Rißtissen / SWP Andreas Brender schildert in der Reihe „Christsein bewegt“ das Leben der geflüchteten Rohingyas im Flüchtlingslager.

Es ist eine „vergessene Katastrophe“: Rund 900.000 Rohingyas sind 2017 aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch vertrieben worden. Von einem Besuch im August 2018 vor Ort in einem riesigen Flüchtlingslager berichtete Andreas Brender von Caritas International am Sonntag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Christsein bewegt“ der katholischen Seelsorgeeinheit Donau-Riß und der evangelischen Kirchengemeinde Ersingen im Gemeindehaus „Arche“ in Rißtissen, wie Wolfgang Reitmayer mitteilt.

Die Flüchtlingskatastrophe des Volksstamms der Rohingya in Bangladesch ist immer noch tagesaktuell, aber nicht mehr in den Medien, sagte Andreas Brender. Die Rohingya, die überwiegend muslimischen Glaubens sind, wurden durch das Militär in Myanmar unterdrückt, und im Jahr 2017 sind nach Angaben des Referenten rund 900.000 Menschen in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Dort leben zurzeit 714.000 Flüchtlinge in einem der größten Flüchtlingslager der Welt. Das Lager ist 14 Quadratkilometer groß. Und es wächst weiter. Brender verwies zum Vergleich dazu auf Frankfurt am Main: Dort leben 732.000 Einwohner auf 246 Quadratkilometern Fläche.

Anhand von mitgebrachten Fotos konnten sich die rund 40 Besucher eine Vorstellung von einem Flüchtlingscamp machen, das einer Großstadt entspricht und in Zonen und Camps eingeteilt ist. Allerdings ohne Infrastruktur. Die Flüchtlinge hätten sich dort auf Flächen und Ackerland von Bauern niedergelassen, denen durch die Siedlung der Flüchtlinge auch die Lebensgrundlage weggenommen worden sei, schilderte der Referent eindrücklich. Hier unterstützten viele Hilfsorganisationen, unabhängig von der Zugehörigkeit der Religion. Nach Aussage von Brender hat Caritas International bisher 429.000 Menschen in dem Lager mit Nahrungsmitteln, Kochutensilien, Hygieneartikeln, warmer Kleidung und Decken unterstützt. Caritas International will bis zu 4000 Bambushütten bauen und hat 938 Solarlampen installiert, damit auch bei Nacht das Lager erleuchtet ist.

Menschenhändler unterwegs

Insbesondere bei Dunkelheit sei das Leben gefährlich. In dieser Zeit seien auch Menschenhändler unterwegs. Rund 55 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder. Sie dürfen nicht zur Schule und sind somit auch leichte „Beute“ für die Menschenhändler. Im Rahmen des Projekts „Cash for work“ werden die Flüchtlinge in den Aufbau und Unterhalt des Flüchtlingslagers mit eingebunden. Hierfür erhalten sie einen ortsüblichen Lohn in Höhe von 3,50 Dollar am Tag. Diese Arbeit gibt den Flüchtlingen ein Selbstwertgefühl, sagte Andreas Brender, da die Menschen in dem Lager sonst keine Arbeit haben.

Der Referent geht davon aus, dass Caritas International auch noch in zehn Jahren vor Ort tätig sein wird. Nur mit Spenden könne diese Arbeit fortgeführt werden, appellierte er.

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