Engagement Anna Schleicher macht etwas für Flüchtlinge

Hilft Flüchtlingen: Anna Schleicher aus Schelklingen.
Hilft Flüchtlingen: Anna Schleicher aus Schelklingen. © Foto: Raidt
Schelklingen / Bernhard Raidt 13.06.2018

Anna Schleicher macht was – und zwar etwas, das Menschen konkret hilft und ihre Heimatstadt gleichzeitig zu einem besseren Ort macht. Seit Oktober 2015 hilft sie Flüchtlingen. Vor allem Eritreern, von denen viele auf der Flucht vor einer Militärdiktatur in Schelklingen eine Zuflucht gefunden haben. Behördengänge, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Wohnungssuche – Schleicher hilft, wenn es ihr möglich ist. Mehrmals in der Woche klingelt bei ihr das Telefon und jemand benötigt Rat und Unterstützung. „Das ist auch normal, mir würde das in einem fremden Land genau so gehen“, sagt Schleicher. Wobei nicht immer nur Hilfe gefragt ist. „Man ruft auch an, um mal zu plaudern, wie das eben unter Bekannten der Fall ist“, sagt die 32-Jährige. Zustande kam ihre ehrenamtliche Arbeit eher zufällig – durch einen Besuch im Global Café, das der Helferkreis in Schelklingen regelmäßig organisiert, damit sich Einheimische und Flüchtlinge etwas besser kennenlernen.

Lebensgefahr in der Wüste

Anna Schleicher kam ins Gespräch – und erfuhr von den Eritreern Geschichten, die schwer vorstellbar sind. Von einem lebenslangen Militärdienst in ihrem Heimatland, dem sowohl Frauen als auch Männer unterliegen, etwa. Von einer lebensgefährlichen Flucht durch die Wüste im Sudan und den katastrophalen Zuständen in Libyen, wo Geflüchtete teils als Sklaven gehalten werden. Bis hin zur unsicheren Überfahrt über das Mittelmeer, von Traumata und von Heimweh. „Keiner flieht aus seinem Land, wenn er nicht muss“, sagt Schleicher. „Selbst mit ein bisschen Hilfe lässt sich viel bewirken. Das überrascht mich immer wieder.“ Die Arbeit mit den Geflüchten habe sich in den vergangenen drei Jahren verändert – viele sprechen nun Deutsch und besuchen selbstständig Behörden oder auch Ärzte. Wesentlich gefragter dagegen ist jetzt die Hilfe bei der Jobsuche, etwa beim Verfassen von Bewerbungsschreiben. Etliche waren bei der Arbeitssuche schon erfolgreich – so absolviert ein Eritreer eine Ausbildung beim Schelklinger Elektrotechnik-Unternehmen Strobl, ein anderer arbeitet als Zimmerer. Wohnraum ist außerdem mittlerweile ein enorm wichtiges Thema. „Es ist sehr, sehr schwer für die Menschen, etwas zu finden“, sagt Anna Schleicher. „Es wäre gut, wenn sich noch mehr melden würden, die freie Wohnungen haben.“ Doch nicht alles ist problembeladen: Es gibt gemeinsame Ausflüge oder Feste, etwa zum orthodoxen Weihnachts- und Osterfest – die Eritreer sind überwiegend orthodoxe Christen. Oder Einladungen zum Essen, dann wird das traditionelle Fladenbrot aus Eritrea, das Injera, serviert, das auch als Teller dient. „Mein Bekanntenkreis hat sich schlagartig vergrößert, als ich mit der Flüchtlingsarbeit begann“, sagt Anna Schleicher. „Es gibt auch viel zu lachen.“ Sie reist gerne, und der Kontakt mit Menschen aus Eritrea, Syrien oder anderen Ländern, die nach Deutschland gekommen sind, ist für sie auch eine Gelegenheit, eine fremde Kultur näher kennenzulernen. Gleichzeitig ist die Hilfe für andere Menschen für sie  auch eine Gelegenheit, Dankbarkeit zu zeigen. „Ich bin sehr froh, dass es mir hier so gut geht. Ich habe meine Familie und Freunde um mich und hatte und habe alle Möglichkeiten, meinen Weg frei zu wählen. Ich kann lernen und arbeiten, was ich möchte“, sagt sie. „Und ich habe immer in einem friedlichen Land gelebt. Dafür möchte ich an Menschen, die das nicht mehr haben oder gar nie gekannt haben, etwas zurück geben.“ Sie könne durch ihre Arbeit erreichen, dass die Menschen, die neu in Deutschland sind, die Lebensweise und Art der Deutschen besser verstehen lernen. „Damit wir miteinander und nicht nebeneinander leben“, sagt Schleicher. Bei allem unterstützt sie der Helferkreis, der von Christine Hepperle im Schelklinger Rathaus koordiniert wird. „Der Zusammenhalt im Helferkreis ist wirklich toll“; lobt Schleicher. Für die Zukunft wünscht sich die junge Frau, dass sich die Menschen ohne Vorurteile begegnen – und sich nicht durch radikale Parteien oder Bewegungen gegeneinander aufhetzen lassen. „Es ist wichtig, dass der Mensch gesehen wird und nicht der Flüchtling“, sagt Schleicher.

Paten gesucht

Als nächstes Projekt ist übrigens geplant, Paten für einzelne Flüchtlinge zu finden. Ziel ist es, Gleichaltrige mit gleichen Interessen zu finden und miteinander in Kontakt zu bringen. „Wir haben jemanden, der gerne klettern würde – also suchen wir jemanden, der diesen Sport ausübt und ihn mal mitnimmt“, berichtet sie. Es gibt vieles, was getan werden kann – Menschen wie Anna Schleicher leisten ohne viel Aufhebens ein Stück weit Hilfe für ihre Mitmenschen. Einfach machen statt klagen.

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