Bis Ende der 1960er-Jahre war es kein Problem, mit zwei Zügen gleichzeitig auf der eingleisigen Strecke zwischen Schelklingen und Kleinengstingen (Betreiber ENAG) sowie zwischen Kleinengstingen und Gammertingen (Betreiber HzL) zu fahren. Damals waren noch Kreuzungsgleise in Hütten, Mehrstetten, Gomadingen, Marbach sowie auf der Haid und in Trochtelfingen vorhanden, deren Weichen im Bedarfsfall von Bahnbediensteten bedient worden sind.

Mit der Einstellung des Personen- und dem Rückgang des Güterverkehrs auf beiden Strecken wurden aus Kostengründen peu a peu die Weichen abgebaut. Mit dem Wissen, dass zwischen Schelklingen und Kleinengstingen sowie zwischen Kleinengstingen und Gammertingen aus Sicherheitsgründen jeweils nur ein Zug unterwegs sein darf.

Da in den vergangenen Jahren der Personen- und Güterverkehr wieder angestiegen ist, haben sich HzL und ENAG darauf verständigt, ihre Strecken mit dem sogenannten „technisch unterstützten Zugleitbetrieb“ (TUZ) auszustatten. „Dabei handelt es sich um Magnete entlang der Strecke, welche verhindern, dass ein Schienenfahrzeug in einen bereits durch ein anderes Fahrzeug besetzten Abschnitt einfahren kann“, erklärt Markus Remmel, der bei der HzL für den Bereich Bautechnik zuständig ist. „Über einen zweiten Magneten auf dem Fahrzeug wird eine doppelte Schienenbelegung erkannt und automatisch eine Zwangsbremsung des Zuges eingeleitet“, fügt der Diplom-Ingenieur hinzu.

Auf der 20 Kilometer langen Strecke zwischen Kleinengstingen und Gammertingen wurde diese Technik bereits im vergangenen Jahr eingebaut. Entlang der Schienen sieht man jetzt die dazugehörigen gelben Kabel. Die Bahnkunden, die zwischen Münsingen und Gammertingen unterwegs sind, profitieren bereits seit Beginn des Winterfahrplanes von dieser Neuerung. Die Züge können jetzt ohne Zeitverlust die Schienen der HzL und der ENAG in Kleinengstingen kreuzen.

In den vergangenen Jahrzehnten mussten dort die Zugführer oder Zugbegleiter jedes Mal ihr Schienenfahrzeug verlassen, die Weiche umstellen, einsteigen, über die Weiche fahren, wieder aussteigen, die Weiche wieder verschließen, um dann endlich die Fahrt fortsetzen zu können. Summa summarum dauerte dieses Prozedere jedes Mal zwischen acht und zehn Minuten.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium habe darauf gedrängt, alle Strecken mit Personenverkehr mit TUZ auszurüsten, ergänzt Carsten Strähle, Vorstandsvorsitzender der Erms-Neckar-Bahn AG. Deshalb beteiligt sich das Ministerium in Stuttgart auch an den Kosten.

Jetzt im Frühjahr schreibt die ENAG die Arbeiten für die 43 Kilometer lange Strecke zwischen Kleinengstingen und Schelklingen aus. Mit der technischen Umstellung soll im Sommer begonnen werden. Strähle geht davon aus, dass sich die Kosten „im sechsstelligen Bereich“ bewegen.