Der Besucherandrang zur Vernissage mit Werken von HAP (Helmut Andreas Paul) Grieshaber war enorm. Vor allem Menschen, die das Leben und Werk des 1981 auf der Achalm verstorbenen Künstlers als junge Erwachsene noch miterlebten, interessierten sich für den sperrigen Typen, der in den 60er Jahren dem Holzschnitt entscheidende Impulse gab. In Schloss Mochental sind im zweiten Stock Werke aus verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers, dessen Leben eng mit Reutlingen und der Achalm verbunden ist, ausgestellt. Ergänzt werden sie im Prälatenflügel mit Bildern einiger Schüler wie Horst Antes oder Walter Stöhrer.

Da der Vernissageredner Thomas Schaaf erkrankt war, trug Susanne Zuehlke im Hubertussaal dessen Rede vor. Man könne die unakademische Natur des HAP Grieshaber kunsthistorisch kaum einordnen, sagte Zuehlke. Mit seiner unorthodoxen Lebensweise auf der Achalm gab der knorrige Grieshaber genug Stoff für Legenden und Stories, die hinter dem Werk bisweilen zurückblieben. Versteckspiele, falsche Fährten und Eulenspiegeleien gehörten bei HAP Grieshaber zum Umgang mit seinen Mitmenschen dazu.

Nach der Schule in Nagold und Reutlingen studierte Grieshaber Gebrauchsgrafik und Buchdruck an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule. Zudem schloss er 1927 eine Schriftsetzerlehre mit der Gesellenprüfung ab. „Dass zum Text das Bild hinzutrat und dieses Bild im Hochdruck realisiert werden musste, um neben dem Handsatz der Buchseite gedruckt werden zu können, führte Grieshaber zur Xylografie, dem Hirnholzschnitt“, trug Zuehlke vor.

Berserkerhaft und lyrisch

In der Weiterentwicklung vertrat Grieshaber den freien Holzschnitt. Der Künstler experimentierte mit Werkzeugen, die der Haushalt und seine Umgebung hergaben. Anfangs war es ein selber gebasteltes Obstmesser. In dem Bild „Osterritt“ verwendete er einen ausrangierten Zahnbohrer und auch umfunktionierte Steintrennscheiben kamen zum Einsatz. Neben dem beinahe berserkerhaften Schneiden ging Grieshaber mit den Farben beinahe lyrisch um. Seine Farbholzschnitte von Landschaften und Paaren sind dezent koloriert. Die Maserung des Holzes sollte sichtbar bleiben. In der Ausstellung überzeugen vor allem die Engel in allen möglichen Posen und Zusammenhängen mit engelsgleicher Duftigkeit.

HAP Grieshaber druckte von allen möglichen Materialien. Kork, Holz und ganze Türen dienten als Druckstöcke, aber auch Leder, Dämmplatten und Eisen kamen ihm unter das Messer. Er selber beschrieb sein Arbeiten als dynamisch, aggressiv und oft gewaltsam. „Es ist eine angeborene Radikalität, die man auch sieht“, sagte Grieshaber. Die zeigte sich übrigens auch im Privatleben. Wenn er von einer Frau genug hatte, verjagte er sie vom Hof. Der Hof war in diesem Fall ein umgebautes Gartenhäuschen auf der Achalm, das mit HAP Grieshaber und seinen Tieren eher einem Zoo glich als einem Wohnhaus.

HAP Grieshaber mischte sich ein und griff etwa im „Wacholder­engel“ von 1973 auch Umweltthemen auf. Wer ihn jedoch politisch fassen wollte, dem erteilte der Künstler eine Abfuhr. „Ich halte nichts von engagierter Kunst“, sagte er. „Sie ist ein weißer Schimmel“. Susanne Zuehlke schloss ihre Rede mit einem weiteren Zitat. „Ich drücke nichts aus. Kunst ist keine Zahnpasta.“

Info Die Ausstellung ist noch bis 23. Juni im Schloss Mochental zu sehen.

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