Hitze Chef und Göckele glühen um die Wette

Schelklingen / CHRISTINA KIRSCH 11.08.2018

Es zischt und brutzelt im Grillwagen. An langen Spießen drehen sich die goldgelben Hähnchen vor rot glühenden Drähten und manchmal schlägt eine Flamme aus dem Grill. Auch Adnan Tokyay ist Feuer und Flamme. Und er glüht mit seinen Göckele um die Wette. Dem Mann am Grill rinnen dünne Rinnsale Schweiß an den Schläfen herunter und immer wieder greift der 58-Jährige zu einer Rolle Küchenkrepp, um sich die Stirn und den Hals abzuwischen.

Eine Mischung aus Schweiß und Grillfett setzt sich auf Adnan Tokyays Haut fest, denn der 58-Jährige steht von morgens um 8 Uhr bis 20 Uhr in seinem Grillwagen. Stundenlang spießt er Brathähnchen auf und frittiert Pommes. Seine Kunden kennt er meist persönlich. Da reichen ein paar Worte. „Zwei Halbe und Pommes“, bestellt einer. Das sind zwei Hähnchenhälften, die Adnan Tokyay in eine Tüte packt oder auf einem Teller serviert. Der eine oder andere Kunde genehmigt sich den Imbiss direkt am Tresen. Die meisten halten jedoch mit dem Auto direkt neben dem Grillwagen und nehmen das warme Göckele mit.

Dreimal so heiß

Seit 18 Jahren kommt Adnan Tokyay jeden Dienstag und Donnerstag an seinen Schelklinger Stammplatz. Zwölf Stunden lang drehen sich dann die Grillhähnchen, die je nach Nachfrage auch immer wieder umgesetzt werden. Im Sommer sei es am Grill „dreimal so heiß“, sagt er. Wenn man den Wagen betritt, schlägt einem ein Schwall aus Dunst und Hitze entgegen. Adnan Tokyay will lieber gar nicht messen, wie heiß sein Arbeitsplatz ist. Er weiß nur, dass er bei der Arbeit enorm abnimmt. „Im Sommer verliere ich jedes Jahr 13 Kilo“, sagt der Mann aus Dürmentingen. „Dabei esse ich wie ein Bär.“ Den Gewichtsverlust holt er zuverlässig in der Herbst-Wintersaison wieder auf.

Der Familienvater, der seine Helfer zum Putzen der Grillspieße daheim sitzen hat, ist in Sachen Hähnchen sein bester Kunde. „Ich esse jeden Tag ein halbes Hähnchen“, sagt der Grillprofi nicht ohne Stolz. Sein Hähnchen-Menü variiert er mit Salat oder Pfefferoni. Pfefferoni? Ja, scharf müsse es schon sein, sagt Adnan Tokyay grinsend. Mit scharfen Pfefferoni werde es einem so richtig heiß, sagt der Grillmeister mit Galgenhumor.

Der langjährige Hähnchenprofi kam durch Zufall zu dem Job. Eigentlich sei er Automechaniker, sagt er. Doch dann kam es eines Tages zu einem Zerwürfnis mit seinem Chef und er kündigte. Am nächsten Tag kaufte er sich einen gebrauchten Grillwagen. „Der ging bei der Überführung kaputt“, erzählt der Mann zwischen zwei Kunden und zwei Mal Küchenkrepp-Wischen über den Kopf. Motorschaden. Aber er sei ja Automechaniker. Das Nachfolgemodell baute er dann um. Der Kombi bekam eine neue Pritsche angeschweißt. Der TÜV genehmigte den Umbau, auch  Einbauten wie die beiden Kühlschränke wurden anstandslos durchgewunken. In den Kühlschrank vorne rechts setzte Tokyay ein Fenster mit Glasscheibe. Dahinter sind Getränkedosen zu sehen.

Mit den kleinen Dosen gibt sich der Inhaber jedoch nicht ab. „Ich trinke ungefähr sechs Liter am Tag“, sagt er. Der Schweiß muss ja irgendwie produziert werden. Meist Wasser und Eistee.

Vor allem in den Abendstunden herrscht am Grillwagen Hochbetrieb. Es kommen die Arbeiter von Heidelberg Cement und die Mütter aus dem Freibad, die ihre Kinder gleich im Auto lassen, wenn sie Hähnchen kaufen. Die Kunden von Adnan Tokyay bestätigen bereitwillig die gute Qualität der in Hitze gegarten Göckele. „Gut durchgebraten, schön knusprig und die Würzmischung stimmt auch“, sagt Gerd Hoffmann aus Justingen über das Speiseangebot.

Die meisten Kunden schwätzen jedoch nicht viel. „Zwei Halbe, große Pommes, Ketchup“, ist der Standardsatz. Dann surrt das Elektromesser und wieder gehen zwei Hähnchenhälften direkt aus der Hitze in die Tüte. Und Adnan Tokyay glüht dazu.

Das Geheimnis der knusprigen Göckele

Betriebsgeheimnis Nach einer Weile am Klapptresen des umtriebigen Geschäftsmannes Adnan Tokyay fragt man sich unweigerlich, warum er seine hintere Autotüre nicht öffnet, um für ein bisschen Durchzug zu sorgen. Nein, das dürfe er nicht, um die Qualität seiner Grillhähnchen nicht zu gefährden, verrät Tokyay ein Betriebsgeheimnis. Denn wenn zu viel Zugluft an seinen Hähnchen vorbei streiche, „nimmt die Luft die Feuchtigkeit mit und die Hähnchen werden trocken“.

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