Ehingen/Allmendingen/Rechtenstein / Stefan Bentele  Uhr
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb feiert Zehnjähriges. Kirchen, Allmendingen und Rechtenstein können sich einen Beitritt vorstellen.

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb feiert sein zehnjähriges Bestehen. Anlässlich des runden Geburtstags stellt sich die Frage, wie es mit dem Schutzgebiet in der Region weitergeht. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass es neben den Ehinger Teilorten Erbstetten, Mundingen, Granheim, Dächingen, Altsteußlingen und Frankenhofen, die Teil des Schutzgebiets sind, Kommunen gibt, die sich zur Schwäbischen Alb hinzuzählen lassen, aber eben nicht zur Biosphäre. Mehrstetten etwa, das eine Nicht-Mitglied­-Halbinsel bildet; ebenso Allmendingen und seine Orte auf der Alb; für Rechtenstein kann die Mitgliedsfrage ebenso gestellt werden. Und auch in Ehingen gibt es mit Kirchen einen Kandidaten für eine Erweiterung.

Biosphärengebiet ist ein Erfolgsmodell

„Ich meine, Kirchen würde gut dazu passen“, sagt Alexander Baumann, Oberbürgermeister von Ehingen. Man habe das schon gemeldet. Aus Baumanns Ehinger Perspektive wäre die Hinzunahme Kirchens ein logischer und abschließender Schritt für eine Erweiterung. Wobei es mit dem bloßen Wunsch, so ihn der Gemeinderat äußert, nicht getan ist und der Lenkungskreis des Biosphärengebiets darüber zu befinden hat. Dort ist Ehingen vertreten, als ein Mitglied unter vielen.

Für den OB steht fest, dass sich das Biosphärengebiet zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat. Er spricht den Besinnungsweg oder den Burgerlebnispfad an, die den Tourismus ankurbeln. Auch deshalb wirkt das Schutzgebiet attraktiv für Kommunen, die noch Nicht-Mitglied sind. „Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass nicht jeder mitmachen wollte“, sagt Baumann über jene Zeit, als das Biosphärengebiet noch eine Idee war.

Kriterien für einen Beitritt

Ob und vor allem wer künftig in den Kreis der Mitglieder – zu denen Kommunen in den Kreisen Reutlingen, Esslingen und Alb­-Donau zählen – hinzukommt, wird an Aufnahmekriterien bemessen, denen objektive Maßstäbe zugrunde liegen müssen, wie Baumann sagt. Es gibt Anforderungen, Kern-, Entwicklungs- und Pflegezonen auszuweisen, wie es sie etwa im Bereich Erbstetten gibt. Aus Baumanns Sicht ist zu klären, ob die Flächenzahl für solche Zonen unverändert bleibt; ferner lautet ein Kriterium für das Schutzgebiet, dass es nicht größer als 150.000 Hektar werden soll, was sich aber angesichts der Liste der Bewerber wohl nicht halten ließe. „Da müssen wir ­drüber reden.“

Auch Fragen zur Finanzierung stellen sich, etwa, ob neue Kommunen ein „Eintrittsgeld“, wie Baumann es fragend formuliert, mitbringen müssen, um in den Kreis der 29 Kommunen in den drei Landkreisen hinzuzustoßen. Ehingen sei ja teilweise Mitglied, aber es gebe auch Kandidaten, die noch gar nicht Teil des Gebiets sind.

Als „respektabel und ordentlich“ bezeichnet Baumann das Ergebnis des Biosphärengebiets. Für ihn war von vornherein wichtig, dass das Schutzgebiet nicht zum Naherholungsgebiet fürs Wochenende wird, dass die Menschen in den Orten auf der Alb nicht vergessen werden und dass sich die Alb-Orte auch wirtschaftlich entwickeln können. „Es ist ja eine Zone, kein Reservat. Das sehe ich auch als Voraussetzung für die Zukunft.“ Und letztlich hat das Gebiet den Zusammenhalt der Menschen auf der Alb gestärkt. „Das ist schon ein Prozess, der positiv ist.“

Welche Angebote soll es geben?

Welche Angebote sich auf Ehinger Gemarkung im Gebiet entwickeln, kann Baumann noch nicht absehen. Die Frage sei, „was können wir mit den Gegebenheiten tun, die wir haben“. Klar sei, dass Trends aufgegriffen werden könnten. Vor zehn Jahren habe noch niemand an E-Bike-Touren gedacht, heute gebe es eine solche. Aber Neues, sagt Baumann, müsse zum Biosphärengebiet passen, es dürfe keine reine touristische Betrachtung zugrunde liegen, sondern es müsse dem Schutzcharakter gerecht werden.

Die Entwicklung des Tourismus’ und der Ökologie, darin sieht auch Florian Teichmann, Bürgermeister in Allmendingen, die Vorteile für einen Beitritt. Bislang ist die Gemeinde nicht Mitglied, obwohl die Teilorte Grötzingen, Weilersteußlingen und Ennahofen auf der Alb liegen. „Es sollte das Ziel beider Seiten sein, diese weißen Flecken zu schließen.“ Ob die gesamte Gemeinde hinzustößt oder nur ein Teil lässt er offen, beides sei möglich.

Teichmann hat der Geschäftsführung des Schutzgebiets bereits das Interesse bekundet und will, sobald es Aufnahmegespräche geben kann, solche anstreben – sofern der Gemeinderat zustimmt. Dazu muss aus seiner Sicht geklärt werden, wie sich die Biosphäre weiterentwickelt, sprich, ob arrondiert werden oder ob das Gebiet großflächig wachsen soll.

„Sportliche Herausforderung“

Die Beteiligung Allmendingens an einer Kernzone bezeichnet Teichmann als „sportliche Herausforderung“, aber auch als machbar. Etwa 135 Hektar müsste Allmendingen im Falle eines vollständigen Beitritts bereitstellen und aus der Forstbewirtschaftung herauslösen. Die Vorteile seien vielseitig, etwa beim Marketing für landwirtschaftliche Produkte, etwa Linsen vom Hochsträß, die in Lauterach weiterverarbeitet werden; auch die Gastronomie könnte profitieren. Die Ökologie sowieso. „Nutznießer werden nachfolgende Generationen sein.“

Auch Rechtenstein, derzeit Nicht-Mitglied, liebäugelt mit einem Beitritt. „Mir gefällt das, was gemacht wird“, sagt Bürgermeisterin Romy Wurm. Vor drei Jahren etwa hat sie dem Biosphären-Vorstand mitgeteilt, dass Rechtenstein gerne dabei wäre. Dass man nicht zu den Gründungsmitgliedern zählt, ist damit zu erklären, dass damals die Flora-Fauna-Habitate gerade aufkamen und man erst das abarbeiten wollte. „Ich persönlich hab’ das bedauert.“ Eben weil der Ort allein der Lage wegen dazugehört, Wurm wird regelmäßig von Kollegen aus dem Raum Reutlingen darauf angesprochen. Zumal im Amtsblatt über Aktivitäten im Schutzgebiet informiert wird.

Die Kernzonen-Beteiligung dürfte, sagt Wurm, machbar sein, vielleicht sogar über ein bestehendes Schutzgebiet. „Wir haben da schon viel.“ Gleiches gilt für den finanziellen Beitrag. Sie hofft, dass es in den nächsten fünf Jahren zum Beitritt Rechtensteins kommt – vorausgesetzt, der neue Gemeinderat will den Schritt unternehmen.

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Vorgaben für das Schutzgebiet

150.000 Hektar groß, so lautet bislang die Vorgabe von Seiten der Unesco für die Biosphären-Verwaltung über die maximalen Ausdehnung des Schutzgebiets auf der Alb.