Kommunalpolitik Bürgermeister Krämer seit 100 Tagen im Amt

Seit 100 Tagen ist Martin Krämer Bürgermeister der Gemeinde Obermarchtal.
Seit 100 Tagen ist Martin Krämer Bürgermeister der Gemeinde Obermarchtal. © Foto: Maria Bloching
Obermarchtal / Von Maria Bloching 22.09.2018

Martin Krämer strahlt, wenn er von seinem Alltag als Bürgermeister in Obermarchtal erzählt. Die Arbeit ist vielfältig und fordernd, hat immer etwas Neues zu bieten und ermöglicht ihm den Kontakt und die Begegnung mit Menschen. So, wie es aussieht, ist das genau sein Ding.

Herr Krämer, seit 100 Tagen sind Sie im Amt. Sie sind nicht nur neuer Bürgermeister, sondern auch neuer Bürger. Wie sind Sie angekommen?

Martin Krämer: Sehr gut. Ich bin nach wie vor in der Einarbeitung und meine gesamte Zeit dreht sich um das Amt. Hier und da wurde ich schon eingeladen und es fanden viele nette Gespräche statt. Von 7.30 Uhr bis in die Abendstunden und oft auch an den Wochenenden bin ich im Rathaus. Aber es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit als Rathauschef?

Die Vielfalt der Themen, die es zu bearbeiten gibt, die immer spannend sind und natürlich der Kontakt zu den Menschen. Ich bin viel unterwegs und habe es immer mit Neuem zu tun. Tagtäglich kommen unterschiedliche Dinge auf mich zu. Und das genau macht für mich den Charme des Bürgermeisteramtes aus.

Was geht einfacher als gedacht und womit tun Sie sich schwer?

Das kann man so nicht sagen. Alle Aufgabenbereiche sind komplex und fordernd, aber spannend. Ich habe gemerkt, dass man dieses Amt nur mit Herzblut erfüllen kann. Manchmal geht mir etwas zu langsam voran. Am liebsten würde ich jedes Problem gleich sofort lösen, aber mir sind oft die Hände gebunden, weil ich von anderen abhängig bin. Ich muss lernen, mich in Geduld zu üben.

Wie klappt die Verständigung mit den Schwaben?

Das ist überhaupt kein Problem. Ich lerne jeden Tag neue, schwäbische Wörter und hatte noch nie Schwierigkeiten, den Dialekt zu verstehen. Wahrscheinlich geben sich die Leute besonders Mühe, wenn sie sich mit mir unterhalten. Manche Wörter habe ich sogar schon ganz unbewusst in meinen Sprachgebrauch übernommen. Zum Beispiel „Noi“.

Welche großen Projekte stehen Ihnen und der Gemeinde Obermarchtal ins Haus?

Der größte Brocken ist wohl der Ausbau eines schnellen Internets. Das wird aktuell vehement vorangetrieben. Ein Konzept für Obermarchtal ist in Arbeit, in Reutlingendorf sowie in Datthausen werden wir wohl zwei Jahre früher als gedacht schnelles Internet haben. Das ist erfreulich. Außerdem hat die Neugestaltung des Friedhofes Priorität, auch hier wird ein Konzept entwickelt. Wir planen einen Strategietag und wollen die Bürger in die Entscheidungen mit einbinden. Ein weiteres Projekt, das ansteht, wird die Abwasserbeseitigung in der Oberwachinger Straße und in Mittenhausen sein. Viele Themen laufen nebenher, ich arbeite meine To-Do-Liste ab. Schön ist, dass ich immer wieder von Bürgern neue Inputs bekomme, das zeigt, wie groß ihr Interesse an der Entwicklung ihrer Gemeinde ist.

Sie sagten, „Bock“ auf das Bürgermeisteramt zu haben. Was ist davon übrig geblieben?

Ich habe nach wie vor Bock drauf. Mir war von vornherein klar, wie die Realität aussieht. Insofern gehen bei mir Vorstellung und Realität konform. Noi, ich habe es bisher wirklich nicht bereut.

Als ein Mensch, der nicht aus der Verwaltung kommt: Wie ist es, im Rathaus zu arbeiten?

Meine Einstellung war schon immer: Mit Fleiß und harter Arbeit kann man alles lernen. Das sehe ich nach wie vor so. Bei meiner Einarbeitung erfahre ich tolle Unterstützung von meinen Mitarbeitern, Kollegen und von der Verwaltungsgemeinschaft. Es dauert mindestens ein Jahr, bis ich sagen kann, dass ich vollständig eingearbeitet bin. Aber ich freu’ mich darauf und weiß, dass dafür bei den Bürgern Verständnis vorhanden ist. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat wirklich gut, das ist eine Basis, auf der man viel erreichen kann.

Ist Obermarchtal für Sie immer noch das „Paradies“?

Auf jeden Fall. Es ist faszinierend zu sehen, wie hier Ehrenamt gelebt wird, wie viele Vereine aktiv sind und was für eine tolle Infrastruktur vor Ort ist. Bei so einer Einwohnerzahl sucht man eine gleichwertige Gemeinde vergebens. In Essen war ich rund 40 Minuten mit dem Auto zur Arbeit unterwegs, hier kann ich laufen. Es gibt keinen Stau und wenn es dunkel ist, ist es tatsächlich dunkel. Außerdem kann man hier einen richtig tollen Sternenhimmel sehen.

Ihre Frau und Ihre Tochter wohnen noch in Essen. Wie lässt sich das Pendeln und Beruf vereinbaren?

Meistens pendelt meine Familie zu mir nach Obermarchtal, ich war bisher nur sporadisch in Essen. Natürlich fehlen mir die beiden, doch wir videotelefonieren viel. Zum Ende dieses Schuljahres ziehen beide her, dann wird es besser. Aber bisher wird meine Arbeit nicht davon beeinträchtigt, dass ich hier allein wohne.

Sie tragen immer langärmelige Hemden wegen Ihrer Tattoos. Wann krempeln Sie die Ärmel mal hoch?

Ich habe meine Ärmel während der letzten 100 Tage noch gar nicht runter gekrempelt. Mir gefallen meine Tattoos, sie sind kein Geheimnis. Aber ich lege Wert darauf, dass sie in meinem Berufsalltag nicht zu sehen sind. Das war auch während meiner Tätigkeit in der Bank so. In meiner Freizeit sieht man mich im T-Shirt, aber im Berufsalltag trage ich langärmelige Hemden.

Haben Sie überhaupt Freizeit? Wenn ja – bügeln Sie dann Ihre Hemden?

Freizeit habe ich tatsächlich so gut wie keine. Deshalb – und weil ich nicht gern Hemden bügle – gebe ich sie in die Reinigung. Aber ansonsten versorge ich mich selber. Wenn ich mal etwas Zeit habe, gehe ich ins Fitness-Studio, um den Kopf frei zu bekommen. Außerdem ist mir Sport wichtig.

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