OB-Wahl Baumann setzt auf GWO und Vermittlungsstelle

Ehingen / Stefan Bentele 14.09.2018
Menschen mit geringem Einkommen tun sich trotz Baubooms schwer am Wohnungsmarkt. OB Baumann setzt auch auf eine Initiative.

Die Zahlen sind das eine, ihre Auswirkungen das andere. Zum 31. Dezember 2017 sind in Ehingen 72 der 129 Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung gefallen. Für eine Rentnerin am Wenzelstein heißt das, dass ihre Warmmiete für die Drei-Zimmer-Wohnung am Jahresanfang von 518 auf 701 Euro gestiegen ist. Im Sommer hat die Vonovia mit dem Hinweis auf die ortsübliche Vergleichsmiete die Miete um weitere 16 Euro auf 717 Euro erhöht.

Das überfordert die 67-Jährige mit 900 Euro Rente im Monat: Ihr bleiben weniger als 100 Euro im Monat zum Leben. „Die Mieterhöhung nimmt ihr jede Perspektive“, sagen private Helfer. Die Frau versucht seit Langem, eine kleinere Wohnung zu finden. Zwei Zimmer für 550 Euro warm, das wäre zu schaffen, hat sie ausgerechnet. Doch sie findet keine passende Wohnung; GWO wie Kreisbau haben sie auf lange Wartelisten verwiesen. 

Günstiger Wohnraum immer knapper

Günstiger Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen wird – nicht nur – in Ehingen knapper. Dabei sind gemäß einer Statistik des Bauamts in den vergangenen viereinhalb Jahren fast 1000 Wohnungen in Ehingen entstanden. Doch der Bauboom geht an vielen Menschen vorbei. Albert Klöckler, bis Ende 2017 Vorstandschef der Genossenschaft für Wohnungsbau Oberland (GWO) in Laupheim und ein Kenner der Situation, hat über viele Jahre diesen wachsenden Druck auf dem Wohnungsmarkt beobachtet: Es ist landauf, landab zu wenig gebaut worden, gleichzeitig ist der Wohnflächenbedarf gestiegen.

Kaum Angebote für Menschen mit geringem Einkommen

Außer Familien, Alleinerziehenden mit Kindern und Rentnern, die eine große gegen eine kleinere Wohnung tauschen wollen, suchen auch Arbeitskräfte aus der EU und Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht nach günstigem Wohnraum. Es gebe kaum Angebote für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen, hat Dr. Ursula von Helldorff festgestellt, Vorsitzende des Ehinger Freundeskreises für Migranten. Hier gehen, wie auch bei der Wohnsitzlosenhilfe der Caritas, viele Anfragen ein.

50 bis 70 Wohnberechtigungsscheine stellt die Stadtverwaltung übers Jahr hinweg mit einer Laufzeit von zwölf Monaten aus, sagt Sprecherin Bettina Gihr. Die Scheine belegen, dass Einkommensgrenzen eingehalten werden, was Voraussetzung ist, um in öffentlich geförderte Wohnungen einzuziehen. 57 Sozialwohnungen gibt es noch in Ehingen, bis Mitte 2019 sollen 16 dazukommen. Die GWO baut sie auf dem Zeppelingelände. Gleichzeitig verweist die Stadt darauf, dass die Förderung des sozialen Wohnungsbaus keine Aufgabe der Stadt ist, sondern des Landes.

Doch das Thema kommt immer häufiger auch auf kommunale Tagesordnungen, nicht zuletzt befördert durch die IHK, die in der Wohnraumfrage einen Standortfaktor sieht und Mangel als ernstes Problem bewertet. In Schwäbisch Gmünd etwa gibt es eine kommunale „Wohnraumoffensive“, die Vermieter berät und ermutigt, Wohnraum anzubieten und Leerstand zu vermeiden.

Auf der Veranstaltung des  BUND Ehingen hat Oberbürgermeister Alexander Baumann wie schon in der Haushaltsdebatte vergangenes Jahr deutlich gemacht: Er hält nichts von einem eigenen Wohnbauunternehmen, sondern will dies privaten Investoren und der GWO überlassen. Gleichzeitig kümmere sich die Stadt um ihren Wohnungsbestand und sei bereit, diesen über Anmietungen zu vergrößern. So verfüge die Stadt über ein ausreichendes Angebot an Wohnmöglichkeiten für die Anschlussunterbringung von Geflüchteten, für die sie zuständig ist.

Baumann verweist ferner darauf, dass es zuletzt, als viel gebaut wurde, keinerlei Förderung für den sozialen Wohnungsbau gab. Jetzt habe das Land umgeschwenkt, Bauträger könnten wieder drauf zurückgreifen – was beim Zeppelin-Gelände passiere. „Das ist wichtig.“

Vermittlungsstelle in Arbeit

Auch Schritte wie in Schwäbisch Gmünd sind laut OB in Ehingen in Arbeit. Man beteilige sich am Programm „Raumteiler“, eine Austauschplattform mit anderen Städten, Ziel sei eine Wohnungsvermittlungsstelle mit weiteren Trägern. „Es ist wichtig, dass das gemacht wird“, sagt Baumann. Er bezeichnet es als „diskussionswürdig“, mehr Geld ins System Wohngeld zu bringen, um etwa mit dem Engagement der GWO zweigleisig zu fahren.

Letztlich, sagt der OB, sei die Grundsteuer in Ehingen seit 20 Jahren stabil geblieben und liege unter Landesdurchschnitt in Ehingen. Davon profitierten auch Mieter.

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In ihrem Wohnmarktbericht 2018, in dem erstmals auch der Immobilienmarkt Ehingen untersucht worden ist, nennt die Ulmer Tenschert Immobilien GmbH für Bestandswohnungen in Ehingen für die besonders gesuchten kleinen Wohnungen einen durchschnittlichen Mietpreis von 8,60 Euro je Quadratmeter und Spitzenpreise von 9,55 Euro.

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