Galerie Ausstellung mit Chris Duncan in der Galerie im Petrushof Obermarchtal

Die Ausstellung von Chris Duncan ist die letzte in der Galerie Petrushof Obermarchtal, die Maria Faulhammer-Wiedemann nach der Finissage am 30. September schließen wird.
Die Ausstellung von Chris Duncan ist die letzte in der Galerie Petrushof Obermarchtal, die Maria Faulhammer-Wiedemann nach der Finissage am 30. September schließen wird. © Foto: Maria Bloching
Obermarchtal / Maria Bloching 29.08.2018

Bereits zum zweiten Mal ist die Kunst des New Yorker Professors Chris Duncan in der Galerie im Petrushof zu sehen. Und auch wenn es Zufall ist, so schließt sich mit ihm doch der Kreis niveauvoller Ausstellungen, die Maria Faulhammer-Wiedemann hier in den vergangenen Jahren zugänglich gemacht hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Faulhammer eröffnete sie 2002 die Galerie und feierte in Folge bis zu fünf Vernissagen pro Jahr. Damit war Schluss, als Wolfgang Faulhammer 2010 starb.

Symbolische Bedeutung

Der New Yorker Chris Duncan war es 2013, der Maria Faulhammer-Wiedemann mit seiner einzigartigen Kunst und Arbeitsweise zur Wiedereröffnung inspirierte. Unterstützt von einem Freundeskreis konnte die Kunst-
liebhaberin das große Anwesen erhalten und erneut vier bis fünf Ausstellungen pro Jahr durchführen. „Der Kontakt zu den Künstlern und zu den Ausstellungsbesuchern war für mich immer großartig“, resümiert die Galerie-Besitzerin und betont, dass sie aufgrund ihrer hohen Ansprüche immer nur niveauvollen Künstlern eine Plattform bot.

Chris Duncan war 2013 auch der erste Künstler in ihrer neu eröffneten Galerie, nun ist er der letzte, der dort seine Kunst zeigen kann. „Ich wusste bei meiner Anfrage an ihn noch nicht, dass ich meine Galerie schließen werde.“ So hat diese Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, für sie eine symbolische Bedeutung. „Ich beginne ein neues Leben ohne meine Galerie, aber nicht ohne Kunst. Kunst ist für mich Lebenshilfe.“ Deshalb will Maria Faulhammer-Wiedemann die ihr geschenkte Zeit nach dem Verkauf des Anwesens nutzen, um Museen und Galerien zu besuchen und sich an der ganzen Vielfalt der Kunst zu erfreuen. Bis dahin bietet sie die drei Räume der Galerie samt Bistroküche und Sanitäranlagen als Veranstaltungsort an, der gemietet werden kann.

Doch zunächst können hier die Kunstwerke von Chris Duncan bis Ende September bestaunt werden, in denen seine Faszination für Dada und den Surrealismus zum Ausdruck kommt. Zuvor stellte der New Yorker seine Arbeiten in Salem aus, die direkt vor Ort entstanden sind. Auch in Obermarchtal können Besucher ihm in den nächsten Tagen bis zur Vernissage noch beim Entstehungsprozess seiner Kunst über die Schultern schauen. Er ist ein „hard worker“, ein kreativer Schaffer, der viele abstrakte Ideen im Kopf hat, ohne dabei ein bestimmtes Bild vor Augen zu haben. Jedes Stück, so sagt er, geht viele Veränderungen durch, bis es fertig ist. Zu Hause in seinem Studio nimmt er eine Skulptur immer wieder zur Hand, um ihr den finalen Schliff zu geben, in Obermarchtal fehlt ihm aufgrund der anstehenden Ausstellung die Zeit dazu. Was vielleicht auch ganz gut ist, wie er findet.

Der interdisziplinäre Künstler verwendet Farbe, Wiederholung und Reflexion mit einer Vielzahl von Materialien und fügt alles zusammen. Seine Skulpturen bestechen durch das Wechselspiel zwischen dem Überwältigenden und dem Minimalen, sie sind ein ständiger Balanceakt von positiv und negativ, laut und ruhig, einsam und partizipativ. Und sie stellen Fragen in Bezug auf Wahrnehmung, Erfahrung und Transzendenz. Seinen Skulpturen liegen Zeichnungen und Malereien zugrunde. Er arbeitet mit Kohle, Tinte und Acrylfarben, hat nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie eine Zeichnung oder eine Skulptur aussehen wird. Während der Zusammensetzung der Bilder zu einer Skulptur findet ein Prozess statt, der ausschlaggebend für den Charakter des Werkes ist und den Künstler immer wieder selbst überrascht. Duncan schichtet Elemente und will diesen ein Gefühl von festgehaltener oder eingeschlossener Energie verleihen. Die Oberflächen sind expressiv, Ordnung und Unordnung unterliegen einer gewissen Spannung und die Struktur vermittelt den Eindruck, als könnte sie jederzeit außer Kontrolle geraten. Seine Skulpturen sind ein Balanceakt zwischen Unverarbeitetem und Verarbeitetem, sie bestehen aus Einzelteilen und ergeben eine Summe.

Metaphern für das Leben

Für den Künstler selbst liegt der visuelle und physikalische Sinn seiner Arbeiten darin, eine ganze Erfahrung von ästhetischen Vorstellungen und internalisierten Normen wiederzugeben. Zwischen dem Einhalten dieser Normen und ihrem Durchbrechen wiederholt Chris Duncan das, was im alltäglichen Leben passiert. So sieht er in seiner Kunst Metaphern für das Leben, die einen Raum eröffnen, der die Suche nach Form und Ausdruck zeigt, so wie der Mensch frei und begrenzt zugleich ist.

Info Die Ausstellung wird am Sonntag, 2. September, um 11 Uhr eröffnet und ist bis 30. September zusehen.

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