Eine Arbeit oder zumindest eine Beschäftigung wünschen sich fast alle Asylbewerber, doch dies ist schwierig, wie ein Infoabend in Obermarchtal am Montag gezeigt hat. Der dortige Helferkreis hatte Anna Wüstefeld von der Arbeitsagentur Alb-Donau-Kreis eingeladen, um sich über die Voraussetzungen informieren zu lassen. Dabei zeigte sich, dass es sehr problematisch ist, Arbeit für die Männer aus Syrien, dem Irak oder den Balkan-Ländern zu finden. 35 Erwachsene und eine Familie mit drei Kindern leben derzeit in Obermarchtal. Sie haben keine Deutschkenntnisse, diese seien aber die wichtigste Voraussetzung, um auch nur eine Chance zu bekommen.

Auch Mitglieder des Arbeitskreises Migration aus Ehingen und weitere Interessierte waren im Dorfgemeinschaftshaus dabei, ebenso rund 16 Asylbewerber, die im ehemaligen Gasthaus Mohren leben. Sie hörten zwar aufmerksam zu, konnten jedoch nichts verstehen – der Kernpunkt der Problematik. Ein Asylbewerber vom Balkan mit ersten Deutsch-Kenntnissen versuchte zu übersetzen. Es fehlt laut Wüstefeld an Lehrern, die sowohl die deutsche wie auch die arabische Sprache beherrschen, und somit sei es sehr problematisch, hier voranzukommen. Weil sie nichts zu tun haben, nur in der Unterkunft herumhängen und keine Perspektive finden, sei der anfängliche Elan vorbei und es schwinde auch die Motivation, überhaupt noch die deutsche Sprache zu lernen, so war zu hören.

Wie Wüstefeld darlegte, sind sehr viele Fristen, Vorgaben, Gesetze und Zuständigkeiten zu beachten, wenn es auf Arbeitssuche geht. Grundsätzlich ist dies erst nach drei Monaten möglich. Die meisten der Flüchtlinge sind unter 25 Jahre alt, vor allem für sie gilt es eine Beschäftigung zu finden. Hierzu sei jedoch zunächst der Status ihres Asylverfahrens zu beachten, etwa ob sie eine Aufenthaltsgestattung, eine Niederlassungserlaubnis oder eine Erlaubnis auf Dauer haben. Finden sie einen willigen Arbeitgeber, stehen unter anderem eine Arbeitserlaubnisprüfung, eine Vorrangprüfung und die Beschäftigungsbedingungen an. „Alles sehr kompliziert“, räumte Wüstefeld ein. Bei Berufen mit Fachkräftemangel wie Metzger, Bäcker, im Sanitätshandwerk oder in der Altenpflege laufen die Verfahren rascher ab. Generell sind die Sprache, die berufliche Qualifikation, der gesundheitliche Zustand, die Mobilität und die Orientierung in der Region wichtige Voraussetzungen. Und stets müssen Arbeitgeber, Arbeitsagentur und Ausländerbehörde zustimmen. Jeder Arbeitsantrag muss in der Zentralstelle in Duisburg genehmigt werden, was in der Regel viel Zeit braucht. Kommt eine Beschäftigung zustande, muss der Mindestlohn bezahlt werden.

In einem Betrieb zu hospitieren, was nur der Information dient und keinesfalls Arbeit bedeuten darf, wurde von der Runde als ebenso sinnvoll erachtet wie ein Praktikum. Auch dieses muss erst genehmigt werden. Damit könnten die Asylbewerber die hiesige Arbeitswelt kennen lernen und sich ein Bild von den Anforderungen und Aufgaben machen.

Mit weniger Auflagen verknüpft ist es, eine Ausbildung zu beginnen. Sobald ein Betrieb gefunden ist, der den Asylbewerber einstellen will, läuft dies ohne große Bürokratie ab, für die Zeit der Ausbildung haben die Menschen zudem die Gewähr, in Deutschland bleiben zu dürfen. Als nützlich wird es erachtet, wenn die Arbeitgeber mit Informationen versorgt würden und sich nicht selbst mühsam im Bürokratiedschungel zurechtfinden müssten. Da verliere mancher die Lust, überhaupt die Mühen auf sich zu nehmen und einen Asylbewerber einzustellen. Ferner wäre ein Antragsformular in arabischer Sprache für Arbeitslosengeld II sinnvoll, lautete eine weitere Anregung. Aktuell gestalte sich dies sehr schwierig. Auf diese Weise ließen sich einige Hürden abbauen.

Die Asylbewerber dürfen gemeinnützig bei der Gemeinde und Vereinen arbeiten, erklärte Wüstefeld. Bei ehrenamtlichen Diensten in Sinne der Nachbarschaftshilfe, etwa Hecken schneiden oder Rasen mähen, sei dies problematisch vor allem wegen des Versicherungschutzes. „Das Ehrenamt ist eine große Grauzone“, gab Wüstefeld zu bedenken.

„Wir sollten hier die Menschen beschäftigen und damit Entwicklungshilfe leisten, damit sie Kenntnisse und Erfahrungen mitnehmen, wenn sie wieder in ihre Heimat zurückkehren“, appellierte Dr. Sabine Köberle vom Helferkreis Obermarchtal. „Die aktuelle Situation mit Untätigkeit und Isolation führt zur seelischen Verarmung und wir schulden diesen Menschen etwas mehr“, lautete ihr Appell. Theorie und Praxis liegen oft weit auseinander, gab Rainer Lingg vom Helferkreis in Ehingen nach vielen Jahren Erfahrung zu bedenken und berichtete von einer Familie, die nach 36 Monaten Aufenthalt in Deutschland erstmals angehört worden ist. „Die Asylbewerber selbst müssen Gas geben und intensiv die deutsche Sprache lernen, denn sie ist der Schlüssel für ihre Zukunft in unserem Land“, forderte Peter Bausenhart vom Arbeitskreis Asyl und Migration beim Landratsamt in Ulm. Nur dann wachsen die Chancen auf Arbeit und Ausbildung und damit auf eigenständiges Leben. Ansonsten würde Integration nur sehr schwer möglich.