Schelklingen/Hütten Bärentalhöhle und Sirgenstein-Doline: Forscher suchen Höhlensystem

Schelklingen/Hütten / BERNHARD RAIDT 05.01.2015
Die Höhlenforscher im Raum Schelklingen planen ihre nächsten Grabungen. In der Bärentalhöhle bei Hütten und in der Sirgenstein-Doline bei Schelklingen warten in diesem Jahr weitere Entdeckungen.

Momentan ruht die Arbeit der Höhlenforscher im Schelklinger Gebiet - es ist Fledermausschutz-Zeit. Doch die zuständigen Projektleiter - Otto Schwabe für die Bärentalhöhle in Hütten und Arndt Karger für die Sirgenstein-Doline bei Schelklingen - planen bereits für die Grabungssaison, die im April beginnt. In der Wohnküche von Petra und Markus Boldt in Schmiechen werden Karten studiert und Tipps ausgetauscht.

In der Bärentalhöhle existieren derzeit zwei Grabungsstellen, die etwa 430 Meter vom Höhleneingang entfernt sind. Eine Stelle befindet sich im so genannten Abzweigungsgang, der nach unten führt. Der Gang ist mit Lehm und großen Steinen verstopft - "plombiert", sagen die Fachleute. Mühsam haben die Forscher im alten Jahr große Steine aus dem Lehm herausgearbeitet, sie zum Teil zerkleinert oder mit dem Seilzug abtransportiert. Insgesamt 600 Säcke mit Material fielen an. Es ist anstrengend, diese Säcke durch die engen Spalten und Schlupfe der Höhle bis zum Eingang zu transportieren. Deshalb lagern die Forscher die Materialsäcke teilweise in Zwischenräumen in der Höhle ab, um dann in einer großen Gemeinschaftsaktion alles nach draußen zu bringen. Eine Menschenkette reicht dabei die Säcke von Hand zu Hand. Ein Problem bei der Arbeit im Abzweigungsgang ist das Kohlenstoffdioxid aus der Atemluft. Ein Absauggerät sorgt dafür, dass sich das schädliche Gas nicht anreichert. Die große Hoffnung der Forscher um Otto Schwabe ist, hinter der mit Lehm verstopften Stelle einen größeren Raum zu entdecken. Ein Luftzug ist immer wieder im Gang zu spüren - ein gutes Zeichen. "Es geht definitiv weiter", sagt Schwabe.

Die zweite Grabungsstelle befindet sich in der "Oase", wie der derzeitige zweite Endpunkt der Bärentalhöhle heißt. Allerdings ist das Arbeiten hier schwierig - es ist nass und matschig. Das ist unüblich für die Höhle, die ansonsten eine spaltenfreie, zur Erdoberfläche hin geschlossene Decke hat und deshalb auffallend trocken ist. Doch von der "Oase" aus reichen Spalten bis weit nach oben, über diese Spalten sickert Regenwasser ein - sogar ein richtiger Wasserstrahl ist in einem Teil der "Oase" bei Regenwetter zu sehen. Die Spalten stammen daher, dass die Bärentalhöhle an der Stelle der "Oase" das bisher parallel zur Höhle verlaufende Tal unterquert. Dies alles wird in einem lesenswerten Buch, das der Höhlenverein Blaubeuren herausgegeben hat, erläutert.

Die trockene, ungefährliche Bärentalhöhle ist auch ein beliebtes Ziel der von Petra Boldt geleiteten Höhlen-AG. Kinder zwischen 11 und 16 Jahren erforschen dabei die Höhle und lernen Geologie, Biologie, aber auch Technik vor Ort. "Die Bärentalhöhle ist für diese Zwecke super geeignet", sagt Petra Boldt. "Wir können viele verschiedene Themen darin erkunden."

Ein weiteres Projekt des Höhlenvereins im Schelklinger Gebiet ist die Sirgenstein-Doline an der Gemarkungsgrenze zu Blaubeuren. Es handelt sich dabei um ein gemeinsames Vorhaben mit der Museumsgesellschaft Schelklingen. Ursprünglich war angenommen worden, dass es dort Eiszeit-Funde geben könnte - der Verdacht habe sich bisher nicht bestätigt, sagt Projektleiter Arndt Karger. Eine Doline entsteht etwa, wenn eine Höhlendecke einstürzt und das darüber liegende Erdreich nachrutscht. Deshalb ist die Sirgenstein-Doline für die Forscher so interessant - sie könnte zu einer größeren Höhle oder gar zu einem Höhlensystem führen. Karger, der in Neu-Ulm ein Gymnasium besucht, schildert eine bis jetzt noch unbewiesenen Theorie, für die es aber starke Anhaltspunkte gibt: Demnach existieren drei Höhlensysteme in der Region - das Schmiechhöhlensystem mit der Bärentalhöhle, das Blauhöhlensystem mit der Vetterhöhle und das Aachhöhlensystem mit dem Sirgenstein. Vermutet wird, dass die Systeme eine Verbindung zueinander haben - dass die Bärentalhöhle also etwa weiter in Richtung Heroldstatt/Sontheim führt. Die Hoffnung der jungen Forscher um Karger ist es, mit der Sirgenstein-Doline den Zugang zu diesem weitverzweigten Höhlensystem zu finden. Bis zu sechs Meter tief haben die jungen Forscher mittlerweile gegraben - und haben tatsächlich im unteren Teil den Zugang zu einer Höhle freigelegt. Ein großes Problem an der Sirgenstein-Doline stellt das Wasser dar, pro Stunde laufen rund zwei Liter in die Grabungsstelle, schätzt Karger. Das ganze Wasser läuft aber dann spurlos ab - was die Höhlenforscher freut. "Das ist ein gutes Zeichen, dass wir auf ein größeres Höhlensystem stoßen können", sagt Karger. Das einströmende Wasser macht die Arbeiten aber auch schwierig. Mit Leitplanken aus dem Straßenbau haben die Forscher einen Verbau gefertigt, der die Grabungsstelle absichert.

In diesem, gerade begonnenen Jahr plant Karger nun, wieder weiter in die Tiefe zu graben, um neue Entdeckungen zu machen. Doch die Arbeiten gehen langsam voran. Weil jeder der jungen Forscher unter der Woche ausgelastet ist, wird nur am Samstag gegraben. Insgesamt fehlen dem Höhlenverein Blaubeuren Mitstreiter, die helfen, die vielen Projekte zu bewältigen. Wer mitmachen will, kann sich gerne beim Höhlenverein melden, sagen die Verantwortlichen.

Info "Die Bärentalhöhle und das Bärental im Naturschutzgebiet Oberes Schmiechtal" heißt das Buch des Höhlenvereins Blaubeuren, in dem mit vielen Fotos und Texten die Höhle und ihre Entstehung geschildert wird. Es ist für 8 Euro beim Höhlenverein zu erhalten. Weitere Infos beim Höhlenverein Blaubeuren, E-Mail: info@hv-blaubeuren.de oder beim Vorsitzenden Markus Boldt in Schmiechen, Telefon: (07394) 1566 oder Telefon: (0157) 71957214

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