Fenster zu, machen Sie das Fenster zu!“, ruft der Security-Mann der Autofahrerin zu, die mit geöffnetem Fahrerfenster neben ihm stehenbleibt. Mit gebührendem Sicherheitsabstand hält er eine folierte DIN A3-Seite empor: „Halten Sie Ihren Überweisungsschein und Ihre Versicherungskarte ans Fenster.“ Die Frau folgt den Anweisungen, die Security winkt sie weiter. Hinter ihr wartet rund ein Dutzend weiterer Fahrer. Der Andrang am Corona-Testzentrum, das diesen Freitag auf dem Ehinger Festplatz an den Start gegangen ist, ist groß. Am Samstag soll auf dem Volksfestplatz am Ulmer Messegelände der Startschuss für eine zusätzliche Drive-in Station fallen.

Keine Abstriche auf Wunsch

„An diesen Stationen werden ausschließlich Personen behandelt, die von ihrem Hausarzt eine schriftliche Überweisung ins Ab­strichzentrum erhalten haben“, betont der Kreis-Katastrophenschutzbeauftragte und Arzt Andreas Rost. Er hat die Gesamtleitung der Testzentren und die gemeinschaftliche Aktion von Kreisärzteschaft, Deutschem Roten Kreuz, Kassenärztlicher Vereinigung, Gesundheitsnetz Süd und G’sundregion organisiert. Abstriche auf Wunsch könne und werde es allerdings auf keinen Fall geben, sagt Rost: „Dafür haben wir weder das Material noch die Ressourcen noch die Zeit.“ Denn Schutzkleidung sei knapp.

Rund drei Dutzend ehrenamtliche Helfer im Einsatz

Auch deshalb seien die Drive-in Stationen, von den Fachleuten stationäre Testpraxen oder kurz STP genannt, so wichtig: „Hier können wir unsere Patienten versorgen, ohne selbst in Gefahr zu sein oder andere in Gefahr zu bringen.“ Die Zufahrt ist nur im Fahrzeug möglich, „das ist sozusagen der Schutzkäfig des Betroffenen“, sagt Rost. Für die Abstriche in Ehingen und Ulm stehen rund drei Dutzend ehrenamtlicher Rotkreuzhelfer bereit. An jeder Station ist zudem immer ein Arzt dabei.

Bis zu 200 Tests pro Tag als Ziel

Alle, die direkt mit den Patienten in Kontakt treten, sind von Kopf bis Fuß geschützt: In kunststoffbeschichteten Anzügen samt Kapuze, Schutzbrille, mit Schutzhandschuhen und Masken, die die Atemluft filtern. 150 bis 200 Patienten sollen so pro Tag untersucht werden. Bis Ergebnisse vorliegen, werde es etwa drei bis vier Tage dauern, schätzt Rost. Nach frühestens drei Tagen können sich die Untersuchten bei ihrem Hausarzt danach erkundigen. „Alle, die positiv getestet wurden, versuchen wir natürlich direkt zu erreichen.“

Konsequente Einlasskontrolle an den Testzentren

„Wir wollen einen geordneten Betrieb in den Testzentren“, das ist Rost wichtig. Wer aus einem Risikogebiet eingereist ist und an grippeähnlichen Symptomen leidet oder Kontakt zu einer gesichert infizierten Person hatte, solle zuerst telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt aufnehmen beziehungsweise außerhalb von dessen Sprechzeiten die 116 117 anrufen. An den Drive-ins werde eine konsequente Einlasskontrolle erfol­gen – zunächst mit vier Securityleuten pro Station, „wenn es sein muss, stehen da aber morgen 40.“

Kühlmuß: „Es wird schlimmer werden“

Angesichts von Corona-Partys und des mangelnden Risikobewusstseins Vieler betont Andreas Rost: „Wir haben es mit einer sehr ernsten Erkrankung zu tun.“ Es gelte, alle Patienten zu identifizieren, isolieren und „zwingen, zu Hause zu bleiben“.

Auch DRK-Kreisverbandsarzt Dr. Bernd Kühlmuß spricht Klartext: „Es wird schlimmer werden. Wir werden deutlich mehr Fälle bekommen.“ Das DRK sei seit mehreren Wochen mit einem Einsatz- und Planungsstab dabei, sich auf Szenarien vorzubereiten, „die wollen Sie noch gar nicht hören“. Das zahle sich nun aus. In nur sechs Tagen konnten die Testzentren in Ehingen und Ulm eingerichtet werden. „Wenn sich alle an die Regeln halten, haben wir eine Chance, den steilen Anstieg abzuflachen“, sagt Kühlmuß. Klar sei aber auch: „Es wird Menschen­leben kosten und das werden wir nicht verhindern können.“

Hoffen auf den Katastrophenfall

Ohne Hilfsorganisationen wäre der Betrieb der Testzentren nicht zu stemmen, betont Bernd Kühlmuß: „Aus den Kliniken können wir kein Personal abziehen und der Rettungsdienst fährt bereits Sonderschichten.“ Umso wichtiger seien die Ehrenamtlichen aus den Ortsvereinen: „Das sind die eigentlichen Helden dieser Situation.“

Koordiniert werden sie von Zugführer Andreas Gumper vom DRK-Ortsverein Ehingen. Er hofft, dass die Landesregierung zeitnah den Katastrophenfall ausruft. „Das würde uns einiges erleichtern“, sagt er. Zum einen im Hinblick auf die Freistellung der Helfer vom Arbeitsplatz, zum anderen durch den dann möglichen Zugriff auf Schutzkleidung des Katastrophenschutzes.

Die Öffnungszeiten der Testzentren


Betrieb Die Corona­­-Testzentren in Ehingen (Festplatz) und Ulm (Volksfestplatz) sind jeden Tag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Da das Zentrum in Ulm am Samstag startet, beginnt der Betrieb dort an diesem Tag erst um 12 Uhr. Einlass in den Wartebereich maximal 30 Minuten vor Beginn.