Kultur Bambusflöte und Big-Band Virtuose Persönlichkeiten

Ehingen / Christina Kirsch 17.06.2018
Ein grandioses Konzert mit chinesischen und deutschen Musikern eröffnete den Ehinger Musiksommer. Spielfreude pur schwappte auf das Publikum über.

Für Stammgäste des Ehinger Musiksommers und diejenigen, die auch die Besuche der chinesischen Gäste aus der Music Middle School Shanghai über die Jahre mitverfolgen, war es beim Eröffnungskonzert des Ehinger Musiksommers unübersehbar: Auf der Bühne standen keine Musikschüler, die einem strengen pädagogischen Diktat folgen, sondern junge Persönlichkeiten. Es war überwältigend, wie die Chinesen aus sich herausgingen. Während die chinesischen Musikschüler der renommierten Partnerschule noch vor 15 Jahren etwas steif musizierten, sah man am Samstagabend junge Frauen, die mit ihren Instrumenten flirten. Es schien, als seien die chinesischen Musikerinnen nicht mehr nur die Herrinnen über Saiten und Grifflöcher, sondern Partnerinnen ihrer Laute, Zither oder Flöte.

Konzert mit Kontrasten

In der gut besuchten Lindenhalle hörten und sahen die Musiksommer-Fans ein wunderbares Konzert mit Kontrasten und Höhepunkten. Das parallel laufende Fußball-Weltmeisterschaftsspiel vermisste hier niemand. Das Ensemble für traditionelle chinesische Instrumente mit Zhehui Wang (Schalenhalslaute), Yinuo Qian (Hackbrett) und Zhenqi Li (Wölbbrett-Zither) eröffnete das Konzert mit einem Lied, das sich „Wildgänse fliegen nach Süden“ nennt. Für europäische Ohren sind chinesische Harmonien ungewohnt. Man hörte sich aber bald ein und genoss auch bei den chinesischen Solisten den „Frühlingsregen“, den „Innenhof nach dem Regen“ oder „Weidetierhalter in der inneren Mongolei“. Die Kompositionen klangen mal zart, mal energisch, variantenreich und schienen die Natur nachbilden zu wollen. Der junge Shanhua Liu (Erhu) glänzte an der zweisaitigen Kniegeige.

Danach bescherten die Schüler und Lehrer der Musikschule und des Johann-Vanotti-Gymnasiums den Zuhörern einen maximalen Kontrast. Auf China-Klänge folgte amerikanischer Big-Band-Sound. Die 18 Musiker spielten unter der Leitung von Simon Föhr unter anderem „Superstition“ von Stevie Wonder oder „Jumpin‘ at the woodside“ von Count Basie. Mit ihrem satten Sound und der überschwappenden Spielfreude überzeugten die Bläser ihr Publikum.

Ein kleiner Film über den Besuch in Shanghai im vergangenen Jahr, den Nik Johannsen produzierte, gab den Zuschauern einen Einblick in die Kooperation, die beiden Partnern ermöglicht, neue Kulturen zu entdecken. „Wir haben festgestellt, dass die Chinesen gar keinen Austausch mit einer deutschen Metropole wollen“, erklärt darin Michael Buntz, Leiter der Musikschule Ehingen. „Metropole haben sie selber.“ Aber Ereignisse wie das Kreismusikfest bietet nur die schwäbische Provinz.

Nach der Pause hörte man zunächst von den chinesischen Musikern ein klassisches Streichquartett, das fein ausbalanciert „Aus meinem Leben“ von Bedrich Smetana spielte. Das große gemeinsame Orchester trumpfte dann mit Filmtiteln und einem Stück von Chenglong Zhou auf. „Rote Lampione aufhängen“ hieß die Komposition, in der Di Zheng die Bambusflöte spielte. Die junge Frau entlockte dem Instrument mit flatternden Fingern und Doppelzunge unglaubliche Melodiebögen. Nasal summende Geräusche wechselten mit Gurren und Tirilieren. Zudem stand die Musikerin wie eine Königin vor ihrem Publikum. Das gemeinsame Orchester wurde abwechselnd von Simon Föhr und Zhao Xiaoou dirigiert, die beide ganz in ihrem Element waren.

„Beim Kreismusikfest haben den Chinesen die Polkas so gut gefallen“, kündigte Simon Föhr die Zugabe an. „Und weil wir schon ein chinesisches Quartett gehört haben, kommt jetzt unser Posaunenquartett mit der Froschpolka.“ Das quakte dann als Rausschmeißer so herzzerreißend, dass es dem strengsten Musiker ein Grinsen hervorlockte.

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