Ehingen Aus Gewerberäumen sollen Wohnungen werden

Investor Jan Hildebrand will am Sternplatz in Ehingen Gewerberäume in Wohnungen umwandeln. Seine Pläne stoßen bei Nachbarn nicht auf ungeteilte Zustimmung.
Investor Jan Hildebrand will am Sternplatz in Ehingen Gewerberäume in Wohnungen umwandeln. Seine Pläne stoßen bei Nachbarn nicht auf ungeteilte Zustimmung. © Foto: Bernhard Raidt
Ehingen / Bernhard Raidt, Stefan Bentele 10.09.2018
Jan Hildebrand will am Sternplatz Gewerberäume zu Wohnungen umgestalten. Doch es scheitert derzeit an der Umwidmung.

Mit großen, grell-orangen Plakaten sind derzeit die Fenster des ehemaligen Flurneuordnungsamts und einer ehemaligen Praxis am Ehinger Sternplatz verhängt. „Leerstand.wtf“ ist darauf zu lesen. Das weist zum einen auf eine Internetseite hin. Gleichzeitig steht das „wtf“ für einen im Internet üblichen Slang, der grob mit „Was zur Hölle“ übersetzt werden könnte. Die Plakate waren am Wochenende auch Gespräch unter den Besuchern der Ehinger Kirbe. Passanten rätselten über die Leerstände am Sternplatz.

Hinter der Aktion steckt Jan Hildebrand. Er hat im Dezember 2015 die ehemaligen Amts- und Praxisräume gekauft. Zuvor hatten die Räume seit Dezember 2011 leer gestanden, schreibt der 40-Jährige auf seiner Webseite. Die 2200 Quadratmeter Gewerberaum wollte der Investor zu Wohnungen umbauen, kündigte er damals an. Die Wohnungen sollten bereits im Jahr darauf auf den Markt kommen. „Die Nachfrage war und ist riesig“, sagt er. „Sogar bis jetzt warten Leute, die sich damals gemeldet haben.“

Nicht nur Zustimmung

Hildebrand entwickelte eigenen Angaben zufolge mit seiner Ehinger Baufirma Pläne für den Umbau und begann teilweise schon mit den Arbeiten. Der Besprechungsraum seines Büros am Sternplatz hängt voll mit den Planzeichnungen, die die künftigen Wohnungen zeigen sollen. Auch Balkone sollen dafür angebaut werden. Ganze Stockwerke der ehemaligen Behörde seien bereits entkernt und für den Wohnungsbau vorbereitet. 28 Wohnungen – je nach Zuschnitt auch etwas weniger – sollen entstehen, mitten in Ehingen. „Hochwertig, dennoch bezahlbar, barrierefrei, energieeffizient und im Bestand gebaut, dadurch mehr als nachhaltig“ – so redet Hildebrand über seinen möglichen neuen Wohnraum. Bei den meisten Nachbarn seien die Pläne auf Zuspruch gestoßen, sagt er, schließlich sei Wohnraum im Zentrum von Ehingen mehr als knapp, und langer Leerstand tue einem Gebäude nicht gut.

Doch die Pläne stießen auf ein Hindernis, das Hildebrand, wie er heute sagt, nicht vorhergesehen hatte. Die von ihm gekauften Räumlichkeiten sind Teil einer großen Wohnungseigentümergemeinschaft, zu der Besitzer von Immobilien am Ehinger Sternplatz zusammengeschlossen  sind. Von 42 Eigentümern, sagt Hildebrand, hätten sich drei gegen eine Nutzung der ehemaligen Amts- und Praxisräume als Wohnungen ausgesprochen. Das reiche, um die Nutzung als Wohnungen zu unterbinden. Er könne die Räume zwar umbauen, sie seien sein Eigentum – nur als Wohnungen dürften sie derzeit nicht genutzt werden.

Hintergrund ist das Wohnungseigentumsgesetz. Weil die Räumlichkeiten als Gewerberäume deklariert sind, ist zwar der Umbau zu Wohnungen erlaubt, die Nutzung der Räumlichkeiten als solche aber nicht ohne eine so genannte Umnutzung. Dafür wiederum benötigt Hildebrand die Zustimmung aller Miteigentümer. Nach Hildebrands Angaben haben drei Eigentümer bislang nicht zugestimmt.

Gewerbe ja, Wohnraum nein

Die SÜDWEST PRESSE hat mit den drei Betroffenen gesprochen, keiner wollte dazu mit Namen Stellung nehmen. Einer beruft sich auf die Rechtslage, sagt, dass die Nutzung für Gewerbe in den Räumen ja erlaubt sei, nur eben die Nutzung als Wohnraum damit nicht.

Ein weiterer Betroffener verweist darauf, dass Hildebrand in der Vergangenheit für die Räumlichkeiten verschiedene Pläne verfolgt habe. Es brauche einfach mal eine klare Ansage, was nun genau entstehen soll. Auch die dritte Betroffene sieht das so, Hildebrand habe ihr gegenüber bisher nicht klar gesagt, was er eigentlich wolle. Sie sei aber offen für Gespräche, man müsse sich halt mal zusammensetzen.

Hildebrand selbst ist überzeugt, dass der Bau von Wohnungen das Beste wäre – für die Ehinger Innenstadt, aber auch für den Sternplatz. Den würde er wieder auf Vordermann bringen, wenn das mit den Wohnungen klappen würde, sagt Hildebrand – die Grünanlagen würden hergerichtet, der Brunnen zum Laufen gebracht und das Pflaster gerichtet. Auch in die Tiefgarage würde er investieren, Bedingung sei eben, dass die Wohnungen genehmigt werden.

Hildebrand sagt, er werde jetzt rechtliche Schritte vornehmen, um die Wohnungen genehmigt zu bekommen. Details nannte er nicht. Er habe es mit der gewerblichen Nutzung versucht, aber für die großen Büro- und Praxisflächen gebe es in Ehingen keine Nutzer.

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