Ehingen Auf den Spuren des Heimatschutzstils Führung: Bottenschein-Architektur im Fokus

Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 16.06.2014
Eine kleine Gruppe Interessierter ließ sich von Johannes Lang von der Museumsgesellschaft auf einen Architektur-Rundgang durch Ehingen mitnehmen. Es ging um die drei Architekten Bottenschein.

. In der Museumsgesellschaft erinnern sich viele Mitglieder an Zeiten, in denen Ehinger Häuser noch ganz anders dastanden oder überhaupt vorhanden waren. Deshalb stieß Johannes Lang bei den Teilnehmern eines architektonischen Spaziergangs auf großes Interesse, als er die Wohnhäuser vorstellte, die von Paul, Alois und Karl Bottenschein in Ehingen gebaut wurden. Der Rundgang begann am Doppelhaus der Heufelder Straße 1 und 3. Das Wohnhaus wurde 1929 von Karl Bottenschein für Johann Wagner und Karl Kistenfeger gebaut, einem Gipser- und Stuckateur-Geschäft. Die Zunft erkennt man an Gipserzeichen wie Zirkel, Kelle und Winkel, die über den Fenstern angebracht sind. Karl Bottenschein war der jüngste von drei Söhnen von Josef Bottenschein aus Griesingen. Karl (1889 - 1944) genoss eine Ausbildung an der Baugewerkschule in Stuttgart. Das Haus in der Heufelder Straße zeige einen expressionistischen Stil, bei dem der Architekt nicht die Natur habe nachahmen wollen, sondern in über wiegend geraden Linien selber etwas zum Ausdruck bringen wollte. Die spitzen Türmchen und gezackten Formen sind reiner Zierrat. Die Bewohnerin des Hauses lud die Gruppe ein, auch die Haustüre mit dem markanten Spitzbogen und den Fischgrad-Putz anzuschauen.

Der zweite Sohn Alois Bottenschein (1886 - 1953) begann seine Zimmerei beim heutigen städtischen Bauhof nach dem Ersten Weltkrieg. In den schlechten Wirtschaftsjahren muss er seinen Betrieb aufgeben, arbeitet zeitweise in Ulm, kehrt 1929 zurück nach Ehingen und gründet in der Heufelder Straße seinen Betrieb neu. Ein Schild erinnert noch an ihn.

Ein interessanter Bau, der von Paul Bottenschein (1884 - 1918) gebaut wurde ist das heutige Finanzamt, in dem früher das Wehrbezirkskommando untergebracht war. Der wuchtige Bau nahm an Giebelvorbauten und Erkern traditionelle Merkmale auf und ist dem Heimatschutzstil zuzuordnen. "Das Wehrbezirkskommando war Ausdruck des Militarismus von 1871 bis 1918", sagte Johannes Lang. Der 1884 geborene Paul durchlief als ältester Sohn eine Ausbildung vom Maurermeister, Werkmeister über den Baumeister zum Architekten. Das Haus in der Hehlestraße gegenüber des Finanzamtes habe Paul Bottenschein für sich gebaut, sagte Johannes Lang. Nebenan, wo heute der Hehlepark-Komplex steht, stand ein etwa baugleiches Haus, das 1982 abgerissen wurde. Das 1922 gebaute Haus in der Hehlestraße 11 hat Jugendstilfenster und symbolische Reliefs am Balkon.

Bei ihrem Spaziergang in die Winckelhoferstraße, Michel-Buck-Straße und Jahnstraße sahen die Spaziergänger Bottenschein-Häuser, in denen der praktische Nutzung der architektonischen Vielfalt übergeordnet war. In der Gymnasiumstraße Ecke Lindenstraße stieß die Gruppe auf das Wohnhaus der Bottenscheins, das 1928 im Bauhaus-Stil errichtet wurde. Dekorative Balkone gliedern das modular gerasterte Haus, in dem mit Glas, Beton und Eisenbeton auch neue Materialien verwendet wurden.

Johannes Lang wird seine Führungen im nächsten Jahr mit der Baumeisterfamilie Wiedemann in der unteren Stadt fortführen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel