Besonders gefährdete, erkrankte oder immunschwache Menschen können oder sollen in der Coronakrise ihre Wohnung nicht verlassen. Dies nehmen jetzt einige junge und gesunde Leute zum Anlass und bieten den Corona-Risikogruppen, aber auch Infizierten und Menschen in Quarantäne, ihre Hilfe an. Die jeweiligen Kontaktdaten finden sich im Infokasten unten.

„Ehingen hält zusammen“ – genau das ist das Motto einer Initiative in der Stadt und den Teilorten, die einen Einkaufsdienst für ältere, immunschwache und vorerkrankte Menschen anbietet – damit diese das Haus nicht selbst verlassen müssen. „Wir können nicht spielen, aber helfen“, sagt ein Mitglied der Hilfsgruppe. Bisher seien es etwa zehn Jugendliche des Basketballteams Ehingen-Urspring sowie der Ehinger TSG-Basketballer.

Einkaufen mit Handschuhen

Sie bieten an, für andere den Einkauf zu erledigen, den Hund auszuführen oder Botengänge zu erledigen. Ein zu hohes Infektionsrisiko bedeuteten Kinderbetreuung und Arbeiten innerhalb der Wohnungen, deshalb ist dies vom Angebot ausgeschlossen. Zu den Sicherheitsmaßnahmen der Gruppe zähle das Einkaufen mit Handschuhen und regelmäßiges Desinfizieren der Hände, erklärt einer der Helfer der Gruppe.

Junge Union startet Aktion „Einkaufshelden“

Auch die Junge Union (JU) Ehingen bietet ihre Hilfe an – mit der Aktion „Die Einkaufshelden“ (wir berichteten). Über ein Internetportal (siehe Infokasten) kann sich jeder registrieren, der auf Unterstützung angewiesen ist oder helfen möchte. Anhand der Postleitzahl werden die Leute zusammengeführt. Um auch diejenigen zu erreichen, die keinen Internetzugang haben, werden Flyer mit Kontaktdaten ausgehängt. Zudem können sich Bürger per Telefon bei Henry Frömmichen, stellvertretender Vorsitzender der JU, melden.

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Noch fehlt die Nachfrage

Allein in Ehingen seien es bereits mehr als 35 gesunde, junge Leute, die bereit sind zu helfen. Nun fehlen nur noch Menschen, die sich melden und das Angebot annehmen. „Viele nehmen das noch nicht ernst genug“, sagt Frömmichen. Obwohl viele positiv auf das Angebot reagierten, wollten einige Ältere selber einkaufen, so lange es geht. Denen antworte der 20-Jährige, sie sollten das Angebot nutzen und zu Hause bleiben, um die Gefahr einer Infizierung möglichst gering zu halten. Manche Lebensmittelläden hätten es aber abgelehnt, die Flyer auszuhängen. „Das kann ich einfach nicht verstehen“, sagt Frömmichen.

Auch Lokale Agenda und Seelsorgeeinheit wollen helfen

Die Helfer wollen auch über die Stadtgrenzen hinaus vernetzt werden. Die „Einkaufshelden“ kooperieren mit der Lokalen Agenda Ehingen, die ebenfalls ihre Hilfe beim Einkaufen anbietet. Auch die katholische Seelsorgeeinheit Ehingen bemüht sich, ehrenamtliche Hilfe für schwache Menschen zu finden, beim Einkaufen und weiteren notwendigen Dingen im Alltag. Es gebe zwar schon Freiwillige, das seien aber eher vereinzelte Meldungen, sagt die Leiterin der Koordinationsstelle Ehrenamt, Lucia Zimprich. Das Hilfsangebot gilt für die ganze Seelsorgeeinheit. Bürger, die sich ehrenamtlich bei dieser Hilfe engagieren wollen, können sich sowohl bei der Lokalen Agenda 21 oder im Pfarrbüro melden.

Hilfsangebote auf Facebook

In Ehingen wurde zudem die Facebookgruppe „Nachbarschaftshilfe für Ehingen und Umgebung“ ins Leben gerufen, in der sich gefährdete Personen und Helfer über Beiträge oder Direktnachrichten melden und finden sollen, „um sich gegenseitig zu helfen“, sagt die Administratorin Claudia Holder, die zudem die Gruppe „Foodsharing Ehingen“ betreibt. Wer zu viel eingekauft hat, könne sich bei ihr melden – auch telefonisch. Das gelte auch für diejenigen, die kein Facebook haben. Die Anfrage werde dann in der Gruppe geteilt, sodass sich ein entsprechender Helfer findet.

Urspringschule hilft in Schelklingen

Schelklingen hat durch die Urspringschule schon ein eigenes Hilfsangebot. Schulleiter Rainer Wetzler bietet zusammen mit etwa acht Kollegen an, Besorgungen für Gefährdete und Leute in Quarantäne zu machen. Auch Schüler, die momentan nichts zu tun haben, sollen laut Wetzler mit eingebunden werden.

Gemeinden, Kirchen und Vereine organisieren sich

Bereits am Wochenende hatten die beiden Gemeinden Oberstadion – hier in Kooperation mit dem DRK-Ortsverein – und Obermarchtal einen Einkaufsservice für Ältere und Erkrankte ins Leben gerufen. In Munderkingen arbeiten Stadtverwaltung, Kirchen und DRK-Ortsverein Hand in Hand, um ein Angebot zu schaffen. Am Montag will auch der DRK-Kreisverband Ulm mit einem Angebot für all jene starten, die in behördlich angeordneter häuslicher Isolation sitzen und keine Möglichkeit haben, sich über Familienangehörige oder Freunde versorgen zu lassen (wir berichteten zu Wochenbeginn).

Lebensmittel- und Hygienepakete mit dem Nötigsten

Jürgen Fiderer, Abteilungsleiter im Kreisverband Ulm und unter anderem für den Bereich Bevölkerungsschutz verantwortlich, umreißt den Rahmen des Angebots: Demnach will der Kreisverband zusammen mit freiwilligen Helfern Lebensmittel- und Hygienepakete mit dem Nötigsten für fünf bis sieben Tage packen und den Hilfesuchenden aus Ulm und dem Alb-Donau-Kreis vor die Haustüre stellen.

Außer Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Eiern und Reis sollen in den Päckchen auch frisches Brot, Nudeln, Tomatenmark und „etwas Süßes für die Seele“ wie Kekse oder Schokolade enthalten sein. Abgerechnet wird per Überweisung. Alle, die den Service in Anspruch nehmen können, sollen in den nächsten Tagen informiert werden, wie und wo genau sie Bedarf anmelden können.

Hilfe für Menschen, die unter Isolation leiden

Über den Einkaufsservice hinaus richtet der DRK­-Kreisverband Ulm im Rahmen der Psychosozialen Notfallversorgung ein telefonisches Gesprächsangebot für Menschen in häuslicher Isolation ein, die psychisch belastet sind und unter der Isolation leiden.

In Rottenacker bietet die Gemeinde einen Hilfsdienst an. Wer erkrankt ist, unter Quarantäne steht oder zum besonders gefährdeten älteren Personenkreis gehört und nicht mehr selbst einkaufen kann, soll sich bei der Gemeinde melden (Kontakt siehe Infokasten).

So sind die Hilfsangebote in der Umgebung zu erreichen


Kontakte Das Team Ehingen-Urspring ist täglich von 10 bis 18 Uhr unter der Nummer 0152 07411691 erreichbar oder per Email: hilfe@ehingen-urspring.de.
Das Formular der Jungen Union Ehingen unter: www.die-einkaufshelden.de. Telefon: (0157) 77901302.
Ansprechpartnerin der Facebookgruppe für Ehingen und Umgebung: Telefon  (0176) 21921039.
Die Lokale Agenda ist unter (0151) 20350 787 erreichbar oder per Mail: helfen@lokale-agenda-ehingen.de.
Die Telefonnummer des Pfarrbüros in Ehingen: (07391) 8088.
Menschen aus Oberstadion und den Winkelgemeinden können sich unter der Telefonnummer (07357) 92 14 0 melden.
Bürger aus Obermarchtal unter der Nummer (07375) 205.
Kontakt zum DRK stellt das DRK-Servicezentrum von Montag bis Donnerstag, 9 bis 15 Uhr, unter der Telefonnummer (0731) 14 44 888 her.
Hilfsangebot Rottenacker: Gemeindeverwaltung, Telefon (07393) 95040 oder info@rottenacker.de melden.