Pläne Baugebiet „Oberen Berntal“ sorgt für Zündstoff in Schelklingen

Viel Natur: Zum Tag des Baumes wurde vor acht Jahren im Berntal eine Elsbeere gepflanzt. Bürger argumentieren, dass das Berntal eine wichtige Naherholungsfunktion habe.
Viel Natur: Zum Tag des Baumes wurde vor acht Jahren im Berntal eine Elsbeere gepflanzt. Bürger argumentieren, dass das Berntal eine wichtige Naherholungsfunktion habe. © Foto: Sommer
Schelklingen / Bernhard Raidt 04.08.2018
Schelklingens Bürgermeister Ruckh äußert sich zu den Protesten gegen die Bebauung im Oberen Berntal. Bürger haben mittlerweile ein Flugblatt erstellt und suchen das Gespräch mit den Stadträten.

Schelklingens Bürgermeister Ulrich Ruckh hat sich zu den Protesten gegen das geplante neue Baugebiet im Oberen Berntal geäußert. Er habe Verständnis für den Unmut der Bürger, die sich Sorgen um den Landschaftsverbrauch machen und ein schönes Stückchen Natur gefährdet sehen, sagte Ruckh im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Aber es gebe einfach eine große Nachfrage nach Baumöglichkeiten in der Kernstadt. Gleichzeitig gebe es durch die Kessellage Schelklingens, die Straßen, die Bahnstrecke und das große Zementwerk nur wenig Spielraum für neue Baugebiete.

Die Pläne liegen aus

Zur Frage möglicher Alternativen sagte Ruckh, wenn es machbar gewesen wäre, wären an anderer Stelle in den vergangenen Jahren bereits Baugebiete geschaffen worden. Aber es sei immer damit zu rechnen, dass eine neue Bebauung auf Proteste bei den dort bereits Wohnenden stoße. Bei der Stadtkernsanierung werde auch die Nutzung von bestehenden Gebäuden und Flächen in der Innenstadt geplant. Es sei ein Dialog, der jetzt über die Bebauung im Oberen Berntal in Gang kommen müsse. „Ich bin froh, dass sich die Bürger bereits jetzt, zu Beginn des Bebauungsplanverfahrens, zu Wort melden“, sagte Ruckh. Später sei es schwieriger, etwas zu ändern. „Ich nehme die Bedenken ernst, ich finde es gut, wenn sich die Bürger Gedanken über Alternativen machen“, sagte Ruckh. Er schilderte das weitere Verfahren: Die Pläne für das Obere Berntal hängen jetzt einen Monat lang im Rathaus zur Ansicht aus. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung kann jeder Einwände gegen das geplante Baugebiet vorbringen. Er kann diese Bedenken schriftlich bei der Stadtverwaltung abgeben oder sie dort zur Niederschrift diktieren.

Dies ist bis Montag, 3. September, möglich. Auch alle anderen Schreiben zum Thema Oberes Berntal werden gesammelt und vorgelegt. Dann werde der Gemeinderat die Einwände öffentlich besprechen und abwägen, berichtete Ruckh. Der Abwägungsprozess werde nicht einfach sein, sagte der Bürgermeister.

Aktivitäten auf Hochtouren

Es gehe nicht darum, dass sich am Ende einer durchsetze. Wenn die Mehrheit bei Betrachtung aller Argumente zum Ergebnis komme, Schelklingen brauche das neue Baugebiet nicht, dann sei das eine Tatsache, die man akzeptieren müsse. Es gebe halt aber auch eine starke Erwartung an die Stadtverwaltung, dass sich Schelklingen weiterentwickeln und Bauplätze, etwa für junge Familien bereitstellen soll.

Bei den Bürgern, die gegen das neue Baugebiet sind, laufen die Aktivitäten auf Hochtouren. Zur „Interessengemeinschaft Oberes Berntal“ haben sich die Bürger zusammengeschlossen, ein siebenköpfiges Gremium leitet die Aktionen. Am Dienstag ist ein Flugblatt in den Räumen der Urspringschule erstellt worden, Leiter Dr. Rainer Wetzler hatte die Räume zur Verfügung gestellt. „Finger weg vom Oberen Berntal!“ ist groß auf den Flyern zu lesen, darüber ein rotes Kreuz neben einem „NEIN!! in Großbuchtstaben. 2500 solcher Flugblätter sind jetzt gedruckt worden und werden im Stadtgebiet verteilt, berichtet Ralf Eisemann, der neben Klaus Burkhardtsmaier als Verantwortlicher auf den Flyern vermerkt ist.

Viele Punkte sind aufgeführt, die aus Sicht der Initiatoren gegen eine Bebauung im Oberen Berntal sprechen: Das letzte Naherholungsgebiet der Stadt gehe verloren, ist zu lesen. Das Tal sei eine Kaltluftschneise und eine natürliche Luftzufuhr für die Stadt und ein Sammelbecken für Oberflächenwasser, es entlaste die Kanalisation. Das Verkehrsaufkommen und damit die Unfallgefahr steige. Zudem sei das Obere Berntal alles andere als ein Premium-Baugebiet, sagte Eisemann. Es gebe keine Infrastruktur, der nächste Supermarkt sei rund zwei Kilometer entfernt, zur Schule sei es rund ein Kilometer – wahrscheinlich zu viel für ein Kind. Es sei zudem die zugigste und kälteste Ecke in Schelklingen, das Tal habe viel Verschattung, Solarenergie sei wenig nutzbar.

Mehr als 300 Unterschriften

Eisemann kündigte Aktivitäten auf mehreren Ebenen an: „Wir werden intensiv mit den Stadträten sprechen“, sagte er. Dabei gehe es auch um Alternativen zum Oberen Berntal. Gleichzeitig wird die Unterschriftenaktion fortgeführt. Mehr als 300 Unterschriften gegen das geplante Baugebiet sind mittlerweile gesammelt. Es sollen noch wesentlich mehr werden – vor allem, nachdem der Flyer die Bürger über die Gründe für den Widerstand informiert hat, sagte Eisemann.

Gleichzeitig geben die Bürger die Einwände gegen den Bebauungsplan bis Anfang September bei der Stadt ab. „Das macht jeder für sich“, berichtete Eisemann. „Es gibt ja viele unterschiedliche Gründe, die gegen das neue Baugebiet sprechen.“

Unter Telefon (07394) 531 409 erläutert Eisemann die Gründe, die für ihn gegen das Baugebiet sprechen– und er bringt auf Wunsch die Liste zum Unterschreiben auch persönlich vorbei.

Das Baugebiet

1,65 Hektar groß ist das geplante
neue Baugebiet „Oberes Berntal“ in Schelklingen. 27 Bauplätze sollen dort neben einem Landschaftsschutzgebiet entstehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel