Was wäre, wenn ein Mitglied der Feu­er­wehr am Coronavirus erkrankte und unter Quarantäne gestellt würde – und alle Kameraden, die in den Tagen davor mit ihm geübt haben, in der Folge ebenfalls isoliert werden müssten? Oder schlimmer: Wenn ein Teilnehmer eines kreisweiten Lehrgangs krank würde und folglich gleich mehrere Feuerwehren im Landkreis betroffen wären? „Das wäre das Schlimmste“, sagt Kreisbrandmeister Ralf Ziegler. „Die Feuerwehren müssen einsatzfähig bleiben.“

Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus soll minimiert werden

Damit das gewährleistet ist, hat das Landesministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration nun reagiert, um die Einsatzbereitschaft der Organisationen im Bevölkerungsschutz sicherzustellen. In dem ein­einhalbseitigen Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, wendet sich Landesbranddirektor Hermann Schröder an die Mitglieder des Landesbeirats für den Katastrophenschutz sowie die höheren und unteren Katastrophenschutzbehörden im Land. „Wir empfehlen zu prüfen, ob in den nächsten Wochen Versammlungen, Dienstbesprechungen, Jahreshauptversammlungen, Freizeiten oder Ähnliches zwingend durchgeführt werden müssen“, schreibt der Leiter der Abteilung Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement im Innenministerium. Ziel sei es, das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu reduzieren.

Laufende Lehrgänge auf Kreisebene gestoppt

Der Fachdienst Bauen, Brand- und Katastrophenschutz des Land­ratsamts hat auf diese Empfehlungen am Montag reagiert. In einer E-Mail von Kreisbrandmeister Ralf Ziegler an Bürgermeister, Kommandanten und Abteilungskommandanten im Kreis heißt es: „Nachdem der Coronavirus weiter voranschreitet und wir die Ressource Feuerwehr als kritische Infrastruktur nicht gefährden möchten, haben wir uns auf Empfehlung des Fachdienstes Gesundheit in unserem Hause und auch des Innenministeriums dazu entschieden, Ihnen zu empfehlen, alle Veranstaltungen wie Jahreshauptversammlungen oder größere Übungen bis voraussichtlich 19. April 2020 abzusagen.“ Laufende Lehrgänge auf Kreisebene seien mit sofortiger Wirkung gestoppt, geplante Lehrgänge fänden nicht statt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt Ziegler diese Entscheidung. Betroffen sind demnach unter anderem Teil 2 der Ausbildung zum Truppmann mit rund 120 Teilnehmern, ein Atemschutzlehrgang in Langenau und ein Türöffnungsseminar in Blaustein. Wie es nach dem 19. April weitergeht, ist offen: „Ich glaube nicht, dass das der letzte Tag sein wird“, sagt Ziegler.

Hauptversammlungen in Ulm, Dornstadt und Munderkingen abgesagt

Die Feuerwehren Ulm, Dornstadt und Munderkingen haben am Montag ihre Hauptversammlungen abgesagt; die Kameraden aus Oberstadion und Munderkingen verzichten bis 19. April auf alle Übungen. Das liege aufgrund der Lage nahe, meint Ziegler. Auch bei der Feuerwehr Ehingen liegen „planbare Veranstaltungen“ auf Eis, erklärt Stadtbrandmeister Oliver Burget auf Anfrage unserer Zeitung.

Lehrgänge und Übungen bei der Feuerwehr Ehingen fallen aus

Ein Atemschutz-Lehrgang, der am 25. März beginnen sollte, ist ebenso abgesagt wie der für Maschinisten, der am 4. April losgegangen wäre. Die Atemschutz­-Übungs­anlage im Ehinger Feuerwehrhaus bleibt geschlossen. Alle Übungen werden abgesagt, auch die Gruppenstunden der Jugendfeuerwehr entfallen vorerst. „Es geht darum, die Feuerwehr so gut wie möglich zu schützen und das Risiko einer Infektion so gering wie möglich zu halten“, sagt Burget. Im Ernstfall rücke die Ehinger Feuerwehr wie alle anderen Wehren selbstverständlich aus. „Einsätze sind ein Muss, Übungen die Kür“, sagt Burget. Der hohe Ausbildungsstand der Ehrenamtlichen leide nicht, wenn sie in einem derartigen Ausnahmefall einige Wochen pausierten.

Schulen in Oberdischingen und Öpfingen sollten zunächst geschlossen bleiben

Auch die Schulen im Raum Ehingen hält das Coronavirus in Atem. Nach der Schließung des Schulzentrums in Erbach wegen zweier Verdachtsfälle hatten sich die Schulträger in Oberdischingen und Öpfingen am Sonntagabend entschlossen, die Josef­Karlmann-Brechenmacher-Schule in Oberdischingen sowie die Grundschule Öpfingen am Montag vorsorglich zu schließen, bestätigt Achim Schwarz, Leiter des Schulamts Biberach. Auch am Dienstag sollten die Schulen zunächst geschlossen bleiben.

Nägele: Entscheidung rein vorsorglich

Der Oberdischinger Bürgermeister Friedrich Nägele teilt auf Nachfrage mit, sein Öpfinger Kollege Andreas Braun und er hätten sich bereits am Sonntagnachmittag mit Sarah Strehl, die derzeit beide Schulen leitet, besprochen. „Es war rein vorsorglich. Denn es ist eben nicht auszuschließen, dass über Geschwisterkontakte etwas weitergegeben wurde“, sagt Nägele. Wenn zum Beispiel ein Kind eine Schule in Erbach besucht und ein Geschwister eine in Oberdischingen oder Öpfingen.

Entwarnung am Montagabend: Schulen öffnen doch

Als am Montagabend feststeht, dass sich keiner der Erbacher Verdachtsfälle bestätigt hat und das Schulzentrum dort am Dienstag den Betrieb aufnimmt, reagieren auch die Entscheidungsträger in Oberdischingen und Öpfingen. „Der Verdachtsfall in Erbach ist negativ. Wir nehmen deshalb morgen den Schulbetrieb wieder auf!“, teilt Nägele kurz vor 19 Uhr auf Facebook mit. Wenig später finden sich die entsprechenden Informationen auch auf der Schul-Homepage: Der Schulbetrieb finde inklusive aller Betreuungsmöglichkeiten von Dienstag an wieder ganz normal statt.

Auch in Öpfingen bewerten die Verantwortlichen die Lage neu und entscheiden sich, den Unterricht regulär stattfinden zu lassen. Die Eltern der Grundschüler würden durch die Klassenlehrer über entsprechende WhatsApp-Gruppen informiert, sagt Bürgermeister Andreas Braun unserer Zeitung kurz nach 20 Uhr. „Wir sind sehr froh, dass sich der Verdacht in Erbach nicht bestätigt hat.“

Zwei Lehrer der Michel-Buck-Schule in Quarantäne


Isolation An der Michel­­-Buck-Schule in Ehingen befinden sich zwei Lehrkräfte in Quarantäne. Eine war in Südtirol im Urlaub gewesen, eine andere hatte sich nach Angaben von Schulleiterin Dagmar Fuhr in einem großen Raum aufgehalten, in dem auch eine infizierte Person gewesen sei. „Wir müssen einen großen Spagat hinlegen, versuchen, dass so wenig wie möglich Unterricht ausfällt“, sagt Fuhr. Das sei jedoch während der jährlichen Grippewelle nicht anders. Nach Aussage des geschäfts­führenden Schulleiters Andreas Bochtler befindet sich seines Wissens ansonsten kein Ehinger Pädagoge in Quarantäne: „Zum Glück. Ich haben von Schulen gehört, da sind es sechs oder acht Lehrer.“ Das sei dann schon ein großes Problem.