Raiffeisenbank Auf der Suche nach dem richtigen Mix

Zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2017 (von links): Fritz Lehmann, Martin Traub und Klaus Hofmann.
Zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2017 (von links): Fritz Lehmann, Martin Traub und Klaus Hofmann. © Foto: Andreas Hacker
Ehingen / Andreas Hacker 05.06.2018

Für Fritz Lehmann war es gestern das letzte Mal, dass er im Kreis seiner Vorstandskollegen Klaus Hofmann und Martin Traub in einem Pressegespräch die Zahlen eines Geschäftsjahres vorgestellt und erläutert hat. Denn der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß wird zum Jahresende in Ruhestand gehen und es war dem 64-Jährigen gestern eine Freude, dass er in einer Woche bei der Generalversammlung am 13. Juni in der Lindenhalle auf ein ganz ordentliches Geschäftsjahr 2017 zurückblicken kann.

Lehmanns Botschaft gestern war: Die Raiba ist auf einem nicht ganz einfachen Weg ganz gut unterwegs. „Wir haben die Situation im Griff, müssen aber noch einiges tun, um die Bank langfristig zu sichern.“ Das Problem ist bekannt, der anhaltende Niedrigzins, doch es verschärft sich jetzt von Jahr zu Jahr. „Die niedrigen Zinsen fressen sich in die Bilanzen“, sagt Klaus Hofmann, und Martin Traub zeigt auf, dass inzwischen auch jene Verträge auslaufen, die die Bank in den Krisenjahren nach 2008 mit damals noch 4,5 Prozent für zehnjährige Geldanlagen noch ganz gut  hatte abschließen können. In den Bilanzen der Raiba sinkt dementsprechend der Zinsüberschuss, einst die zentrale Stellgröße für den Gewinn, ein weiteres Mal von 12,693 auf jetzt noch 12,088 Millionen Euro.Und das bei weiter steigender Bilanzsumme von jetzt 613,27 Millionen Euro. Das ist ein Plus von mehr als 33 Millionen Euro oder um 5,8 Prozent.

„Wir kämpfen an allen Fronten um zusätzliche Erträge“, sagt Klaus Hofmann und nennt als Beispiel das Immobiliengeschäft, das auch bei der Raiba an Bedeutung gewinnt. Vor fünf Jahren hat die Bank ein erstes kleineres Fachmarktzentrum erworben, im Geschäftsjahr 2017 ein zweites. In der Bilanz findet sich das unter „sonstige Erträge“: Die steigen von 610 000 Euro auf jetzt 810 427 Euro. Doch weil alle Banken unter dem Niedrig- oder gar Nullzins leiden und sich nach alternativen Ertragsquellen umschauen, verlangt die Bankenaufsicht aus Angst vor einer möglichen Blase für ein Engagement in Immobilien ein Vielfaches an Eigenkapital an Sicherheit. Die Raiba will deshalb nur wohlüberlegt tätig werden, wie Lehmann sagt und als Leitlinie ausgibt: Alle Rücklagen sind gut dotiert, alle Risiken abgedeckt.

Dass es für 2017 trotz des weiter sinkenden Zinsüberschusses zu einem ordentliches Ergebnis reicht, so dass der Generalversammlung in einer Woche eine Dividende von wieder 4,0 Prozent vorgeschlagen werden soll, liegt auch am Zuwachs bei den Provisionen. Die tragen, bereinigt um die Aufwendungen, mit 3,6 Millionen Euro zu den Einnahmen bei. „Die Leute werden offener fürs Anlagegeschäft“, beschreibt Klaus Hofmann die Entwicklung. Das zeigt sich auch in der starken Zunahme beim betreuten Kundenvolumen sowohl bei Anlagen im eigenen Bereich der Bank (von 679,26 auf 722,56 Millionen Euro) als auch im Bereich des genossenschaftlichen Verbunds (von 1,226 auf 1,281 Milliarden Euro).

„Der Mix muss stimmen“, sagt Martin Traub zu den Planungen der Bank: alternative Erträge finden, das Provisonsgeschäft ausbauen und die Kosten senken. Bei letzterem sieht sich die Raiba gut unterwegs; die Schließung von sechs kleinen Zweig- und einer Zahlstelle sei gut über die Bühne gegangen; die Gespräche über den Verkauf der Gebäude in Lauterach und Donaurieden laufen. Gerechnet in Vollzeitstellen ist die Zahl der Mitarbeiter um 2 auf jetzt 97 gesunken. Die Zahl der Mitglieder steigt und liegt inzwischen schon über der Marke von 11 000; noch in diesem Jahr will die Bank ihre Mitglieder Nummer 11110, 11111 und 11112 feiern. 

Raiffeisenbank: Ergebnisse in Zahlen

Statistik  Bilanzsumme 613,27 Millionen Euro (Vorjahr 579,69), Einlagen 434,39 Millionen Euro (Vorjahr 408,18), Kundenkredite 407,8 Millionen Euro (Vorjahr 389,35), davon gewerbliche Kredite 226,92 Millionen Euro und Wohnungsbau 152,39 Millionen Euro, Zinsüberschuss 12,09 Millionen Euro (Vorjahr 12,69), Bilanzgewinn 871 000 Euro (Vorjahr 864 000 Euro), Eigenkapital laut Bilanz 54,94 Millionen Euro (Vorjahr 48,63), Mitglieder 10 943 (Vorjahr 10 751), Geschäftsanteile 29 710 (Vorjahr 29 529), Konten 47 392 (Vorjahr 47 745), Mitarbeiter (umgerechnet in Vollzeit) 97 (Vorjahr 99), Geschäftsstellen mit Hauptstelle 12 (19), Geldautomaten 12 (12).

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel