Ulm./Neu-Ulm Blick hinter die Kulissen

Ulm./Neu-Ulm / NICOLE REUSS 11.06.2012
Beim 3. Tag der Festung standen gestern Türen offen, die ansonsten verschlossen bleiben. Etwa 4000 Besucher kamen, um die Bundesfestung mit festem Schuhwerk und bisweilen auch Taschenlampe zu erobern.

"Heute sehen Sie mal, wo die Zuschüsse bleiben. . ." 15 Orte konnten die Besucher am 3. Tag der Festung in den beiden Donaustädten besuchen und, wie etwa im Werk XXXII - dem Fort Oberer Kuhberg - auch Ecken besichtigen, die sonst für Unbeteiligte verschlossen bleiben. Wolfgang Nitsche (60) vom Förderkreis der Bundesfestung Ulm etwa führte gestern Gruppen durch den Nordbereich des Bollwerks, wo sich die derzeitige Baustelle und die Werkstatt der Förderkreis-Aktiven findet.

Samstag für Samstag rücken dort Ehrenamtliche an, bringen mit finanzieller Unterstützung des Landesdenkmalamtes die Schießscharten im Nordturm wieder in den Originalzustand. An ihnen hat nicht nur der Zahn der Zeit genagt. Während des Zweiten Weltkriegs gabs im Fort eine "kriegswichtige Produktion", die Scharten wurden teilweise aufgebrochen, erklärte Nitsche etwa dem Ehepaar König, das mit der staunenden Verwandtschaft aus Brasilien durch dunkle Gänge, Mienenschächte und über Wendeltreppen ging. Oder der sechsjährigen Jenni, die mit Patenonkel und Mutter aufgeregt dem Schein von Nitsches Taschenlampe folgte.

Rund 4000 Besucher haben gestern die mehr als 30 Veranstaltungen der Bundesfestungsnutzer besucht, zog der Förderkreis-Vorsitzende Matthias Burger am frühen Abend zufrieden Bilanz. Das Angebot war breit: An der Ludwigsvorfeste etwa hatte die mittelalterliche Schänke zum Vesper geladen, an der Caponniere 6 die Stadt Neu-Ulm Konzerte und Kasperltheater organisiert. Autor Thomas Schuler ließ bei einer Führung in der Kienlesbergbastion den 15. Oktober 1805 auferstehen, als Napoleon Ulm von den Hängen des Kienlesberg mit Kanonen beschießen ließ.

Ungewohnte Einblicke gabs auch in der Wilhelmsfeste auf Bundeswehrgelände, die gestern Zivilisten offenstand. Im Gebiet der Wilhelmsfeste - befürchten der Förderkreis-Vorsitzende Burger und seine Mitstreiter - könnten laut Konzept der Stadtverwaltung 8000 Quadratmeter Festungswall zum Bau einer Zufahrtsstraße abgebrochen werden. Der Andrang an der Wilhelmsburg war groß. 1800 Besucher nahmen an 35 Führungen teil. Viele notierten beim Workshop zum Erschließungskonzept der Burg Vorschläge: Spielplatz, Erlebnisgastronomie, Klettergarten, Museum, Musikplattform. . .

300 Besuchern hatten Wolfgang Nitsche und vier weitere Ehrenamtliche bis zum Abend den Nordbereich im Fort Oberer Kuhberg gezeigt. Besucher Bernd Bohnet war angetan: "Ich kenne das Fort aus meiner Kindheit. Damals war alles verwildert. Wahnsinn, was die Freiwilligen des Förderkreises geleistet haben." Sprachs und zückte einen Schein zur Spende. Fast anklagend stand das Geländefahrzeug des Förderkreises vorm Eingang zum Nordbereich auf nur drei Rädern. Nummer vier war tags zuvor beim Arbeitseinsatz kaputt gegangen.

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