"Atomkraft? - Nein Danke!" Über Nacht war das Bettlaken bemalt worden. Nun flatterte es auf freiem Feld zwischen Ersingen und Öpfingen als Zeichen des Widerstandes gegen ein dort von der Energieversorgung Schwaben (EVS) geplantes Atomkraftwerk. Das war 1981. Angebracht hatte es die ein Jahr zuvor gegründete Bürgerinitiative Donau-Riß. An deren Gründung erinnerten am Sonntag Aktivisten von damals mit einem Begegnungs- und Informationstag auf dem Feld. Um die 100 Besucher kamen zum Zeltgottesdienst oder schauten im Lauf des Tages vorbei. BI-Mitgründer wie Erwin Schenk aus Ersingen und Hubert Dangelmaier aus Rißtissen erinnerten sich an die Gründung im "Gambrinus" in Rißtissen, Aktionen wie eine "Zeltstadt" auf dem Areal mit bärtigen Mitstreitern, ein "Umweltwochenende" am Ersinger Baggersee mit einer Rede des SPD-Politikers Erhard Eppler.

Auslöser der AKW-Pläne sei die Ölkrise Anfang der 70er Jahre gewesen, sagte Redner Raimund Kamm vom "Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik". Etwa 50 Atomkraftwerke habe die Bundesregierung gefordert, worauf landauf, landab willige Landesregierungen Standorte suchten. Nach Medienberichten war Erbach zwei Mal dabei: bei Ersingen/Öpfingen und an der Donau Richtung Ulm. Im Regionalplan 1987 des Verbands Donau-Iller sind die Standorte "als vorsorglich gesichert" bezeichnet, ebenso "Dietenheim/Balzheim" an der Iller und "Dettingen/Kirchdorf".

Was in Ersingen/Öpfingen habe verhindert werden können, sei 44 Kilometer entfernt in Gundremmingen Wirklichkeit, sagte Kamm. Die für ihn gefährlichste Anlage in Deutschland produziere täglich drei Mal so viel radioaktiven Müll wie insgesamt im undichten Versuchsendlager "Asse" lagern. Er schob eine beeindruckende Zahl hinterher. Das "unwiderruflich aufgemachte Fass" werde für 35 000 Generationen eine lebensbedrohende Gefahr sein. "Da läuft es einem kalt den Rücken herunter", sagte Mitorganisatorin Susanne Wucher. Der Schemmerhofer Oblaten-Pater Alfred Tönnis würdigte die Leistung, den "Gefahrenherd Ersingen/Öpfingen" verhindert zu haben. Damals hätten sich die Menschen nicht blindlings der Politik gebeugt.