Bei Kreisbereitschaftsleiterin Stefanie Ludwar steht das Telefon dieser Tage kaum still, eine Besprechung jagt die nächste. Die 51-Jährige ist Leiterin des Einsatzstabs des DRK-Kreisverbands Ulm für die Sonderlage Covid-19 und zeichnet für die Testung sämtlicher Verdachtsfälle im gesamten Alb-Donau-Kreis verantwortlich. Im Auftrag des Landratsamts und der Kassenärztlichen Vereinigung ist ihr Team seit dem 4. März tagtäglich zwischen Altheim (Alb) im Norden und Grundsheim im Süden, Emeringen im Westen und Asselfingen im Osten des Landkreises unterwegs.

Coronavirus Ehingen und Alb-Donau-Kreis Wie arbeitet der Krisenstab des Landratsamts?

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Unterwegs zu den Menschen in häuslicher Quarantäne

„Wir testen alle Menschen in häuslicher Quarantäne, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus besteht“, sagt Ludwar. In den ersten zweieinhalb Wochen war die Kreisbereitschaftsleiterin selbst mit dem so genannten „Test-Mobil“ des Landkreises unterwegs. „Ich setze die Fahrzeuge und meine Helfer erst ein, wenn ich weiß, dass alles funktioniert“, hatte sie beschlossen. Mittlerweile läuft alles wie am Schnürchen.

Verkauf der beiden Krankentransportwagen wurde verschoben

Seit Wochenbeginn ist nicht mehr nur wie bisher einer, sondern sind zwei Krankentransportwagen (KTW) als Test-Mobile im Einsatz. Sie fahren in zwei Schichten von 8 bis 17 Uhr beziehungsweise von 13 bis 18 Uhr – ohne, dass durch die Sonderaufgabe der reguläre Rettungs- und Krankentransport eingeschränkt würde. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass die beiden KTW, die wir nun nutzen, eigentlich verkauft werden sollten“, sagt Ludwar. Sie seien bereits aus dem Fuhrpark des DRK-Kreisverbands ausgemustert gewesen, waren aber nach wie vor voll einsatzbereit. Der Verkauf wurde verschoben, beide Fahrzeuge fahren nun im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. An Bord: ausschließlich ehrenamtliches Personal aus den Ortsvereinen im Kreis.

Abstriche nur an der Haustüre

Arbeit für das Team gibt es mehr als genug. Seit Anfang März legten die Ehrenamtlichen im Test­-Einsatz mehr als 3000 Kilometer kreuz und quer durch den Kreis zurück. Pro Schicht werden im Schnitt 40 Personen getestet. Die Abstriche laufen nach strengen Regeln ab; die Sicherheit der Helfer wird dabei groß geschrieben. „Wir betreten keine Wohnungen“, betont Ludwar. Alle Personen, bei denen ein Abstrich gemacht werden muss, kommen dazu an die Haustüre. Sollte bei Personen mit grippeähnlichen Symptomen neben dem Abstrich eine zusätzliche medizinische Untersuchung notwendig werden, läuft diese aus Gründen der Sicherheit ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Tür und Angel ab.

In Einsatz ist keinerlei Haut sicht- oder berührbar

Zum Schutz vor einer Ansteckung werden die Helfer mit allem Notwendigen ausgestattet: Sie tragen spezielle Overalls mit Kapuzen, Kunststoffbeschichtung und komplett versiegelten Nähten, Schutzhandschuhe, eine Schutzmaske, die die Atemluft filtert, und eine Schutzbrille. „Im Einsatz ist keinerlei Haut sicht- oder berührbar“, sagt Ludwar.

Fahrer und Tester bleiben strikt getrennt

Die Schutzkleidung bleibt die gesamte Schicht über am Körper des Helfers. Um die Fahrer der beiden Test-Mobile nicht zu gefährden, ist der Kontakt zwischen jenen, die Abstriche machen, und jenen, die fahren, strikt untersagt. „Wir kommunizieren schreiend durch die geschlossene Glasscheibe zwischen Fahrerkabine und Versorgungskammer“, sagt Ludwar.

Overalls lassen keine Viren durch

Nach jeder Schicht wird die komplette Schutzkleidung entsorgt. Damit beim Ausziehen keine Viren übertragen werden, haben alle Helfer eine spezielle Schulung durchlaufen, wie die Kleidung abzulegen ist, ohne dass außenliegende Bereiche berührt werden. Obwohl die Overalls keine Viren durchlassen und beim Ausziehen sehr vorsichtig vorgegangen wird, geht das Rote Kreuz auf Nummer sicher: „Unsere Helfer haben die Anweisung, unter den Schutzanzügen nur Kleidung zu tragen, die bei mindestens 60 Grad waschbar ist“, sagt Ludwar. Derartige Temperaturen überlebten die Viren nicht.

Gut mit Schutzkleidung ausgestattet

Mangel an Schutzkleidung gibt es zumindest derzeit nicht. „Wir sind gut versorgt“, sagt Ludwar. Man merke jedoch, dass bei der Beschaffung alle verfügbaren Lieferanten herangezogen würden: Derzeit stammten die Schutzmasken der Ehrenamtlichen aus der Türkei. Und: „In den zweieinhalb Wochen, in denen ich mitgefahren bin, hatte ich bestimmt zehn verschiedene Röhrchen“, sagt sie. In ihnen würden die Abstrich­-Stäbchen sicher verpackt, bevor sie zum Ende einer jeden Schicht in die Virologie der Uni Ulm zur Untersuchung gebracht werden.

Ein Test-Mobil hat einen Arzt an Bord

Dass seit vergangenem Montag ein zweites Test-Mobil im Einsatz ist, hat vor allem zwei Gründe, erklärt die Kreisbereitschaftsleiterin: Zum einen steige die Zahl der Covid­-19-Verdachtsfälle im Kreis stetig an. Zum anderen hätten die beiden Fahrzeuge unterschiedliche Aufgaben: Das eine Test-Mobil, besetzt mit einem Rettungshelfer und einem Rettungssanitäter, besuche symptomfreie Verdachtsfälle. Das andere, in dem ein Arzt mitfährt, all jene, bei denen neben dem Abstrich aufgrund grippeähnlicher Symptome auch eine medizinische Untersuchung notwendig ist.

Ehingen bekommt Drive-in am Festplatz

Wie es weitergeht, ist für Stefanie Ludwar im Moment nicht absehbar. Derzeit plant der Kreisverband Ulm mit 30 Helfern. Dazu kommt ein Pool von 20 Fahrern. „Über die Zeit können es natürlich noch wesentlich mehr werden“, sagt Ludwar. Eben je nachdem, wie sich die Lage weiter entwickelt. Fest stehe bereits jetzt: Bis mindestens Mitte Juni ist die Donauhalle in Ulm blockiert, um vor Ort eine Drive-in Teststation zu betreiben. Auch in Ehingen soll am Festplatz beim Stadion ein Drive-in für Testabstriche in Betrieb gehen. Die Stationen werden nicht öffentlich zugänglich sein, teilt das Landratsamt mit: „Sie sind ausschließlich von Personen, die dafür eine ärztliche Weisung bekommen, mit dem eigenen PKW anfahrbar.“

Tests nur nach ärztlicher Anordnung


Vorgehen Wer den begründeten Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, soll in jedem Fall zunächst telefonisch Kontakt mit seinem Hausarzt aufnehmen, sagt Bernd Weltin, Pressesprecher des Landratsamts Alb-Donau-Kreis. Dieser entscheide über alle weiteren Schritte.

Ausblick Was die Infektionsschutzmaßnahmen der Gesundheitsbehörden angeht, befinde sich der Kreis in einem dynamischen Übergang von „Containment“ (Strategie der Eindämmung) zu „Protection“ (Fokussierung auf besonders gefährdete Gruppen). In diesem Rahmen werde es immer wieder zu Anpassungen der Maßnahmen kommen.