Untermarchtal AUS DEN KIRCHENGEMEINDEN

Wolfgang Schwaigert, Syrien-Experte, mahnt die Politik zu einem direkteren Handeln. Foto: Bildungshaus
Wolfgang Schwaigert, Syrien-Experte, mahnt die Politik zu einem direkteren Handeln. Foto: Bildungshaus
SWP 10.04.2014

Gut besuchter Vortrag

Der siebte Vortrag der Reihe der Glaubenszeugen mit Prof. Wolfgang Schwaigert, dem Syrien-Experten und Berater der evangelischen Landeskirche für Fragen des Nahen Ostens, war im Bildungshaus des Klosters Untermarchtal sehr gut besucht. Er habe mehr als nur zum Nachdenken angeregt, berichtet Schwester Marzella. Dabei beleuchtete er auf bewegende Weise das Schicksal der Christen in einem der ältesten christlichen Länder. Seit drei Jahren ist Krieg in Syrien, der das ganze Land zerstört und im Chaos versinken lässt. Die Uno geht von über 140 000 Todesopfern und über neun Millionen Flüchtlingen oder Vertriebenen in Syrien und den Nachbarländern aus. Es sind über zwei Millionen Häuser und Unterkünfte zerstört worden. Zwei Millionen Familien sind ohne Dach über dem Kopf. Die Menschen sind verloren und haben keine Unterstützung. "Das sind Zahlen und Daten aus einem Krieg, der sich gegen die Christen dort und gegen das Christentum weltweit richtet", sagte Schwaigert. Er berichtete von den katastrophalen Zuständen in Syrien, sprach von einem Pulverfass, das vor allem für Christen bedenklich ist: "Die Verlierer bei diesem ganzen Konflikt sind gegenwärtig die Christen. Die Gefangennahme von Christen vermittelt die Botschaft: Geht, wenn ihr noch gehen könnt." Als Experte für Syrien, den Islam und die Kirchen im Orient ist Schwaigert auch Initiator der ökumenischen Partnerschaft zwischen dem evangelischen Dekanat Blaubeuren und der syrisch-orthodoxen Erzdiözese Djazire und Euphra. Eine Reise führte ihn im Februar 2011, während des arabischen Frühlings in Ägypten, zu den frühen christlichen Stätten in Syrien. "Von all diesen Kulturgütern gibt es nichts mehr. Im Orient werden unsere Wurzeln gezogen. Das Christentum wird dort systematisch vernichtet und wir schauen zu", sagte Schwaigert. Es müsse endlich ins Bewusstsein rücken, dass die Radikalität dieses Vorgehens gehen die Christen ein sehr bedenkliches Ausmaß angenommen habe, das einem Freifahrschein gleichkommt. Jedoch sei nicht der Islam für die Ausrottung der Christen verantwortlich, es handele sich vielmehr um Splittergruppen, Terroristen und Radikale, die auch unser Islambild bestimmen würden. Schwaigert verurteilte dabei das Vorgehen der Politik, das vorsichtige Taktieren und vor allem "dieses aus der Ferne regeln wollen".