Polizei Auch Pedelecs nur mit Helm

Alfons Pfaff beim Vortrag bei der Verkehrswacht: Das Radfahren mit Elektromotor muss man lernen.
Alfons Pfaff beim Vortrag bei der Verkehrswacht: Das Radfahren mit Elektromotor muss man lernen. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Renate Emmenlauer 09.04.2018
Die Unfälle mit Pedelecs und E-Bikes steigen sprunghaft an. Jeder zehnte getötete Radfahrer ist ein Nutzer eines Rades mit Elektroantrieb, acht von zehn Unfalltoten sind älter als 65 Jahre.

Für Alfons Pfaff als langjährigem Verkehrspolizisten mit Schwerpunkt auf Verkehrserziehung gibt die Zahl der Schwerverletzten oder tödlich Verunglückten durch Fahrräder mit Elektroantrieb zu denken. Weshalb er bei der Hauptversammlung der Verkehrswacht Ehingen am Freitag über die Risiken aufgeklärt hat: 2017 seien im Bereich der Polizeidirektion Ulm 86 teils schwere oder tödliche Unfälle durch Pedelecs oder E-Bikes registriert worden.

Was laut Alfons Pfaff damit zusammenhängt, dass immer mehr der elektrobetriebenen Modelle unterwegs sind. „Jedes fünfte Fahrrad im Straßenverkehr ist mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Aktuell sind das bundesweit 3,5 Millionen Stück.“ Zum anderen würden viele Radfahrer durch die Tretunterstützung und dem daraus resultierenden Schub die Geschwindigkeit oft unterschätzen. So kämen sie häufiger in brenzlige Situationen als normale Radfahrer.

„E-Radfahren muss man lernen“, sagte Pfaff, selbst langjähriger und begeisterter Nutzer. Bei Stürzen habe er schmerzlich erfahren müssen, dass den Vorteilen der E-Fahrräder auch Herausforderungen in der Handhabung gegenüberstehen. Wobei Alfons Pfaff bedauert, dass für Fahrräder mit Elektroantrieb bis zu 25 km/h keine Helmpflicht besteht. Die Gefahr werde nicht ernst genommen. „Während sechs- bis zehnjährige Kinder zu 80 Prozent einen Helm tragen, ist es ab dem Alter von 61 Jahren nur jeder Fünfte“, merkte er an. Wobei Kopfverletzungen durch den Helm nachweislich um 80 Prozent gemindert würden.

Laut Pfaff wissen viele potenzielle Käufer von E-Fahrrädern nicht, dass es Unterschiede gibt zwischen Pedelecs, die zulassungsfrei und ohne Altersbeschränkung sind und nur Geschwindigkeiten von bis 25 km/h erreichen dürfen und deshalb auch ohne Helm gefahren werden dürfen, und E-Bikes oder S-Pedelecs, die bis zu 45 km/h schaffen, ein Kennzeichen benötigen und auf denen man einen Helm tragen muss.

Mittelradmotor empfohlen

Nach den Ausführungen des Experten gebe es in der Technik mehrere Ausführungen. Pfaff selbst favorisiert den Mittelradmotor, da dieser gegenüber dem Vorder- und Hinterradmotor eine bessere Gewichtsverteilung aufweise und daher ungefährlicher sei. Alfons Pfaff warnte, das E-Fahrrad zu tunen. Dies lasse sich bis auf 50 km/h aufmotzen. Bereits die Hälfte aller Pedelec-Räder sei mit an- und absteckbaren Speedboxen getunt. „Das ist im öffentlichen Straßenverkehr verboten und hochgefährlich“, weiß der Ruheständler auch aus seiner Zeit als Polizist. Werde man kontrolliert, seien 70 Euro Bußgeld fällig, zudem zahle die Privathaftpflichtversicherung keinerlei Schäden, was einen finanziellen Ruin bedeuten könne.

Beim Alkohol gelte für Pedelecs bis 25 km/h die 1,6 Promille-Grenze, für E-Bikes und S-Pedelecs dieselbe wie beim Auto. Er riet den Verantwortlichen der Ehinger Verkehrswacht, künftig auch Sicherheitstrainings und Präventivkurse für E-Radfahrer anzubieten.