Über die Webseite www.daslandhilft.de will der Bundesverband der Maschinenringe zusammen mit seinen Landesverbänden und regionalen Maschinenringen hilfesuchende Landwirte und engagierte Helfer in Kontakt bringen (siehe Info-Kasten) – denn durch die coronabedingte Einschränkung der Reisefreiheit fehlen den Landwirten bundesweit 300 000 Arbeitskräfte. Vergangenen Montag ist die Aktion gestartet. Einer der ersten Freiwilligen aus der Region war Obermarchtals Bürgermeister Martin Krämer.

„Ich habe mich direkt am Montag bei www.daslandhilft.de als Helfer angemeldet“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Als sich bis Donnerstag niemand meldete, ergriff er selbst die Initiative und kontaktierte einen der vielen landwirtschaftlichen Betriebe, die auf der Seite nach Arbeitskräften suchten. „Mein Motto war schon immer, lieber Taten statt Worte sprechen zu lassen und einfach zu machen“, sagt Krämer.

Bürgermeister Martin Krämer opfert seine Wochenenden

Jeder erwarte, dass regionale Produkte in den Regalen der Supermärkte ständig verfügbar sind. „Wenn den Bauern jetzt keiner hilft, kommt in den Läden auch nichts an.“ Er selbst leide in seinem Beruf in der gegenwärtigen Lage zwar nicht an Langeweile – „ich habe noch mehr zu tun als sonst“ –, wolle aber dennoch seine Wochenenden opfern: „Und was eignet sich besser als Fitnessstudio-Ersatz, als sich körperlich an der frischen Luft zu betätigen?“, fragt Krämer und lacht.

Am Samstag beim Zaunbau geholfen

Vergangenen Samstag hatte er seinen ersten Einsatz. Von 9 bis 17 Uhr packte er auf einem Milchviehbetrieb am Bodensee mit an, reparierte und zog Weidezäune und schlug mit einem schweren Hammer neue Pfosten in den Boden. Trotz der schweißtreibenden Arbeit fällt Krämers Fazit nur positiv aus: „Es war wirklich sehr, sehr schön“, sagt er. Das Wetter habe perfekt mitgespielt, die Arbeit zusammen mit der Bauernfamilie „einen Riesenspaß“ gemacht – auch wenn der Hammer nach einer gewissen Zeit schon recht schwer geworden sei, wie der Bürgermeister zugibt.

Wie eine große Familie, nur mit Sicherheitsabstand

In der bäuerlichen Familie sei er herzlich aufgenommen worden. „Wir waren sofort beim Du“, sagt Krämer. Beim Mittagessen auf dem Hof habe es sich angefühlt „wie eine große Familie, nur mit Sicherheitsabstand“. Dabei hatte der Plan des Obermarchtaler Gemeindeoberhaupts bei den Bauern zunächst für Irritationen gesorgt: Was er beruflich mache, habe ihn der Landwirt bei seinem Anruf gefragt. „Ich bin Bürgermeister“, habe er geantwortet, erzählt Krämer. „Dann wollen Sie also Arbeiter aus ihrem Ort vermitteln?“, habe der Bauer gefragt. Und erst einmal verwundert geschwiegen, als Krämer erklärte, selbst anpacken zu wollen.

Bis auf Weiteres jedes Wochenende im Einsatz

Diese anfängliche Skepsis ist längst verflogen. Bis auf Weiteres wird Krämer seine Samstage am Bodensee verbringen und in „seinem“ Betrieb helfen. Was es kommenden Samstag zu tun gibt, weiß er aktuell noch nicht – „das hängt vom Wetter ab“. Krämer versichert jedoch, zu allem bereit zu sein. Und auch wenn er bislang wenig mit Kühen zu tun hatte, hat er keinerlei Berührungsängste: „Ich traue es mir durchaus zu, beim Melken zu helfen.“

Schutzkleidung für Arztpraxis und Krankenhaus vom Lohn

Was er auf dem Bauernhof verdient, will Martin Krämer spenden. „Mein Lohn geht je hälftig an unsere Hausarztpraxis Hudek in Obermarchtal und an das Krankenhaus in Ehingen“, sagt er. Mit dem Geld will er die Anschaffung von Schutzkleidung unterstützen, die derzeit nicht nur schwer zu bekommen, sondern oft auch erheblich teurer als sonst ist. „Falls es ein krummer Betrag wird, stocke ich selbst auf den nächsten Hunderter auf“, verspricht er.

Krämer: „Müssen aus dieser Tragödie unsere Lehren ziehen“

Neben der direkten Hilfe ist dem Bürgermeister aber noch etwas wichtig: „Wir müssen aus dieser Tragödie unsere Lehren ziehen und, viel wichtiger, diese Lehren auch konsequent umsetzen“, sagt er. Krankenhäuser auf Effizienz zu trimmen, möge in guten Zeiten seine Berechtigung haben. „Aber man muss auch etwaige schlechte Zeiten im Blick behalten.“ Wie plötzlich und unerwartet diese Realität werden können, zeige die aktuelle Situation.

Auch die Verbraucher sind gefordert

„Das medizinische Personal ist in Zeiten, in denen Corona nicht den Alltag bestimmt, schon unterbesetzt und am Rande der Kapazität, jetzt in Krisenzeiten leistet es fast Unmenschliches“, findet er. Am Ende des Tages werde es daher nicht reichen, diesen großen Einsatz mit einem bloßen Lob oder einem Schulterklopfen zu entlohnen. „Wir müssen uns nach dieser Krise bewusst dafür entscheiden, für unsere Krankenhäuser mehr Geld auszugeben.“ Ähnliches gelte für die Landwirtschaft, und hier sei jeder Einzelne gefragt, regional und lokal einzukaufen – damit die Ressourcen vor der Haustüre auch künftig zur Verfügung stehen.

Gemeinsamfür die Landwirtschaft


Portal Die Seite www.daslandhilft.de ist eine reine Vermittlungsplattform, die Landwirte und Unternehmen in der Lebensmittelproduktion mit Freiwilligen zusammenbringt, die schnell und unbürokratisch helfen wollen. Mitmachen kann jeder; angesprochen werden aber insbesondere Studenten und Menschen, die derzeit aufgrund der Corona-Krise in ihren eigentlichen Berufen freigestellt sind. Der Verdienst, den die Arbeitgeber den Helfern zahlen, richtet sich nach der Aufgabe – mindestens gibt es aber Mindestlohn.