Krämer – neben ihm selbst und seiner Frau hätten sich bis Sonntagmittag bereits zwei Freiwillige gemeldet.

Planungen auch beim DRK-Ortsverein Munderkingen

Auch beim DRK-Ortsverein Munderkingen laufen Planungen für einen Einkaufsdienst, sagt Bereitschaftsleiter Michael Benkendorf auf Anfrage unserer Zeitung. Eine entsprechende Meldung habe er bereits am Wochenende an den Kreisverband Ulm gemacht: „Wenn es notwendig wird, werden wir die Menschen in unseren sechs Ortsvereinsgemeinden versorgen“, sagt Benkendorf.

DRK-Kreisverband will Angebot in allen Ortsvereinen schaffen

„Wenn das einer kann, dann wir vom DRK“, sagt auch Jürgen Fiderer. Er ist in zwei Funktionen in den Einkaufsdienst involviert – im Ehrenamt als Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins Oberstadion, im Hauptberuf als Abteilungsleiter im Kreisverband Ulm, wo er unter anderem für den Bereich Bevölkerungsschutz verantwortlich zeichnet. „Unser Ziel ist es, in allen 22 Ortsvereinen unseres Kreisverbands einen Einkaufsdienst anzubieten“, sagt er. Er soll Erkrankte und Ältere, die sonst niemanden haben, mit den notwendigsten Dingen des täglichen Lebens versorgen. „Das ist eine klassische Betreuungsaufgabe, dafür sind wir da.“

Wie genau der Einkaufsdienst arbeiten wird und was genau er einkauft, müsse die Zeit zeigen. „Wir müssen von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag entscheiden, was Sinn macht.“ Zudem unterstützt das DRK das Landratsamt mit Ehrenamtlichen für das Test-­Mobil, das im ganzen Alb-Donau-Kreis die Abstriche bei Corona­-Verdachtsfällen vornimmt.

Notfallbetreuung nur in Ausnahmefällen

Da auf Anordnung des Ministeriums für Soziales und Integration sämtliche Schulen und Kindertageseinrichtungen im Land bis zum Ende der Osterferien geschlossen werden, laufen in allen Kommunen Vorbereitungen für die Einrichtung einer Notfallbetreuung. Der Zugang dazu unterliegt allerdings strengen Voraussetzungen (siehe Info­Kas­ten).

Oberstadion: Notfallgruppen in Bärenbande, Kindergarten und Grundschule

In Oberstadion wird laut Bürgermeister Kevin Wiest jeweils eine Notfallgruppe im Kindergarten, in der Tagespflege „Bärenbande“ sowie in der Grundschule eingerichtet, die die bisherigen Öffnungszeiten der Einrichtungen abdeckt. Wie groß der Bedarf tatsächlich sein wird, sei derzeit noch unklar, sagt Wiest: „Derzeit weiß ich von einem Fall in der Bärenbande.“ Fest stehe jedoch, dass die Gemeinde die Kriterien für den Zugang zur Notfallbetreuung streng auslegen wird: „Sonst machen wir ein Fass auf.“

Bedarf in Obermarchtal und Munderkingen noch nicht absehbar

In Obermarchtal will Martin Krämer diesen Montag mit Kindergarten und Schule Rücksprache halten, ob ein Bedarf an einer Notfallbetreuung besteht und wie diese umgesetzt werden kann. Ähnlich äußert sich Munderkingens Bürgermeister Dr. Michael Lohner für die Kindergärten und Krippen der Stadt: „Ich bin mit den Kindergartenleiterinnen in Kontakt“, sagt er. Da die Hürden für den Zugang zur Notfallbetreuung sehr hoch seien, rechnet er mit keinem großen Bedarf in Munderkingen. „Wir behalten die Lage im Blick und werden gegebenenfalls kurzfristig reagieren.“

Schüler bekommen Aufgaben mit nach Hause

In der Munderkinger Schule an der Donauschleife herrschte am Sonntag Hochbetrieb: „Wir arbeiten heute den ganzen Tag, um die kommenden Wochen zu organisieren“, sagte Schulleiterin Jutta Braisch. Es gebe viel zu organisieren. So sollen alle Grundschüler von ihren Lehrern Aufgaben in Papierform mit nach Hause bekommen, die sie in der kommenden Zeit bearbeiten sollen. Die Sekundarstufe werde unter anderem über eine Online-Plattform arbeiten.

Schüleraustausch mit Frankreich ist abgesagt

In einem Brief an alle Eltern, der unserer Zeitung vorliegt, kommuniziert Jutta Braisch den Fahrplan für die Zeit der Schulschließung: „Die Schüler können und müssen jeden Tag an ihrem Unterrichtsstoff arbeiten“, heißt es darin. Die Zwangspause seien keine Ferien, sondern Lernzeit zu Hause. Sämtliche Schülerpraktika, die für den Zeitraum bis nach den Osterferien geplant waren, entfallen, ebenso die bundesweiten Vergleichsarbeiten der Klassen 8 im Fach Mathe. Der Schüleraustausch mit Frankreich ist für dieses Schuljahr endgültig abgesagt. „Bisher gehen wir davon aus, dass die Abschlussprüfungen wie geplant nach den Osterferien stattfinden“, schreibt Braisch weiter. Aktuelle Informationen sollen jederzeit auf der Schulhomepage bereitgestellt werden.

Alle Lehrer übernehmen Dienste

Der Bedarf in Sachen Notfallbetreuung an der Schule an der Donauschleife werde sich erst im Laufe des Montags konkretisieren. „Noch habe ich keine Rückmeldungen“, sagt Braisch. Sie geht allerdings davon aus, dass nur wenige Familien die Kriterien erfüllen. „Wir werden von allen, die Bedarf anmelden, entsprechende Nachweise fordern.“ Bei der Betreuung werden alle Lehrer eingebunden werden; jeder soll einzelne Tage übernehmen. Fest steht: Die Notfallbetreuung wird ganztags erfolgen. „Das macht auch Sinn“, findet Braisch. Schließlich könnten Ärzte und Pfleger schlecht zur Mittagszeit nach Hause gehen, um ihr Kind abzuholen.

Oberstadion schließt Rathaus, Munderkingen sagt Gemeinderatssitzung ab

Als erste Gemeinde in der Region schließt Oberstadion ihr Rathaus von Montag an für den Publikumsverkehr. Das teilte Bürgermeister Kevin Wiest am Sonntagabend mit. Betroffen ist auch die Ortsverwaltung Hundersingen. Ein Zugang ist sowohl in Oberstadion als auch in Hundeersingen nur in dringenden Fällen und nach vorheriger Anmeldung über Telefon (07357) 92 14 0 oder per E-Mail an info@oberstadion.de möglich. In Munderkingen bleibt das Rathaus vorerst geöffnet, dafür entfällt die für Donnerstag angesetzte Sitzung des Gemeinderats.

Büchereien in Oberstadion und Munderkingen öffnen

Während viele Gemeinden ihre Büchereien geschlossen haben, gehen Oberstadion und die Stadt Munderkingen einen anderen Weg. So soll die Gemeindebücherei Oberstadion am Montag und Dienstag (15 bis 19 Uhr) und die Mediathek in Munderkingen am Dienstag (10 bis 19 Uhr) noch einmal geöffnet sein, damit alle noch einmal die Möglichkeit haben, sich mit Büchern, Medien und Spielen einzudecken. Danach bleiben beide Einrichtungen bis mindestens nach den Osterferien geschlossen

Das Museum in Oberstadion bleibt geschlossen, die Ostereierausstellung im Bürgersaal, die jedes Jahr tausende Besucher anlockt, muss ausfallen. Einen Osterbrunnen soll es aber geben – als „willkommene Abwechslung“, wie Wiest sagt. In Munderkingen stellen sowohl die Musikschule und als auch das Museum ihren Betrieb ein.

Diese Eltern haben Anspruch auf Notfallbetreuung


Unentbehrlich Sind beide Eltern eines Kindes in Berufen der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ tätig, können sie eine Notfallbetreuung in Anspruch nehmen, wenn keine anderen Betreuungsoptionen für das Kind bestehen. Selbiges gilt für Alleinerziehende, die in entsprechenden Berufen beschäftigt sind. Zur kritischen Infrastruktur zählen Polizei, Feuerwehr, medizinisches und pflegerisches Personal, Hersteller von für die Versorgung notwendigen Medizinprodukten, Lebensmittelproduktion und Lebensmitteleinzelhandel, Müllabfuhr sowie Energie- und Wasserversorgung. In vielen Gemeinden wird für die Notfallbetreuung ein Nachweis des Arbeitgebers verlangt.