Es ist der Alptraum aller Betreiber von Pflegeheimen schlechthin: Ein Mitarbeiter, der Kontakt zu den oft hochbetagten und vorerkrankten Bewohnern hatte, ist mit dem Coronavirus infiziert. Im „Haus Katrin“ in Ehingen, einem Standort der Römergarten Senioren-Residenzen GmbH, ist nun genau dieser Fall eingetreten. Das bestätigt Residenzleiterin Doris Stetter auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Betroffen ist demnach eine Mitarbeiterin aus der Pflege, die Ende der vergangenen Woche aufgrund grippeähnlicher Symptome getestet wurde – mit positivem Ergebnis. „Das ist heftig“, sagt Stetter. Vor allem angesichts der Schreckensberichte aus einem Würzburger Pflegeheim, wo zahlreiche Bewohner an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Erkrankung Covid-19 leiden – und mehrere davon inzwischen daran verstorben sind.

Alle Bewohner und alle Mitarbeiter getestet

Im „Haus Katrin“ in Ehingen haben die Verantwortlichen deshalb sofort reagiert, als am Donnerstagabend das positive Testergebnis der Mitarbeiterin bekannt wurde. Ihre Einrichtung stehe seither in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Alb-Donau­Kreises, sagt Stetter. Gleich am Freitagmorgen verschickte sie mit der Post ein Schreiben an alle Angehörigen der rund 70 Bewohner; wer im Verlauf des Tages ins Haus kam, um Wäsche oder einen kleinen Gruß an seine Verwandten abzugeben, sei zudem persönlich über den aktuellen Stand der Dinge informiert worden. Am Samstag wurden zunächst alle Bewohner, am Sonntag dann alle Mitarbeiter des Pflegeheims einem Coronavirus-Test unterzogen. Die Ergebnisse stehen noch aus, „frühestens am Dienstag, spätestens am Mittwoch“ rechnet Doris Stetter damit.

18 von rund 40 Pflegekräften freigestellt

Mindestens bis dahin steht das Haus Kopf. Nicht nur aus Sorge um das, was sein könnte, sondern auch aus schlichtem Personalmangel. Insgesamt 18 Mitarbeiter, die Kontakt mit der erkrankten Pflegerin hatten, sind derzeit freigestellt. Sie dürfen selbst im Falle eines negativen Tests erst wieder arbeiten, wenn ihnen das Gesundheitsamt die entsprechende Freigabe erteilt. Solange muss der verbliebene Rest des Teams den Ausfall auffangen. Rund 40 Mitarbeiter, so Stetter, sind im „Haus Katrin“ in der Pflege beschäftigt.

Derzeit steht ihr also nur gut die Hälfte des üblichen Personals zur Verfügung. Ohne Mehrarbeit geht es folglich nicht. „Das ist aber für alle unsere Mitarbeiter selbstverständlich“, sagt Stetter, die den Einsatz ihrer Pflegekräfte sehr zu schätzen weiß. „Wir haben ein tolles Team, wirklich alle sind bereit, in den kommenden Tagen noch mehr als sonst anzupacken.“

Glück im Unglück: Erst kürzlich vier weitere Pfleger eingestellt

Dazu kommt eine glückliche Fügung: Eigentlich sollte „Haus Katrin“ bald eine weitere Station bekommen. Um diese zu betreiben, wurden jüngst vier zusätzliche Pflege-Fachkräfte eingestellt. „Gott sei Dank“, wie Stetter nun sagt. Die Pläne für die neue Station liegen aufgrund der aktuellen Situation freilich zumindest vorerst auf Eis. Das Plus an Personal aber helfe dem Haus in diesen Tagen sehr, den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten.

Vorerst keine Neuaufnahmen möglich

Das knappe Dutzend Senioren, das sich bereits auf seinen Einzug ins „Haus Katrin“ gefreut hatte, muss sich nun allerdings gedulden. „Bis auf Weiteres können wir keine neuen Bewohner aufnehmen“, bedauert Stetter. Die betroffenen Familien seien darüber bereits informiert worden.

Bereits vor drei Wochen Corona-Fall in „Haus Katrin“

Der aktuelle Fall nun ist nicht die erste Covid-19-Erkrankung, die die Einrichtung betrifft. Bereits vor drei Wochen sei eine Mitarbeiterin aus der Verwaltung erkrankt, sagt Stetter. Da diese aber keinen Kontakt zu Pflegepersonal und Bewohnern hatte, seien die Auswirkungen nicht so groß gewesen. Auf den Stationen war damals nichts zu spüren.


Derzeit keine weiteren betroffenen Pflegezentren


Lage Neben der erkrankten Mitarbeiterin des privaten Pflegeheims „Haus Katrin“ in Ehingen sind dem Landratsamt im Alb-Donau-Kreis (Stand Montagabend) keine weiteren Covid-19-Fälle in Seniorenzentren bekannt. Das sagt Pressesprecher Bernd Weltin.

Sicherheit In allen stationären Einrichtungen in Baden-Württemberg für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf oder mit Behinderungen herrscht derzeit ein Betretungsverbot zu Besuchszwecken. Ausnahmen gibt es nur im Einzelfall und nur für nahestehende Personen, beispielsweise im Rahmen der Sterbebegleitung. Mit diesen Maßnahmen sollen die Bewohner vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus geschützt werden – denn insbesondere ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken.