Ehingen / CHRISTINA KIRSCH  Uhr
Die Franz-von-Sales-Jungenrealschule stellt sich am Tag der Offenen Türe vor. Viele Eltern und Schüler zeigen Interesse.

Da spitzten die Eltern im Publikum die Ohren. „Jeder Junge bekommt am Anfang einen Schrank für seine Schulsachen“, erläuterte Konrektor Jürgen Wicker in seinem informativen Vortrag am Tag der offenen Türe an der Franz-von-Sales-Jungenrealschule. Anfangs ist der Schrank offen. „Die Türe müssen sie sich verdienen“, sagte der Pädagoge. „Wenn sie zeigen, dass sie Ordnung halten können, bekommen sie auch die Schranktüre.“

Jungen zu erziehen sei keine leichte Aufgabe. Das wüssten Eltern ebenso wie die Lehrer an der reinen Jungenschule. „28 Jungs fühlen sich an wie 50 Schüler“, sagte der Konrektor bei seinem Vortrag – und erntete keinen Widerspruch. Jürgen Wicker hat Erfahrung mit gemischten und mit reinen Jungenklassen. Er ging auf die speziellen Bedürfnisse von Jungen ein, die ihr eigenes Lerntempo hätten „und erst ab Klasse 10 in Sachen Lerntempo mit den Mädchen mithalten können“. In Sport, Technik und Mathematik lägen sie oft vorne, während sie für Deutsch und Englisch weniger zu begeistern seien.

Freie Stillarbeit, bewegte Pause

Mit unterschiedlichen Angeboten und einem strukturierten Tagesablauf nach dem Marchtaler Plan (siehe Info) kommt man an der konfessionellen Schule den Kindern entgegen. „Jede Zeit hat ihre eigene Qualität“, sagte Wicker. Die freie Stillarbeit fordere die Jungen anders als der vernetzte Unterricht. Die bewegte Pause komme dem Bewegungsdrang entgegen, in der Mittagszeit kön­nten die Schüler im Raum der Stille „auch mal die Augen zu machen“.

Die Schule hat keine Klingelzeichen „und somit auch kein Countdown-Zählen zum Schulstundenende“, sagte Jürgen Wicker. Morgengebet und Tischgebet sind feste Bestandteile des Schulalltags.

Zum Tag der offenen Türe präsentierten die Jungen Arbeitsergebnisse, darunter Modelle des alten Rom, Windkraftanlagen und eine Raumstation. Zwar hatte das Modell der ISS schon etwas gelitten und auch die Planeten zeigten gewisse Abnutzungserscheinungen, aber man merkte den Schülern die Identifikation mit und Freude an ihren ausgestellten Arbeiten doch deutlich an.

In einem Klassenzimmer konnte man an einem Ernährungsquiz teilnehmen; die Französisch­-Gruppe übte sich im Backen von Crêpes. Die ersten Versuche mit Mehlklumpen im Teig dienten dem eigenen Verzehr. Noch ganz neu waren die blauen Sweatshirts, die die Schulzugehörigkeit zeigten und von fast allen Schülern getragen wurden.

Bereitwillig gaben die Jungs Auskunft, was ihnen an der Schule gefällt und was sie eher ertragen. „Dass wir Gelegenheit haben, unsere Hausaufgaben schon in der Schule zu erledigen“, gefiel dem Siebtklässler Jonas Ried. Leon Schänzle fand gut, „dass wir in der Pause viele Möglichkeiten haben“.

Bilingualer vernetzter Unterricht, in dem man die Bundesstaaten der Vereinigten Staaten benennen und Flüsse einzeichnen musste, gehörte offensichtlich nicht zu den Lieblingsfächern pubertierender Schüler. Aber Mathematik sei einfach toll, sagten einige Achtklässler.

Die Franz-von-Sales-Realschule hat jedes Jahr mehr Bewerber als Plätze. Deshalb fragten die Eltern nach Aufnahmekriterien. Sicher aufgenommen werden Geschwister- und Internatskinder. Ansonsten suche er für eine neue 5. Klasse eine „gute Mischung“, sagte Jürgen Wicker. Eine zu phlegmatische Klasse sei ebenso wenig das Ziel wie eine zu lebendige Klasse. Die Aufnahmegespräche laufen seit einer Woche.

Marchtaler Plan

Konzept Die Grundlage der pädagogischen Arbeit an der Franz-von-Sales-Jungenrealschule in Ehingen ist die Gleiche wie die der Mädchenrealschule in Obermarchtal und folgt dem Marchtaler Plan. Dieser sieht unter anderem Elemente wie Morgenkreis, vernetzten Unterricht, freie Stillarbeit und Fachunterricht vor und unterstützt abwechslungsreiches Lernen, wie auf der Homepage der Schule im Internet zu lesen ist. Ziel ist, Schüler zu einem anschlussfähigen Realschulabschluss zu führen.