Auf den heutigen Tag der erneuerbaren Energien blickt Dr. Michael Rettenberger aus Ehingen in einer für ihn neuen Mischung aus Zorn und Enttäuschung. Denn das Blockheizkraftwerk (BHKW), mit dem er vor knapp elf Jahren sein damaliges Haus ausgestattet hatte, steht heute still – abgeklemmt nach einer Auseinandersetzung mit den Behörden, von denen Rettenberger sich und die Energiewende ausgebremst sieht.

Rettenberger, einst Ortsvorsitzender der Grünen in Ehingen und für diese auch einmal im Gemeinderat, hatte 2006 ein Raps­öl-BHKW in Verbindung mit Wärmekollektoren installiert. Die Anlage mit einer Leistung von 7,5 kw elektrisch und 16 km thermisch versorgte nicht nur seinen Vier-Personen-Haushalt mit Energie, sondern konnte auch noch Strom ins Netz einspeisen.

Keine Feuerstätte mehr im Haus

Zur relativen Unabhängigkeit – Rettenberger brauchte damals etwa 2000 Leiter Rapsöl im Jahr – und zum finanziellen Anreiz von 70 Euro im Monat für den eingespeisten Strom kam für den selbstständigen Chemiker ein aus persönlichen Gründen ganz wichtiger Aspekt dazu: Er hatte keine Feuerstätte mehr im Haus und war damit nach der Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) auch unabhängig von einem Kaminfeger. Die sind im Haus Rettenberger nicht gut angesehen, nachdem schon Vater Wilhelm Rettenberger sich bis zur Dienstaufsicht im Landratsamt über diverse Abrechnungen beschwert hatte und auch ein Prozess vor dem Verwaltungsgericht erfolglos geblieben war.

Dann ist die KÜO vier bis fünf Jahre später verschärft worden mit dem Ergebnis, dass alles, was vorher keine Feuerstätte war wie Gaswärmepumpen oder Brennstoffzellen und eben auch ein BHKW, nun alle fünf Jahre einer Feuerstättenschau zu unterziehen war. „Alle innovativen, alternativen Wärmeerzeuger hat sich die Ruß-Lobby unter den Nagel gerissen, um sie auszubremsen“, schimpft Rettenberger über das neue Schornsteinfegerrecht, sah damals aber für sich selbst keine Gefahr: „Ich hatte ja eine Bestandsanlage“, dachte er mit Blick auf Rechtsstaat, Vertrauensschutz und Investitionssicherheit.

Dann stand vor ein paar Jahren plötzlich ein Ehinger Schornsteinfeger vor der Tür und wollte das BHKW begutachten. Rettenberger wehrte sich bis hinauf zu Landrat Heinz Seiffert – ohne Erfolg: Sein Klein-BHKW sei jetzt eine Feuerstätte, Übergangsregelungen oder Ausnahmen sehe die Verordnung nicht vor und er habe deshalb dem „bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger“ den Zutritt zu gewähren, zitiert Rettenberger aus Schreiben des Landratsamtes. Gleichwohl war dann zwei Jahre Ruhe bis zum Dienstantritt einer neuen Sachbearbeiterin, wie er vermutet. Im Herbst wurde der Streit neu entfacht und gipfelte in der Androhung, dass eine für November angeordnete Feuerstättenschau notfalls unter Zwang durchgeführt werde.

Zuleitung abgebaut

So weit ist es dann nicht gekommen, weil Rettenberger, der mit seiner Familie inzwischen umgezogen ist, auf seine Art reagiert hat: Er hat die Anlage abgestellt, die Rapsöl-Zuleitung abgebaut. Und die Ehinger Energie hat inzwischen auch den Zweirichtungszähler für die Stromeinspeisung entfernt. „Der Preis, den ich zahle, ist verdammt hoch“, sagt Rettenberger, der nun ein leerstehendes Haus ohne Heizung hat, aber sein Wunsch nach Freiheit vom Kaminfeger und sein Zorn auf die Bürokratie sind noch größer. „Ich war immer unabhängig und bin auch als Unternehmer unabhängig geblieben“, sagt Rettenberger, der in dem „unbedingten Willen, alles bis ins kleinste Detail kontrollieren und regeln zu wollen“, eine Innovations- und Investitionsbremse erster Güte sieht.

Heute ist der Tag der erneuerbaren Energien


Initiative Heute findet der 22. Tag der erneuerbaren Energien statt. Er ist Ausdruck einer deutschlandweiten Initiative zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, die Anlagenbetreibern, Bürgerinitiativen, Kommunen, Unternehmen und Lokale-Agenda-Gruppen die Möglichkeit gibt, ihre Ansätze zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung vorzustellen.