Berufstätige Eltern in Ehingen müssen nicht nur für die Zeit bis zu den Osterferien, sondern eventuell auch für die Ferienzeit selbst eine Betreuungslösung für ihre Kinder finden. Die städtische Ferienbetreuung scheint auf der Kippe zu stehen: „Eine abschließende Entscheidung hierzu steht zwar aktuell noch aus; es ist aber davon auszugehen, dass es lediglich für die Kinder eine Notfallbetreuung geben wird, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind“, teilt Pressesprecherin Bettina Gihr am Montagmittag auf Nachfrage mit (siehe Infobox).

Für die Zeit bis zu den Ferien gilt: Bei der Stadtverwaltung Ehingen können sich betroffene Berufsgruppen weiterhin für eine Notfallbetreuung ihrer Kinder melden. Pressesprecherin Gihr geht davon aus, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder in den nächsten Tagen weiter steigen wird. Bisher handele es sich in Ehingen sowohl bei den städtischen Kindergärten als auch bei den Schulen (Klassen eins bis sechs) um jeweils 15 bis 20 Kinder, die betreut werden müssen. Betroffene sollen wie gewohnt in die entsprechende Schule oder den Kindergarten kommen. Es werde Personal vor Ort sein.

Immerhin: „Die Eltern reagieren sehr besonnen und zeigen viel Verständnis für die Schulschließungen“, sagt Andreas Tietzel, Leiter der Grundschule im Alten Konvikt, am Montag. Eine Notbetreuung benötigen an seiner Schule (Stand Montag, 11 Uhr) bislang nur zwei Schüler. Der Schulleiter rechnet aber damit, dass noch weitere hinzukommen könnten. „Viele Eltern müssen sich vielleicht erst noch mit ihrem Arbeitgeber absprechen.“ Aber man sei flexibel, sagt Tietzel, der in der Zeit selbst ebenfalls wie alle Schulleiter an seiner Schule sein wird. Hinzu kommt ein Lehrer für die Notfallbetreuung.

Schüler erhalten Unterstützung

Tietzel lobt sein Lehrerteam, das am Wochenende in „viel Fleißarbeit Lernpakete geschnürt“ habe, damit die Grundschüler mit Hilfe von Arbeitsblättern und weiterem Material auf der Homepage am Ball bleiben könnten – und zwar relativ selbstständig. „Klar, die Eltern müssen sie schon unterstützen.“ Eltern und Schüler würden nicht allein gelassen, sondern sollten sich bei Fragen per E-Mail an die Lehrer wenden.

Ähnlich läuft es auch an der Längenfeldschule. Obwohl 110 Grundschüler, deren Eltern mutmaßlich beide (länger) arbeiten gehen, die Ganztagsschule besuchen, habe er keine verzweifelten Eltern am Telefon gehabt, sagt Schulleiter Udo Simmendinger. „Ich habe im Radio gehört, dass sich viele jetzt nachbarschaftlich organisieren.“ Nur sechs Kinder mit Eltern in systemrelevanten Berufen benötigten eine Notbetreuung. Für die Hauptschulprüfungen im Juni hofft Simmendinger, dass sie an die erschwerte Situation angepasst werden. Wer Realschulabschluss machen möchte, sei nun schon in der Vorbereitungsphase für die Prüfungen, die mit Hilfe der digitalen Lernplattformen auch zuhause möglich sei. „Mir tun die Referendare fast mehr leid.“ Am Montag hätten zwei von ihnen an seiner Schule ihre Lehrprobe (das Halten einer Schulstunde wird bewertet) gehabt, die aber abgesagt wurde. „Sie waren schon recht gefrustet.“

Am Johann-Vanotti-Gymnasium laufen die Vorbereitungen für die schul-, aber nicht lernfreie Zeit ebenfalls seit Freitag. Die Abiturienten, deren Prüfungen am 22. April beginnen, sind „recht gelassen“, sagt Schulleiter Tobias Sahm. Am Montag fanden für sie keine regulären Unterrichtsstunden statt, sondern all jene Kurse, die abiturrelevant sind, so dass Schüler und Lehrer alles Wichtige besprechen konnten. Die Lern­inhalte fürs Abitur seien vermittelt, nun ginge es nur noch um die Prüfungsvorbereitung, die zu Hause stattfinde und durch Lernaufträge per Mail oder Lernplattform unterstützt werde.

An der Realschule laufen die Vorbereitungen für die Schulschließung ebenfalls seit Freitag, berichtet Schulleiter Alexander Bochtler. Adresslisten von Eltern und Lehrern seien auf den neuesten Stand gebracht worden. Zudem gab es einen Elternbrief und Infos auf der Homepage. „Von dort kann auch Lernstoff herunter geladen werden, manche Lehrer schicken den Lernstoff auch per E-Mail. Also, die Schüler sind auf jeden Fall mit Aufgaben versorgt“, sagt Bochtler. Nicht neuer Lernstoff, sondern das Üben und Wiederholen von Lerninhalten sei angesagt. Der Geschäftsführende Schulleiter weiß, dass die anderen Schulen ähnlich verfahren. Stand Montagmittag benötige nur ein Kind an seiner Schule eine Notbetreuung.

Offene Fragen bei Prüfungen

Beim Thema „Prüfungen“ gibt es aber noch offene Fragen: In den Kernfächern fehlt jeweils noch eine Klassenarbeit, deren Ergebnis in die Anmeldenoten für die Prüfungen fließen müsste. „Das Kultusministerium muss entscheiden, ob auch ohne sie eine Note errechnet wird“, sagt Bochtler. Falls nicht, käme es zur Prüfungsverschiebung. Falls doch, sollen die Anmeldenoten am letzten Schultag vor den Ferien, 3. April, statt persönlich, per Post an die Schüler gehen.

Die Schmiechtalschule (für Schüler mit körperlicher und geistiger Behinderung) bietet eine Notfallbetreuung für Kinder an, deren Eltern zwar keinen systemrelevanten Beruf haben, bei denen aber aufgrund der Komplexität ihrer Behinderung, besonderer Gesundheitsrisiken oder Hygieneanforderungen eine häusliche Betreuung nicht gesichert ist. Man benötige jedoch insgesamt nur eine Notbetreuung für eine Hand voll Schüler, sagt Schulleiter Christian Walter. „Sie werden von zwei bis drei Lehrern betreut. Und ansonsten sind wir in gutem Kontakt mit den Eltern.“ Arbeitsmaterial, aber auch Hilfsmittel und therapeutische Geräte seien mit nach Hause gegeben worden.

An der Gemeinschaftsschule Allmendingen-Schelklingen läuft vieles ähnlich wie in Ehingen. Schulleiter Jürgen Haas rät: Die Schüler sollen sich für das Lernen zuhause einen Stundenplan machen – und etwa einen Tag für Mathe, einen anderen für Englisch einplanen. Das eigenständige Lernen sei wichtig – „uns fehlen schließlich einige Wochen regulärer Unterricht“, sagt Haas. Eigeninitiative ist besonders bei den Neuntklässlern gefragt, die vor der Prüfung stehen. Für die Eltern ist vielfach Improvisation angesagt, besonders, wenn die Kinder noch kleiner sind. Das berichtet die Elternbeiratsvorsitzende Lydie Eisemann.

Eltern holen Materialien

An der Heinrich-Kaim-Grundschule in Schelklingen sind schon etliche Kinder am Montag nicht mehr im Unterricht erschienen – krankgemeldet. Die Eltern hätten die Arbeitsmaterialien abgeholt, die die Schüler jetzt zuhause bearbeiten sollen, sagt Rektor Torsten Knaudt. Noch sei nicht absehbar, ob es eine Notfallbetreuung für Kinder geben wird.

In der JKBS-Schule in Oberdischingen und der Grundschule in Öpfingen sei die Notfallbetreuung zahlenmäßig kein Problem, sagt Leiterin Sarah Strehl.

Fast alle Befragten sagten, die Stimmung bei Lehrern und Schülern sei am Montag schon anders als vor den Sommerferien gewesen: längst nicht so unbeschwert. Alle hoffen nun, dass nach den Osterferien dann wirklich wieder der Schulunterricht stattfinden kann – „und dass Familien und Kollegen die Zeit mit Gelassenheit und Zuversicht überstehen“, wie es Sahm formuliert.

Schulveranstaltungen in der näheren Zukunft wie das Praktikum für Achtklässler an der Schule Allmendingen-Schelklingen, der Sporterlebnistag der Realschule im Mai sowie Schullandheime und Abschlussfahrten, aber auch Fortbildungen sind an den befragten Schulen bereits abgesagt worden.

Info Mehr zu den Folgen der Vorsicht gegen das Coronavirus in und um Ehingen gibt es auf den Seiten 16, 17 und 19.

Zahlen zu Infizierten, Hotline und Eltern mit Anspruch auf Notfallbetreuung


Fälle Stand Montag, 15 Uhr, gab es 13 Corona-Erkrankte im Stadtkreis Ulm und 16 im Alb-Donau-Kreis, zusammen also 29 im Gebiet des Gesundheitsamtes. Das teilte das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises auf Nachfrage mit.

Hotline Das Landratsamt hat eine Telefon-Hotline eingerichtet, die allgemeine Fragen und Hinweise zum Coronavirus beantwortet.  Die Hotline ist Montag bis Freitag von 8.30 bis 16 Uhr unter (0731/) 85 10 50 erreichbar.

Infrastruktur Sind beide Eltern oder Alleinerziehende eines Kindes in Berufen der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ tätig, können sie eine Notfallbetreuung in Anspruch nehmen: Eltern, die bei Polizei, Feuerwehr, als Arzt oder Pfleger arbeiten, Medikamente oder Lebensmittel herstellen oder bei der Müllabfuhr, der Energie- und Wasserversorgung, im Lebensmittelhandel oder als Journalisten arbeiten. In vielen Gemeinden wird ein Nachweis des Arbeitgebers verlangt.