Biosphärentag Biosphärentag im Oberen Schmiechtal

Die Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa hat beim Biosphärentag in Sondernach ihre Produkte präsentiert.
Die Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa hat beim Biosphärentag in Sondernach ihre Produkte präsentiert. © Foto: Joachim Schultheiß
JOACHIM SCHULTHEISS 19.09.2017

Gut besucht war der Vortrag „Landwirtschaft im Wandel der Zeiten“ zum Beginn des Biosphärentages oberes Schmiechtal im Informationszentrum Hütten. Landwirt Herrmann Eberhardt aus Mehrstetten berichtete über die Entwicklung bis hin zur heutigen modernen Landwirtschaft. Dank ihrer sei ein Selbstversorgungsgrad der deutschen Bevölkerung von 70 Prozent erreicht worden.

Am Anfang des Aufschwungs der Landwirtschaft, nach der jahrhundertelang praktizierten Dreifelderwirtschaft, stand eine Naturkatastrophe: der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815. Durch seine Aschewolken, die sich um die nördliche Erdhalbkugel legten, verschlechterte sich das Klima und löste Hungersnöte aus, erläuterte Eberhardt. Erst im Jahr 1817 habe es wieder eine Ernte gegeben. Daraufhin sei in Stuttgart das erste Mal ein Landwirtschaftliches Fest abgehalten worden, das Cannstatter Volksfest. Die Universität Hohenheim ist damals zunächst als landwirtschaftliche Lehranstalt gegründet worden.

1818 wurde dann die Leibeigenschaft aufgehoben und aus den unfreien Bauern wurden Landbesitzer, erläuterte Eberhardt. Durch Maßnahmen wie den neu eingeführten Kartoffelanbau und die Düngung der früheren Brachflächen mit dem Mist des nun in Ställen gehaltenen Viehs seien die landwirtschaftlichen Erträge angestiegen. Trotzdem gab es Rückschläge. Eberhardt führte den Steckrübenwinter 1917 während des Ersten Weltkriegs an, in dem etwa 700 000 Menschen in Deutschland verhungert seien.

Eberhardt ist gegen heutige Entwicklungen wie die Wiederansiedlung von Bibern und Wölfen, weil wie er sagt, die Wölfe eine Gefahr für Mensch und vor allem für Nutztiere wie Schafe oder Kälber darstellten. Die Landwirtschaft habe schon genug Lasten mit den Schäden durch Wildschweine zu tragen.

Kräuterpädagogin Uta Kramer begab sich zu einer Kräuterführung übers Bärental und die Eichhalde nach Gundershofen. Dort hatte Jürgen Retter mit Helfern wieder ein Oldtimertreffen mit vorwiegend landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Maschinen organisiert, der Besucherandrang war groß. So führte Retter etwa das Dreschen von Getreide mit einer alten Dreschmaschine vor. Der Heimatverein Eintracht Sondernach bewirtete die Gäste. Die Seifensiederei Cindy Diesch hatte ihre neuen Verkaufsräume geöffnet und präsentierte ihr Angebot an selbst hergestellten Seifen, Cremes und ähnlichem. Ihren Geißenstall hatte Diesch ebenfalls für Besucher geöffnet.

Regionale Produkte gezeigt

In Sondernach stand die Veranstaltung unter dem Zeichen der Vermarktung regionaler Produkte. Sowohl Produzenten als auch  Gäste hätten danach gefragt, so habe man die Idee zur Veranstaltung in Sondernach gehabt, sagte Uta Dannecker, Mitarbeiterin im Biosphärenzentrum in Hütten. Auch erhoffe man sich durch den Biosphärentag, dass nach Hütten auch die Orte Sondernach und Gundershofen bekannter würden.

Die Imker Georg Eberhardt und Klaus Seiffert boten ihren Honig an. Ihre Bienenstöcke stehen auf der Gemarkung Sondernach. Im Angebot war auch die neue Biosphärenlimonade „Lymo“ aus Ehingen, Töpferwaren, Holzspielzeug oder Textilien aus Wolle konnten erworben werden. Die Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa bot ihre Produkte – auch Nudeln und Buchweizen – an. Jörg und Tanja Holzschuh aus Hausen warben auch fürs Genbänkle. Die Erzeugergemeinschaft habe vor, im Oktober unter diesem Namen einen Verein zu gründen mit dem  Zweck, noch mehr fast ausgestorbene Nutzpflanzen nach dem Vorbild der Alb-Leisa zu erhalten.

Wer sich für das Mähen mit einer Sense interessierte, konnte sich unter Anleitung von Sensenlehrerin Denis Emer auf einem kleinen Wiesenstück neben ihrem Stand daran versuchen. Sie führte auch vor, wie man eine Sense fachgerecht dengelt. Wer nach den vielen Eindrücken noch Lust auf mehr hatte, konnte das Pumphäuschen von Sondernach besichtigen.