Die Einschränkungen im Alltag wachsen, mit ihnen aber auch die Kreativität. Was sich in der Region Munderkingen am Montagabend seit Redaktionsschluss und im Laufe des Dienstags verändert hat.

Einkaufsdienst auch in Rottenacker geplant

Auch Rottenackers Bürgermeister Karl Hauler plant einen Einkaufsdienst für Ältere oder Erkrankte, die sonst niemanden haben. Auf den entsprechenden Aufruf hätten sich bereits in den ersten Stunden sechs Personen gemeldet. Einkaufsdienste dieser Art gibt es wie berichtet auch in Obermarchtal und Oberstadion. In allen 22 Ortsvereinen des DRK-Kreisverbands Ulm sollen Einkaufsdienste entstehen.

Gemeinde Rottenacker: Zwangspause für Vereine und Kirchen

Nachdem fast alle Gemeinden ihre Rathäuser zwischenzeitlich für den Publikumsverkehr ganz oder weitestgehend geschlossen haben, häufen sich die Einschränkungen für das tägliche Leben. So sind in Rottenacker Zusammenkünfte in Vereine und Kirchen unabhängig von der Personenzahl mit sofortiger Wirkung untersagt. Spiel- und Sportplätze dürfen ebenso wie der Soccer­-Court nicht mehr genutzt werden. Museum und Jugendhaus sind geschlossen.

Gemeinde Obermarchtal: Alle Rathausbesucher werden erfasst

Die Gemeinde Obermarchtal hat am Dienstag einen Zwei-Schicht-Betrieb für Rathaus und Bauhof eingeführt. Dies soll die Arbeitsfähigkeit beider Bereiche im Falle einer Erkrankung oder eines Erkrankungsverdachts sicherstellen, erklärt Krämer. Auch ansonsten gelten Vorsichtsmaßnahmen: Wer das Rathaus betritt, um dringende Anliegen vorzubringen, soll vor der Bürotüre warten, bis er empfangen wird. Um im Fall der Fälle nachvollziehen zu können, wer Kontakt zu den Mitarbeitern des Rathauses hatte, werden Name und Erreichbarkeit aller Besucher erfasst.

Stadt Munderkingen: Von Besuchen im Rathaus absehen

Über das Mitteilungsblatt und die Homepage der Stadt appelliert Munderkingens Bürgermeister Dr. Michael Lohner an seine Bürger, von persönlichen Besuchen im Rathaus abzusehen und stattdessen in dringenden Fällen per E-Mail oder telefonisch Kontakt mit der Stadtverwaltung aufzunehmen. „Dies ist einerseits eine weitere Einschränkung, andererseits ermöglicht die­ses Vorgehen aber die Aufrechterhaltung unseres Betriebes, und darauf kommt es jetzt an“, schreibt Lohner. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien bislang gesund und an Bord: „Das ist gut für die Bevölkerung und gut für uns.“

Osterbrunnen erst wieder im kommenden Jahr

Nach der Absage für die Ostereierausstellung kommt nun auch das Aus für den Osterbrunnen. Wie Bürgermeister Kevin Wiest am Montagabend mitteilt, machten es die aktuellsten Vorgaben unmöglich, das Projekt in diesem Jahr umzusetzen. „Auch wenn es extrem ärgerlich ist, sollten wir es als Chance sehen“, findet Wiest. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass das neue Osterbrunnen-Team sehr gut zusammenarbeiten könne. 2021 soll es deshalb mit neuem Schwung weitergehen. „Ich würde mich freuen, es wären wieder alle an Bord.“

Viele decken sich in Bücherei mit Lesestoff und Spielen ein

Die Bücherei in Oberstadion hatte am Montag und Dienstag noch einmal von 15 bis 19 Uhr geöffnet, damit sich alle für die kommende Zeit mit Medien eindecken können. Das kommt offenbar bestens an: Wie Bürgermeister Kevin Wiest mitteilt, kamen allein am Montag rund 90 Besucher. Sie holten sich mehr als 500 Medien, darunter vor allem Kinderbücher, Romane und Sachbücher für Erwachsene sowie Spiele. Am Dienstag kamen weitere 50 Besucher; weitere 338 Medien wurden entliehen.

Schulen und Kindergärten: Notfallbetreuung bislang nicht gefragt

An der Schule an der Donauschleife in Munderkingen ist am Dienstag der erste Schließtag ruhig über die Bühne gegangen. Wie Schulleiterin Jutta Braisch auf Anfrage unserer Zeitung berichtet, sei am Dienstag kein einziges Kind zur Notfallbetreuung erschienen. Zunächst habe ein Bedarf für drei Kinder im Raum gestanden. „Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass am Dienstagmorgen ein paar weitere unangemeldet vor der Türe stehen“, gibt Braisch zu.

Lehrer stehen in der Schule und auf Abruf bereit

Dass aktuell kein Betreuungsbedarf bestehe, heiße auch nicht, dass das so bleibe. „Unsere Schule bleibt jeden Tag besetzt“, betont die Schulleiterin. Außer der Notbesetzung in der Schule stünden zudem Lehrer zu Hause auf Abruf bereit: „Wir können ganz flexibel reagieren.“ Auch ohne laufenden Unterricht gehe den Beamten die Arbeit nicht aus: Während des Schuljahres sei so manches liegengeblieben, das nun aufgearbeitet werden könne.

Auch in den Munderkinger Kindergärten gab es Bürgermeister Dr. Michael Lohner zufolge zumindest am ersten Notfallbetreuungstag keinen Bedarf.

Betriebe in Munderkingen reagieren

Aufgrund der Vorgaben der Bundes- und Landesregierung schließt Elektro Fuchs in Munderkingen ab Mittwoch sein Ladengeschäft bis auf Weiteres. Das teilt das Unternehmen am Dienstag auf seiner Facebookseite mit. Der Elektroinstallationsbetrieb sowie die Kundendienstleistungen laufen demnach aber unverändert weiter.

Auch die Metzgerei Sax in Munderkingen plant um. „Aus aktuellem Anlass ist unser Tagesessen nur noch zum Mitnehmen möglich“, schreibt der Familienbetrieb auf seiner Facebookseite. Zugleich geht eine Bitte an alle Kunden: „Bitte halten Sie ausreichend Abstand.“

Livestream von Gottesdiensten der Schwestern geplant

Auch das Kloster Untermarchtal reagiert auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus’. Das Bildungshaus bleibt vorerst geschlossen, Seminare finden keine statt. Auch die Josefswallfahrt am Donnerstag fällt aus. Trotz aller Einschränkungen wollen die Schwestern in der nächsten Zeit ganz nah bei den Menschen sein. Aus diesem Grund verlegen sie ihre ihre Anbetung, die vorher in der kleineren Unterkirche stattfand, in die große Vinzenzkirche. Dort gebe es Platz, um genügend Abstand voneinander zu wahren, sodass auch Gäste dienstags und freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16.45 Uhr teilnehmen können, erklärt Lea-Maria Stokmaier. Die Gottesdienste der Gemeinschaft seien nicht mehr öffentlich, die Schwestern feiern sie im privaten Kreis. Über die Webseite www.untermarchtal.de ist jedoch ein Livestream geplant, der Außenstehende teilhaben lässt.

Sorgen und Nöte per E-Mail mitteilen

Darüber hinaus haben sich die Schwestern des Klosters Untermarchtal etwas Besonderes einfallen lassen: „Sie sind nicht allein!“, schreiben sie auf ihrer Webseite, auf Facebook und Instagram. „Gott ist bei Ihnen, bei mir, bei uns. Lassen Sie uns verbunden sein im Gebet – untereinander und mit Gott.“ Jeder sei eingeladen, seine Sorgen und Nöte mit den Schwestern per E-Mail an prayer@untermarchtal.de zu teilen. Sie wollen die eingehenden, ganz persönlichen Gebetsanliegen dann vor Gott tragen.