Kunst Barocke Pracht für Kirchen und Klöster

Schelklingen / BERNHARD RAIDT 08.09.2015
Prächtige Barockgemälde im ganzen süddeutschen Raum haben die Mitglieder der Schelklinger Malerfamilie Wolcker geschaffen. Dr. Franz Rothenbacher hat jetzt die Geschichte der Familie näher erforscht.

Blütenkränze und Palmzweige schwenkende Engel jubilieren, einige tragen der auf Wolken thronenden Maria Kreuz und Erdkugel voran. Unten auf der Erde freuen sich beseelte Menschen über Marias Aufstieg in den Himmel. So sieht eine Szene des Deckenfreskos aus, das der aus Schelklingen stammende Maler Johann Georg Wolcker der Jüngere in der Kirche des Stifts Stams in Tirol geschaffen hat.

Mitglieder der Schelklinger Familie Wolcker haben im gesamten süddeutschen Raum bedeutende Kunstwerke geschaffen. Dr. Franz Rothenbacher stellt jetzt die Geschichte der Familie und des von ihnen bewohnten Hauses in Schelklingen in einer neuen Arbeit dar. Es gab einige Malerfamilien in Schelklingen, die Familie Wolcker sei mit großem Abstand die bedeutendste gewesen, schreibt Rothenbacher.

Begonnen hat die Geschichte der Wolckers in Schelklingen mit Johann Georg Wolcker dem Älteren. Er ließ sich mit seiner Familie um 1700 in Schelklingen nieder. Wolcker selbst war kein gebürtiger Schelklinger, er war im Klosterdorf des Klarissenklosters Söflingen geboren worden. Die Wahl des Wohnsitzes erfolgte nicht zufällig: Wolckers hatte mit Ursula Michler eine Frau geheiratet, die nach Rothenbachers Forschungen aus Schelklingen, Schmiechen oder Hausen ob Urspring stammte - in allen drei Orten gab es diesen Familiennamen.

Wolcker baute sich kurz nach 1705 ein schönes Wohnhaus in der heutigen Bemmelbergergasse 12. Das Haus steht heute noch und wird als Wohnhaus genutzt. Rothenbacher beschreibt äußerst genau die jeweiligen Bau- und Besitzverhältnisse des Hauses. Mindestens zehn Kinder hatte das Ehepaar Wolcker. Gleich sechs Söhne wurden ebenfalls Barockmaler. Es war ein einträglicher Beruf. "Die lange Friedenszeit des Hochbarock schuf ideale Voraussetzungen für Kirchenkünstler aller Art", schreibt Rothenbacher in seiner Arbeit. Denn nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) waren bei der Kirche endlich wieder die finanziellen Mittel vorhanden, um die vielen romanischen und gotischen Kirchen im katholisch gebliebenen Süddeutschland und Österreich neu zu errichten oder zu modernisieren. Die Maler schmückten das Innere der Kirchen mit Fresken, Altarbildern oder Tafelbildern aus und verdienten gutes Geld damit.

Den meisten Wolckers sei es gelungen, durch ihre Malerei zu bescheidenem, teilweise auch zu erheblichem Wohlstand zu kommen, schreibt Rothenbacher. Vater Johann Georg der Ältere malte etwa die 20 Brüstungsbilder für die Kirche St. Laurentius in Berghülen oder den Zyklus der Chor- und Orgelempore in der Nikolaus-Kirche von Seißen. Auch ein Bild der Heiligen Klara in der Söflinger Klosterkirche stammt von ihm.

Bis auf einen Sohn haben die anderen fünf Wolcker-Söhne nach ihrer Kindheit Schelklingen verlassen. Sie zog es an die Sitze der mächtigen und reichen Kirchenfürsten - dort war als Barockmaler besonders viel Geld zu verdienen.

Der mit Abstand begabteste und erfolgreichste der Brüder war dabei Johann Georg Wolcker. Er trug den gleichen Vornamen wie sein Vater und wird zur Unterscheidung als "der Jüngere" bezeichnet. Grundlage des Erfolgs dieses Wolcker-Sohns war zunächst seine Ausbildung in Augsburg. "Dies war sicher die beste Schulung für einen angehenden Barockmaler in Süddeutschland", schreibt Rothenbacher. Denn Augsburg war ein Zentrum der Barockmalerei, die Akademie dort hatte ein hohes Prestige. Wer dort ausgebildet wurde, hatte rasch auch Kontakte zu den reichen Kunstliebhabern der Kirche, die für Aufträge sorgten. Johann Georg heiratete mit 29 Jahren in Augsburg die Witwe eines Orgelmachers. Im Laufe seines Lebens malte er etwa ein Ölgemälde des heiligen Kajetan für die Moritzkirche in Augsburg und viele weitere Gemälde sowie Fresken für Kirchen im süddeutschen Raum. Im Besitz der bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind etwa Altarbilder von ihm, die er für das Kloster Benediktbeuren und den Augsburger Dom geschaffen hat. Auch für die Stadtpfarrkirche Schelklingen hat er die 15 Bilder des Kreuzwegs gemalt. Als sein Hauptwerk gelten aber die Fresken und Altarblätter der schon genannten Zisterzienserstiftskirche von Stams in Tirol. "Dieser Auftrag war der größte seiner Karriere", schreibt Rothenbacher. Von 1730 bis 1736 arbeitete Wolcker in Stams. An der Ausschmückung der Kirche arbeiteten auch andere große Künstler mit, Franz Xaver Feuchtmayr schuf etwa die Stuckaturen.

Der zweite Wolcker-Sohn, Johann Michael mit Namen, ging bei seinem Vater in Schelklingen in die Malerlehre. Später ließ er sich in Würzburg nieder - auch ihn lockten lukrative Aufträge. Im Alter kehrte er nach Schelklingen zurück und vermachte in seinem Testament unter anderem den Armen der Stadt ein beträchtliches Vermögen. Die Werke von Johann Michael sind äußerst unvollständig erfasst. Bisher seien noch keine ernsthaften Forschungen zu ihm angestellt worden, schreibt Rothenbacher. Von ihm verzeichnet sind etwa Altarbilder in Frickenhausen am Main, in Unterleinach, in Dittigheim und vielen weiteren Orten. Auch Kaiser Franz I. Stephan ist von Johann Michael Wolcker gemalt worden.

Der dritte Wolcker-Sohn, der 1704 geborene Matthäus (oder auch Matthias), führte ein eher unglückliches Leben. Auch er ging bei seinem Vater in Schelklingen in die Lehre. In jungen Jahren erhielt er den Auftrag, fünf Ölgemälde für Schloss Erbach zu malen. Matthäus Wolcker schuf dann später etwa die Deckenfresken der Dillinger Stadtpfarrkirche. Er heiratete Maria Regina Haffe, die Tochter eines Dillinger Malers, dem er bei der Arbeit half. Die Ehe verlief aber unglücklich. 1740 erschien das Ehepaar vor dem Magistrat der Stadt. Ihr liederlicher Mann habe sich dem Branntwein ergeben, klagte die Frau, das ganze Haus sei im Unfrieden. Daran trage nur die stadtbekannte Herrschsucht seiner Frau Schuld, rechtfertigte sich Wolcker. Die Räte fanden Schuld auf beiden Seiten und drängten auf ein besseres Verhalten beider. Matthäus Wolcker starb dann schon zwei Jahre später. "Vielleicht war der Branntwein nicht ganz schuldlos", schreibt ein Historiker in einem Artikel über ihn.

Ein Wolcker-Sohn, Gottfried, blieb in Schelklingen. Auch er wurde von seinem Vater ausgebildet und heiratete 1745 Brigitta Abbt aus Ingerkingen. Wolcker hatte so großen Erfolg mit seiner Malerei, dass er öffentliche Ämter wie das eines Ratsherrn oder eines Steuerrechners einnahm. Er konnte sich von seinen Einnahmen sogar später den Kauf des Bemelberger Schlössles leisten. Gottfried Wolcker war ein Repräsentant der Stadt und erhielt öffentliche Aufträge. So bemalte er die Feuerspritze oder nummerierte etwa die Schelklinger Häuser bei der Einführung der Feuerversicherung. Seine Frau Brigitta betrieb wohl einen kleinen Gemischtwarenladen - das ist den Akten des Stadtrats zu entnehmen. Dort ist nachzulesen, das Brigitta Wolcker wegen Verleumdung angeklagt war. Solche üble Nachrede sei damals häufig gewesen in der Stadt, schreibt Rothenbacher. Grund war etwa der Neid auf den Geschäftserfolg anderer. Das Ehepaar hatte sieben Kinder, wobei aber einige früh starben. Vier der überlebenden Töchter von Gottfried Wolcker verheirateten sich mit respektablen Schelklinger Bürgern - eine Tochter heiratete etwa den höchsten Beamten der Stadt, den Kanzleiverwalter Franz Carl Kneer. Mit dem Tode von Brigitta Wolcker, geborene Abbt, sei der Name aus der Stadt verschwunden, schreibt Rothenbacher.

Denn zwei weitere Wolcker-Söhnen, Andreas und Gabriel, verließen Schelklingen ebenfalls. Von ihnen und ihren Werken ist wenig bekannt. Franz Rothenbacher nennt in seiner Arbeit über die Familie Wolcker auch noch weitere Schelklinger bildende Künstler. Etwa den Bildhauer Theobald Geser, der sich 1730 in Schelklingen niederließ. Der aus Schelklingen stammende Kirchenmaler Sebastian Luz (1836 - 1898) arbeitete überwiegend im badischen Raum. Vom 1885 in Schelklingen gestorbenen Wendelin Traub sind nur wenige Arbeiten bekannt, seine Nachkommen brachten es aber außerhalb Schelklingens zu einigem Ruhm. Gut dokumentiert sei dagegen das Werk des Tiermalers Josef Klarl, der im 20. Jahrhundert in seinem Haus am Lützelberg arbeitete, schreibt Rothenbacher.

Info Die Arbeit von Dr. Franz Rothenbacher ist zugänglich über die Homepage des Stadtarchivs Schelklingen unter www.schelklingen.de, Stadtarchiv und dann Publikationen. Außerdem werden die Ausführungen über das Wolcker-Haus später im "Schelklinger Häuserbuch Band 1: Hausbiographien" veröffentlicht.

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