Literatur Autor George Watsky: Cool und charismatisch

Mit seinen Fingern untermalte George Watsky bei seiner Lesung in Ehingen die Story.
Mit seinen Fingern untermalte George Watsky bei seiner Lesung in Ehingen die Story. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 02.10.2017
Auf seiner Tour durch die ganze Bunderepublik kam George Watsky auch nach Ehingen und bot neben einer Lesung auf Englisch auch Poetry Slam.

Niemand nimmt sich vor, in den internationalen Elfenbeinschmuggel einzusteigen. „Aber es passiert einfach“, schreibt der Dramatiker George Watsky in seinem Buch „Wie man es vermasselt“, das der Autor im Ehinger Buchladen vorstellte.

Der Schmuggel spielt in Amerika, der Heimat, des Autors. Die Gesetzeswidrigkeit passiert in Zusammenhang mit einer gewissen June, der Großtante eines Freundes, die alles liebt, was exotisch, versteinert oder ausgestopft ist. Ihr Lieblingsstück ist der Stoßzahn eines Narwals, den sie ganz legal auf einer Kreuzfahrt in die Arktis einem Inuit abgekauft hatte. Doch leider gelten Narwalstoßzähne als Elfenbein und dürfen nicht in die USA eingeführt werden.

Die Geschichte, deren Ende George Watsky natürlich nicht verriet, ist eine von 13 Stories, die in der Originalausgabe unter dem Titel „How to Ruin Everything“ in New York erschien. Der Diogenes-Verlag ließ die literarischen Pretiosen übersetzen, im August sind sie auf Deutsch erschienen. Die Kurzgeschichten erzählen vom Scheitern, kleinen Triumphen und großen Abfuhren.

Finger untermalen die Story

Watsky, der bei der Lesung von Steffen Nowak übersetzt wurde, begann die Lesung jedoch mit einem Gedicht. Als Zuhörer gab man sich schnell der Sprachmusik und dem Ausdruck der Performance hin. Präzise und atemberaubend schnell erzählte der Hip-Hopper dann auch aus seinem Buch. Auch hier macht der Ton die Musik. Zudem agiert George Watsky mit den Augen und seinen überlangen Fingern, die gestenreich die Story untermalen.

Die Geschichten seien größtenteils autobiographisch und so erfuhren die rund 80 Zuhörer im Ehinger Buchladen von Watskys Epilepsie. In dem Kapitel mit der Überschrift „Welches Jahr haben wir?“ erwacht Watsky auf dem Rücken liegend unter Neonröhren und bekommt ein paar Finger vor sein Gesichtsfeld. „Wie viele Finger halte ich hoch?“, ist die Frage dazu. „Das ist jetzt echt nicht leicht“, geht dem Erwachenden durch den Kopf. Die Anfälle gehören zu Watskys Leben.

Ehrlich und zugleich komisch

Losgelöst von der Geschichte erzählte der Autor seinem aufmerksamen Publikum von Medikamentencocktails und den Wirkungen der Pillen, die beim Epileptiker sowohl die Downs als auch die Highs dämpfen. Der 31-Jährige tut das mit so viel Selbstironie und amüsierter Distanz, dass das Handicap zur Episode wird. Watsky ist ehrlich, aber zugleich komisch. Vermutlich macht das seinen Erfolg aus.

Als Rapper hat Watsky fünf Alben veröffentlicht, als Autor legt er mit dem Buch in Deutschland ein literarisches Prosa-Debüt hin. Für die Lesungsbesucher war George Watsky ein cooler Wort- Charismatiker, der bei aller Lässigkeit sehr kontrolliert performte. Insgesamt nur alles einen Tick schneller, als ein schwäbischer Zuhörer denken und sprechen kann.