Schlechtenfeld Besucher bekommen Einblick in einen Bio-Hof

Ehingen / Stefan Bentele 05.10.2018
36 Besucher bekommen gestern Einblick in den Bio-Hof von Sigrid und Paul Stiehle in Schlechtenfeld, organisiert vom Landratsamt Alb-Donau.

Sarah wirkt gelassen, wie sie da im Melkstand steht, umringt von 36 Besuchern. So viele fremde Menschen, da kann eine Kuh auch nervös werden. „Das ist eine ganz coole Kuh“, sagt Sigrid Stiehle. „Eine unserer liebsten.“ Und deshalb darf jeder Besucher, der Lust hat, in den Melkstand auf dem Bio-Hof der Familie Stiehle in Schlechtenfeld hinabsteigen und versuchen, von Hand etwas Milch zu melken. Bei den Kindern, die das versuchen, klappt das zunächst nicht so recht, erst als Sigrid Stiehle die kleinen Hände führt, kommt der eine oder andere Spritzer Milch aus der Zitze.

„Den Landkreis genießen“ heißt die Veranstaltungsreihe, organisiert und finanziert vom Landratsamt Alb-Donau, in deren Zuge Besucher gestern die Milcherzeugung auf dem Hof von Sigrid und Paul Stiehle erleben konnten. Man wolle regelmäßig zeigen, wie es auf einem Hof wirklich zugeht, hatte Anna Scharpf vom Fachdienst Landwirtschaft im Landratsamt den Besuchern zu Beginn erklärt. „Das erlebt man nur, wenn man sich das selbst anschaut.“

Auch mal selber mit anpacken

Und selbst auch mal mit den Händen anpackt, wie im Melkstand. Während die Kinder sich im Melken versuchen, beantwortet Paul Stiehle, der den Hof 2003 von seinen Eltern übernommen und 2015 auf Bio umgestellt hatte, die Frage einer Besucherin nach dem Milchpreis. 46 Cent pro Liter bekommen die Stiehles von ihrer Molkerei in Bissingen (Bayern) als Grundpreis.

Dazu kommen noch Zuschläge für Eiweiß- und Fettgehalt – und hier gilt: Höhere Werte erzielen einen besseren Preis. Die Molkerei wiederum beliefert mit der Milch gängige Discounter, die die Bio-Milch verkaufen. Für einen Euro den Liter verkaufen die Stiehles zudem seit 2010 Milch auch ab Hof, täglich etwa 30 bis 40 Liter.

Etwa 17 Liter Milch gibt eine Kuh im Schnitt am Tag. Das entspricht etwa 6300 Liter Milch aufs Jahr gerechnet, sagt Paul Stiehle. „Das ist nicht ganz schlecht.“ Vor der Bio-Zeit lag der Schnitt bei 7500 Litern im Jahr. 60 bis 65 Kühe stehen in den beiden Freilauf- und Freiluftställen, 140 Hühner gackern im Gehege und legen Eier. Alles wird im Hofladen verkauft, auch selbst gemachte Backwaren. Das Futter für die Tiere erzeugen die Stiehles komplett selbst auf ihren 90 Hektar, davon die Hälfte Gras-, die andere Hälfte Ackerland.

Bio hat allerdings nicht nur seinen Preis, es bedarf auch jeder Menge Auflagen. Hühner etwa haben mehr Auslauffläche, Kälber wiederum brauchen einen Auslauf, in den es auch hineinregnen kann. Zwei Mal im Jahr kommen Kontrolleure vom Kontrollverein im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen, einmal angemeldet, einmal unangemeldet. „Die kontrollieren alles“, sagt Paul Stiehle. „Bürokratie, Äcker, Ställe.“ Und das Landratsamt kontrolliert den Betrieb obendrein mit Blick auf Ohrmarken, Arzneimittel oder Düngeverordnung.

Tradition seit 400 Jahren

„Wir sind sehr zufrieden“, sagt Sigrid Stiehle über die Umstellung auf Bio. Man wolle jedenfalls nicht wieder zurück zur konventionellen Landwirtschaft. Da spielt es auch keine wesentliche Rolle, dass der Bio-Milchpreis in den vergangenen anderthalb Jahren von 49 auf 46 Cent sank. Der Preis für konventionelle Milch schwankt im Vergleich stärker.

Den Hof der Stiehles in Schlechtenfeld gibt es übrigens bereits seit gut 400 Jahren, wie Paul Stiehle sagt. „Das geht zurück bis in den Dreißigjährigen Krieg.“ Und in all den Jahrhunderten ist, bei aller Veränderung, eines geblieben: der Geruch. „Da riecht’s, gell?“, fragte Sigrid Stiehle ein kleines Mädchen im Futtergang zwischen den Kuhboxen. „Das ist ganz normal“, sagt die 45-Jährige. Und lacht.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel