Ehingen/Ulm Caritas-Wohnungslosenhilfe: Kreis soll sich wieder engagieren

AH 06.12.2012
Geht es nach der Statistik, ist der Alb-Donau-Kreis der einzige Kreis im Land, in dem es keine Wohnungslosen gibt.

Geht es nach der Statistik, ist der Alb-Donau-Kreis der einzige Kreis im Land, in dem es keine Wohnungslosen gibt. Gleichwohl rufen bei der Wohnungslosenhilfe der Caritas in Ulm sehr wohl Betroffene aus dem Kreis an, sagte deren Leiter Erwin Gürtler beim Dienstagstreff des SPD-Ortsvereins Ehingen im "Schwert". Nach seinen Aufzeichnungen sind das bis zu 25 im Jahr - ein relativ kleiner Anteil gemessen an den durchschnittlich 450 Menschen, die in die Fachberatungsstelle mit Tagesstätte, Aufnahmehaus und betreutem Wohnen kommen, aber auch sie brauchen Hilfe. "Wir schicken die natürlich nicht weg", sagte Gürtler im Kreis der Ehinger Sozialdemokraten, warf aber die Frage auf, ob das Engagement des Alb-Donau-Kreises in diesem Punkt ausreicht.

Vor 20 Jahren habe sich der Kreis aus der bis dahin gemeinsamen Finanzierung der Wohnungslosenhilfe zurückgezogen, beklagte Gürtler die Tatsache, dass die Stadt Ulm die Maßnahmen nach dem Sozialgesetzbuch XII und die zweieinhalb Sozialarbeiterstellen seither allein finanziere. Das Fehlen des Kreises erschwert auch die angestrebte Rückführung Wohnungsloser in eine geregelte Existenz: Weil bezahlbarer Wohnraum knapp ist, sind derzeit von 22 Plätzen im betreuten Wohnen nur 16 belegt. Voraussetzung für die Aufnahme in das Angebot, das Menschen bis zu 18 Monate lang begleitet, ist ein eigener Wohnraum. Der wäre im Kreis viel leichter zu finden als im dicht besiedelten Stadtgebiet von Ulm, sagte Gürtler, aber dorthin dürfe man nicht.

In der Diskussion machten die Gemeinderäte Georg Mangold und Joachim Schmucker deutlich, dass die SPD im Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats mal anfragen wolle und sie auch für die Menschen in der Ehinger Murrengasse Beratungsbedarf sehen, der eigentliche Handlungsbedarf liege aber im Kreistag. Weil SPD-Kreisrätin Klärle Dorner krankheitsbedingt fehlte, soll über eine Initiative für eine Beteiligung des Kreises und Sprechstunden auch außerhalb Ulms erst später entschieden werden.