Am Montag, am 24. August, jährt es sich zum 77. Mal, dass der Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll von den Nationalsozialisten von seinem Bischofssitz vertrieben und aus seiner Diözese verbannt worden ist. Sieben Jahre später, am 12. Juni 1945, hat er in Ulm zum ersten Mal wieder den Boden seiner Diözese betreten – als sehr kranker, aber keinesfalls gebrochener Mann. Sein Wahlspruch „Fortiter in fide – tapfer im Glauben“ hatte ihn von Anfang an zum Gegner der braunen Machthaber werden lassen; dass Hitler selbst kurz vor dem 24. August 1938 gefordert hat, die Angelegenheit Sproll müsse nun endgültig erledigt werden, geht aus den Akten des Nürnberger „Wilhelmstraßen-Prozesses“ in den Jahren 1947 bis 1949 hervor.

Der in Munderkingen lebende pensionierte Pfarrer und Kunsthistoriker Franz Xaver Schmid ist ein großer Verehrer Sprolls und Kenner seines Lebens und Wirkens; das hat er bereits durch zahlreiche Publikationen gezeigt. Jetzt, zu dem doppelten Gedenken von Vertreibung und Rückkehr des Rottenburger Bischofs, will er den Katholiken in Ulm ein besonderes Geschenk machen: eine Marmorskulptur von Joannes Baptista Sproll, geschaffen von dem in Rottenburg-Kiebingen lebenden Bildhauer Ralf Ehmann (48).

Die Widerständler gegen Hitler nehmen in Ehmanns Schaffen einen besonderen Platz ein. Bereits 1999 hatte er für die Stadt Rottenburg eine Skulptur des 1945 ermordeten ehemaligen Württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz gestaltet. Damals fasste er den Plan, sich auch Bischof Sproll, dem Freund von Bolz, zu widmen. Mit seinen Möglichkeiten als Künstler, so Ralf Ehmann, wolle er „auf diesen außergewöhnlichen Bischof aufmerksam machen“. Aus diesem Vorhaben entstand eine ganze Werkreihe, darunter eine Lithographie, ein Portrait, zwei Bronzeskulpturen und als Hauptwerk die Marmorskulptur. Sie zeigt nach Ehmanns eigener Deutung den Bischof als Rückkehrer aus dem Exil in sitzender Haltung; der Kopf und eine Hand sind sichtbar aus dem Block herausgearbeitet. Die Geste der Hand symbolisiert Entgegenkommen, Segen, Gruß.

Für den Künstler ist diese Hand aber auch Ausdruck dafür, dass Bischof Sproll trotz seines schweren Leidens, dem er bereits im März 1949 erliegen sollte, „die Dinge wieder in die Hand nehmen wird“. Kaum eine Charakterisierung dürfte der Persönlichkeit Sprolls und seiner entschlossenen und effizienten Aufbauleistung in den unmittelbaren Nachkriegsjahren besser gerecht werden als diese Darstellung. Dies solle, so Ralf Ehmann, auch das Gesicht des Bischofs zum Ausdruck bringen: „Im Gesicht spiegelt sich seine Haltung, die Klarheit und sein Wille, aber es zeigt auch einen Blick, der in Abgründe geschaut hat.“ „Fortiter in fide“, Wahlspruch und Charakter des siebten Rottenburger Bischofs, sind in dieser Skulptur buchstäblich in Stein gemeißelt.

Pfarrer Franz Xaver Schmid hält Ehmanns Skulptur für „grandios“ und bescheinigt ihr eine „überzeugende Qualität“. Dass das von ihm privat erworbene Kunstwerk künftig in Ulm und dort in der Innenstadtkirche St. Michael zu den Wengen ihren Platz finden soll, hat eine besondere Bewandtnis: Am 12. Juni 1945 wurde Bischof Sproll vor der Ulmer St. Georgs-Kirche von Dekan Oskar Gageur auf dem Boden seiner Diözese willkommen geheißen. Gageur war Pfarrer der Wengenkirche. Und Franz Xaver Schmids Mutter war seine Haushälterin; bei seinen Besuchen in Ulm hatte Bischof Sproll sie oft gebeten, Pfannkuchen für ihn zuzubereiten. Welche Zusammenhänge!

 

 

Info: Dr. Thomas Broch war von 2007 bis 2012 Sprecher von Bischof Dr. Gebhard Fürst und der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Jetzt ist der 68-Jährige als „reaktivierter Rentner“ Bischöflicher Beauftragter für Flüchtlingsfragen der Diözese. Mit Pfarrer in Ruhe Dr. Franz Xaver Schmid verbindet ihn eine langjährige freundschaftliche Beziehung; beiden ist die Würdigung Sprolls ein ständiges Anliegen.