Der Ortsvorsteher und Biosphären-Gastgeber aus Dächingen brennt für das Biosphärengebiet. Für Alfons Köhler ist das Schutzgebiet eine Chance für die sechs Teilorte Erbstetten, Mundingen, Granheim, Dächingen, Alsteußlingen und Frankenhofen, die Ehinger Alb als Gemeinschaft weiterzuentwickeln und jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Er spricht von einer „gemeinsamen Linie“, die in den vergangenen zehn Jahren enorme Kräfte freigesetzt hat. „Als Jugendlicher war für mich klar, dass ich hier auf keinen Fall bleiben möchte.“ Er sah für sich als Koch und als junger Mensch auf dem Land keine Zukunft: „Jede Ortschaft war für sich, ein Zusammenhalt gab es nicht.“ Dann jedoch übernahm er die Gaststätte seiner Eltern, wurde Ortsvorsteher und nahm soziale Aspekte sowie den Umwelt- und Naturschutz auf seine Agenda. „Ursprünglich sollte das Biosphärengebiet ja nur die Bereiche im Lautertal betreffen. Das konnte und wollte ich nicht akzeptieren.“ Also hat er mit dem damaligen Ehinger Oberbürgermeister Johann Krieger die sechs Teilorte auf der Ehinger Alb in den Blick genommen und nach einem übergreifenden Thema gesucht. Zunächst sollte die Konfessionsgeschichte aufgegriffen werden. „Als jedoch unser Oberbürgermeister mit dem Schlagwort ,Volksfrömmigkeit’ daher kam, bin ich schier vom Glauben abgefallen“, sagt Köhler, der im Biosphären-Beirat sitzt, und lacht.In einem Arbeitskreis einigte man sich auf Spiritualität, man begann, Ideen zu Besinnung, Entschleunigung und Schönheit der Kulturlandschaft zu sammeln und weiterzuentwickeln. Das sei das erste Projekt gewesen, zu dem alle sechs Albgemeinden zusammengefunden haben. „Für mich ist das allein schon ein großer Erfolg.“ In großem ehrenamtlichem Engagement ist der 50 Kilometer lange Besinnungsweg entstanden, der wie eine Kette die sechs Orte miteinander verbindet.

Wertschätzung und höhere Attraktivität

Die Dorfbewohner haben sich dann Gedanken gemacht, was ihren Ort ausmacht und was sie als Besonderheit ins Zentrum stellen wollen. So sind in Alt­steußlingen der „Stationenweg“, in Granheim der „Vogellehrpfad“, in Frankenhofen eine Aussichtsplattform zu „Aussicht und Natur“, in Erbstetten Informationen zu „Unser tägliches Brot“, in Dächingen „Durch Wald und Flur“ und in Mundingen der „Lebens-Horizont-Weg“ entstanden.

„Überall waren so viele Leute miteinander unterwegs – das gab es sonst noch nie.“ Das habe bei vielen zur Erkenntnis geführt, wie lebenswert die Region doch sei. Er selbst ist immer mit dabei gewesen und wisse, wie wichtig es sei, dass man Anlässe schaffe, motiviere und den Prozess in Gang halte. „Ich finde, wir haben das Leitbild des Biosphärengebiets mit unserer Vernetzung par excellence umgesetzt.“ Alle sechs Teilorte haben, sagt Köhler, ein Verständnis von nachhaltiger Entwicklung geschaffen und die Vorgaben für eine hohe Bürgerbeteiligung erfüllt. „Was bei uns entstanden ist, ging von den Bürgern aus, die Verwaltung hat nur unterstützt.“ Aus dem Prozess heraus sei eigenes Denken weiterentwickelt worden, das führte zu mehr Wertschätzung und einer höheren Attraktivität der kleinen Gemeinden.

Selbst treu zu bleiben

Private und unternehmerische Ideen konnten umgesetzt werden und so etwas wie der Besinnungsweg sei sowieso einmalig in der Bundesrepublik, „weil er der erste Weg ist, der im Rahmen einer enormen Gemeinschaftsaktion rein ehrenamtlich konzipiert und realisiert wurde“. Selbst anfängliche Kritiker konnten überzeugt werden. Gemeinsam habe man gelernt, das Biosphärengebiet zu leben, sich selbst aber treu zu bleiben. „Unsere Einstellung zur Region und zu den hier hervorgehenden Produkten hat sich verändert. Dadurch können wir auch mit unseren Besuchern anders kommunizieren.“ Köhler glaubt, dass das Biosphärengebiet in den Köpfen der Menschen angekommen ist, weil sie mitgenommen und begeistert werden konnten. So wird das Informationszentrum in Dächingen von 20 Ehrenamtlichen betreut, jedes Jahr kommen 2000 Besucher. „Sie erfahren, was unsere Ortschaften und die Region ausmacht, und sie bekommen Hinweise über landschaftliche und kulturelle Besonderheiten, sowie zu regionalen Herstellern von Kunsthandwerk, Lebensmitteln und vielem mehr.“

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Ehrenamtliche engagieren sich im Informationszentrum Dächingen, in das jährlich um die 2000 Besucher kommen und sich über die Angebote vor Ort informieren.