Wenn Gerhard Ege die Kellertreppe seines Wohnhauses in der Uhlandstraße hinabsteigt, dann ist er voll in seinem Element. Werkzeuge und Werkmaterialen unterschiedlichster Art - sie hängen an Hakenwänden im etwa fünf Meter langen Korridor oder sind in Schubladen verstaut. Ein ähnliches Bild in den anderen Kellerräumen: Bohrer, Schraubendreher, Hämmer - allesamt in hundertfacher Ausführung -, darunter auch weniger handelsübliche Werkzeuge wie etwa ein Flammenwerfer.

"Technik ist einfach wunderbar", sagt Gerhard Ege, während er eine fünf Kilo schwere Armfeile hervorkramt. Immer, wenn er über seine Leidenschaft spricht, das Basteln, Tüfteln und Erfinden, hat der 70-Jährige ein schwärmerisches Funkeln in den Augen. Und hier unten, im Keller, kann er seinem Hobby nach Lust und Laune frönen.

Dass sich seine Mühen lohnen, hat zuletzt die 40. Internationale Messe für Erfindungen in Genf (18. bis 22. April) gezeigt, wo Ege für vier seiner Errungenschaften mit Medaillen ausgezeichnet wurde. Dreimal Bronze gab es für einen Küchenrollenhalter, einen Universaldosierer und Pulver-Dosierer, der verklumpte Gewürze wie beispielsweise Curry beim Schütten mit einem Kugelmagnet zerkleinert.

Die Silbermedaille bekam der Tüftler für einen patentierten Folienspender - seine wichtigste Errungenschaft, die er seit Jahren fortwährend verbessert und weiterentwickelt. Der Spender aus Edelstahl ist einhändig bedienbar und mittels eines Drehknopfs lässt sich sekundenschnell zwischen den Folienrollen hin und her wechseln.

Der eigentliche Clou bei der Sache ist aber die ausgefeilte Schnitttechnik, mit der Ege ein alt bekanntes Küchenproblem in den Griff bekommt: die verschrumpfte beziehungsweise verknitterte Folie. Wo die haushaltsüblichen Geräte an ihre Grenzen stoßen, kann Eges Spender bis zu acht Lagen Alu- und Frischhaltefolie übereinander durchtrennen. Das Schneiderad ist nicht an die Schneidleiste montiert, sondern wird freihändig auf die Schnittkante aufgesetzt. Ohne Zwangsführung verfängt sich die Folie nicht, und sie kann von links nach rechts oder auch umgekehrt zerschnitten werden.

"So ein Spender kostet im Handel 100 bis 150 Euro, und dann funktioniert er noch nicht einmal richtig - das hat mich einfach geärgert", erklärt Gerhard Ege die Triebfeder seines Arbeitseifers. Es gebe einfach viele Dinge im Haushalt, die verbesserungswürdig seien, sagt der Sohn eines Öpfinger Schreiners.

Bereits im Jugendalter hat er leidenschaftlich gern gewerkelt; manchmal auch etwas zu übereifrig. So erinnert sich der 70-Jährige, dass er einmal Feuerwerkskörper gebaut hat - nur leider mit so einer Sprengkraft, dass dabei ein Fenster zu Bruch ging. Nach solchen Jugendsünden folgte eine Grundausbildung zum Schreiner und Maschinenschlosser, dann arbeitete Ege im Groß- und Außenhandel und später zehn Jahre als Polizist.

Die Lust am Werkeln hat er jedoch nie verloren, weswegen er mit 27 Jahren ein technisches Studium an der Berufspädagogischen Hochschule in Stuttgart begann und später selbst als Technischer Lehrer an der Gewerblichen Schule in Nürtingen und an der Kaufmännischen Schule in Ehingen unterrichtete.

Ehefrau Evelyn hat ihren Mann bei seinem zeit- und kostenaufwendigen Hobby stets unterstützt. Immerhin 35 technische Systeme hat er über die Jahre entwickelt, und sein Ideenreichtum sei noch lange nicht erschöpft, sagt Gerhard Ege. Etwa 35 000 Euro habe er bisher investiert - sei es für Werkzeuge, Arbeitsmaterialien, Messegebühren oder Patente, wovon eines allein schon um die 2000 Euro kostet.

In Geld aufwiegen lasse sich sein Hobby sicher nicht, ist sich der Idealist bewusst, aber Erfinden und Tüfteln sei eben seine Passion. "Und zu verbessern gibt es immer etwas."