Geschichte Beendigung des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren

Ein Demokrat, der von Nationalisten ermordet wurde: Matthias Erzberger.
Ein Demokrat, der von Nationalisten ermordet wurde: Matthias Erzberger. © Foto: Repro/Maria Bloching
Munderkingen / Maria Bloching 10.11.2018

In Munderkingen erinnert die Erzbergerstraße schon seit Jahrzehnten an den Zentrumspolitiker aus dem Lautertal, der für den Wahlkreis Biberach im Berliner Reichstag saß und einer der bedeutendsten Finanzreformer der deutschen Geschichte war. „Matthias Erzberger wird in Munderkingen mit Eugen Bolz und Stauffenberg besonders für seine Leistungen gewürdigt, denn alle drei Straßen liegen nebeneinander“, ist von Bürgermeister Dr. Michael Lohner zu erfahren.

Noch vielen unbekannt

Dennoch: Erzberger, der Volksschullehrer, Arbeitersekretär, Journalist, Mann des Laien-Katholizismus, Parlamentarier des Kaiserreichs und der frühen Weimarer Republik, kaiserlicher Staatssekretär und Leiter der Waffenstillstandskommission, Reichsfinanzminister und Geschäftsmann ist in Deutschland und auch in der Region nach wie vor noch relativ unbekannt. Seine Unterschrift im Wald der nordfranzösischen Stadt Compiègne leitete jedoch vor genau 100 Jahren den Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg ein. Erzberger sorgte auch maßgeblich dafür, dass der Versailler Vertrag in letzter Minute in der Weimarer Nationalversammlung mehrheitlich angenommen wurde. Er lehnte zwar den sogenannten Friedensvertrag ebenso wie fast alle Deutschen ab, sah aber bei einer Ablehnung des Vertrages die deutsche Einheit in Gefahr.

Grundlegende Sanierung

Er begann, die völlig zerrütteten Staatsfinanzen grundlegend zu sanieren und stellte das öffentliche Finanzsystem auf völlig neue Beine. Zum ersten Mal gab es in Deutschland ein reichseinheitliches Steuersystem – ein System, das in seinen Grundzügen bis in die heutige Bundesrepublik Bestand hat.

Doch Erzbergers Unterschrift zum Waffenstillstand wurde von vielen als „Dolchstoß“ in den Rücken des kämpfenden Heeres  betitelt, auch sein vehementer Einsatz für die Weimarer Republik und die Beseitigung des föderalistischen Steuerwildwuchses trugen nicht zu seiner Popularität bei. Im August 1921 wurde Matthias Erzberger, ein wichtiger Wegbereiter der deutschen Demokratie, im Alter von 45 Jahren von Nationalisten im Schwarzwald erschossen.

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