Urteil 1,8 Millionen Euro verzockt - drei Jahre Haft

Verzockt hat sich ein Finanzberater aus Schelklingen - und muss drei Jahre in Haft.
Verzockt hat sich ein Finanzberater aus Schelklingen - und muss drei Jahre in Haft. © Foto: SWP Archiv
Ulm/Schelklingen / Pia Reiser 17.05.2018
Ein Finanzberater aus Schelklingen muss drei Jahre ins Gefängnis. Er hatte das Geld von Bekannten mit riskanten Anlagen verloren.

Wegen Betrugs in 15 Fällen, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung hat das Landgericht Ulm einen ehemaligen Finanzberater aus Schelklingen zu drei Jahren Haft verurteilt. Er hatte über Jahre hinweg seine Kunden um insgesamt 1,8 Millionen Euro betrogen, indem er das Geld risikoreich anlegte und es verlor.

Der Mann war lange als Privatkundenberater angestellt und betreute viele Kunden, die ihm schließlich auch in die Selbstständigkeit folgten. Er gaukelte ihnen nach Ansicht des Gerichts vor, ihr Vermögen konservativ, sicher und risikoarm anzulegen.

Mann hatte Suizidgedanken

Doch er behandelte das Geld nicht wie versprochen, sondern legte es risikoreich an. „Er war immer auf der Jagd nach dem großen Gewinn“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Fischer in der Urteilsbegründung. Doch der Angeklagte strich den Gewinn nie ein, verlor das Geld.

Als sein Vermögen aufgebraucht war, bat er Bekannte und Verwandte um Geld, versprach eine hohe Rendite und verlor immer mehr. Eng wurde es für den Finanzberater, als Kunden das Geld aus ihrem Darlehen zurückforderten. Weil der Angeklagte nichts auszahlen konnte, löste er das Aktiendepot eines anderen Kunden ohne dessen Einverständnis auf und wollte sich das Geld auf sein privates Konto überweisen lassen. Dies machte die Aktienbank jedoch stutzig – der Fall flog auf. Der Angeklagte verfasste eine Abschiedsmail und ging mit Suizidgedanken in den Wald, wo die Polizei ihn letztlich fand.

In seiner Urteilsbegründung rechnete das Gericht dem Mann unter anderem positiv an, dass er ein „möglichst frühes“ und „außergewöhnliches“ Geständnis abgelegt hatte. Der Angeklagte hatte sich selbst angezeigt und den Ermittlern alle Unterlagen sortiert vorgelegt, womit das Verfahren nach Ansicht der Richter sehr beschleunigt wurde. Außerdem sei der Mann, der inzwischen in Stuttgart lebt, um Schadenswiedergutmachung bemüht und habe inzwischen sogar wieder eine neue Arbeit gefunden.

Gegen den Angeklagten sprechen nach Ansicht des Gerichts die Höhe des Schadens, der sich auf 1,8 Millionen Euro beläuft, der lange Tatzeitraum und die erheblichen Vertrauensbrüche, die der Angeklagte gegenüber seinen Kunden begangen hat. Diese träfen manchmal sogar stärker als der finanzielle Schaden. „Das waren Leute, die er seit 20 Jahren kennt, die ihm tatsächlich blind vertrauten“, betonte Richter Fischer. Außerdem schrieb das Gericht ihm eine gewisse kriminelle Energie zu, weil er etwa Mails fälschte, um seine Kunden zu täuschen.

Mit den drei Jahren Gesamt­strafe sei das Gericht dem Angeklagten sehr weit entgegengekommen, sagte Richter Fischer. Es wollte dem Mann die Möglichkeit einräumen, während seines Gefängnisaufenthalts als Freigänger weiter zu arbeiten – das ist aber nur bis zu einer Strafe von drei Jahren möglich. Ob dies klappt, hängt davon ab, in welcher Justizvollzugsanstalt der Mann nun seine Strafe verbüßt.

Außerdem muss der Angeklagte die rund 1,5 Millionen Euro, die er von der Betrugssumme noch nicht zurückgezahlt hat, ersetzen sowie rund 3100 Euro an die Aktienbank zahlen, bei der er das Depot aufgelöst hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor drei Jahre und fünf Monate Haft gefordert, Verteidigerin Margrete Haimayer eine Bewährungsstrafe. „Das ist ein Urteil, mit dem man leben wird können“, sagte sie nach der Urteilsverkündung.

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